Fakten im Überblick
Das Verkehrsministerium legt erstmals einen detaillierten Infraplan zum Bahnnetz vor.
Überlastete Streckenanteile im Schienennetz steigen laut Plan.
Jährliche Investitionen im Schienenbereich sollen bis 3,4 Milliarden Euro wachsen.
Erstmals hat das Bundesverkehrsministerium mit dem sogenannten Infraplan einen detaillierten Fünfjahresplan für den Ausbau und die Sanierung des deutschen Schienennetzes vorgestellt. Der am Dienstag veröffentlichte Plan nennt Kennzahlen wie neu gebaute Gleiskilometer, den Elektrifizierungsgrad der Strecken sowie Verspätungsminuten im Zusammenhang mit der Infrastruktur. Zukünftig sollen Ausbau und Erneuerung der Bahninfrastruktur an diesen Zielgrößen gemessen werden. Im Schienennetz der Deutschen Bahn zeigt sich laut Ministerium, dass der Anteil der gefahrenen Kilometer in überausgelasteten Netzabschnitten seit 2020 kontinuierlich von damals 3,7 auf 6,3 Prozent im Jahr 2025 gestiegen ist.
Staatssekretär Ulrich Lange machte deutlich: "Die Probleme im Netz sind über viele Jahre entstanden". Direkt und schnell umstellen sei keine Lösung: "Einfach den Schalter umlegen geht nicht. Aber wir können künftig über den ganzheitlichen Blick von Zielnetz und Infraplan die richtigen Prioritäten setzen und dafür sorgen, dass Verbesserungen am Ende bei Fahrgästen und Unternehmen ankommen."
Bahn-Infrastrukturchef Philipp Nagl sieht darin einen "wichtigen Schritt hin zu einer verlässlicheren und leistungsfährigeren Schieneninfrastruktur". Wie er betonte, entstehe so ein "gemeinsamen Rahmen, in dem Ziele, Maßnahmen und Wirkungen" zusammengeführt werden. DB Infrago könne dadurch Maßnahmen besser priorisieren. Das Ministerium will den Infraplan jährlich fortschreiben, "um Verbindlichkeit und Planungssicherheit stetig zu erhöhen".
Ein zentrales Ziel des Infraplans ist, die Haushaltsplanung der Bundesregierung enger mit den Bauvorhaben der Bahn zu verzahnen. Demnach plant der Bund für die nächsten Jahre steigende Investitionen: Für Neu- und Ausbaumaßnahmen im Schienennetz sollen nach 2,2 Milliarden Euro für 2025 im Folgejahr 2,4 Milliarden Euro, 2027 dann 2,9 Milliarden Euro und ab 2028 jährlich 3,4 Milliarden Euro bereitgestellt werden. Die Mittel sollen neben Schienen und Leittechnik auch in Lärmschutzsanierungen sowie die Sanierung von Bahnhöfen fließen. Geplant ist ein "Eisenbahninfrastrukturfonds", um eine längerfristige Finanzierung der Schiene abzusichern.
Das Ministerium betont, die Bundesregierung wolle die Entwicklung bei der Bahn stärker steuern. "Der Bund gibt Ziele und Prioritäten vor, die DB Infrago setzt um und wir machen transparent, dass wir vorankommen", erklärte Staatssekretär Lange. Er ergänzte: "Für die Menschen zählt am Ende, ob die Bahn verlässlich fährt. Genau daran muss sich auch unsere Infrastrukturpolitik messen lassen."
Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen begrüßte zwar den Ansatz, kritisierte aber: "In seiner jetzigen Form ist der Infraplan aber noch kein Planungs- und vor allem kein Priorisierungsinstrument". Es dürfe nicht bei einer "reinen Projektliste" bleiben.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Infraplan als Kraftprobe für Bahn und Politik
Mit dem Infraplan setzt das Bundesverkehrsministerium ein sichtbares Zeichen, dass die Probleme des deutschen Bahnnetzes nicht länger ignoriert werden. Die erstmals transparenten Kennzahlen und Investitionsziele sind dringend notwendig, um die Bahn zukunftssicher zu machen. Doch die Herausforderungen bleiben enorm: Jahr für Jahr wächst der Anteil überlasteter Strecken, und schnelle Lösungen sind nicht in Sicht. Bei allem Fortschritt reicht eine neue Aufzählung allein nicht aus – das hat selbst der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen betont. Entscheidend wird sein, wie mutig und konsequent Bund und Bahn künftig Prioritäten setzen. Wenn die Umsetzung so transparent und verbindlich gelingt, wie es der Plan verspricht, kann die Bahn wirklich verlässlicher werden. Die Prognose: Der Infraplan kann zum Wendepunkt werden – oder im Ergebnis eine reine Projektliste bleiben.
Historischer Hintergrund
Seit vielen Jahren gilt das Schienennetz der Deutschen Bahn als marode und überlastet, was durch anhaltend niedrige Investitionen sowie stetig zunehmenden Verkehr verschärft wurde. Immer wieder wurde deshalb der Ruf nach modernen Steuerungsinstrumenten und gezielteren Investitionen lauter. Mit dem jetzt veröffentlichten Infraplan versucht die Bundesregierung erstmals, spezifische Zielwerte, Maßnahmen und Haushaltsplanungen für den Erhalt und Ausbau des deutschen Bahnnetzes zu verknüpfen.
Zukunftsprognose
Sollte der Infraplan jährlich fortgeschrieben und konsequent umgesetzt werden, könnten mittelfristig klarere Prioritäten, mehr Investitionssicherheit und bessere Steuerung für den Bahnausbau entstehen. Die geplanten Milliardeninvestitionen könnten spürbare Verbesserungen für Fahrgäste und Unternehmen bringen. Bleibt es bei einer reinen Projektliste, könnte das Potential des Plans aber ungenutzt bleiben. Für andere europäische Länder könnte das Modell beispielgebend sein, sofern es tatsächlich Wirkung zeigt.
Erklärungen
Was ist der Infraplan?
Der Infraplan ist ein erstmals vom Verkehrsministerium veröffentlichter fünfjähriger Fahrplan mit konkreten Zielen und Kennzahlen für den Ausbau und die Modernisierung des deutschen Bahnnetzes.
OZD-Extras
Der "Eisenbahninfrastrukturfonds" ist als neues Instrument geplant, um längerfristige und von Jahresverhandlungen unabhängige Finanzierung für Bahnausbau sicherzustellen.
Ob sich der Infraplan positiv auf Aktien in der Bau- und Bahnbranche auswirkt, lässt sich derzeit nicht sicher abschätzen, da die konkreten wirtschaftlichen Folgen noch von der Umsetzung abhängen.
Gewinnspiel
Was beschreibt der neue Infraplan des Verkehrsministeriums?
A) Ziele und Maßnahmen für die Bahninfrastruktur
B) Standorte neuer Flughäfen
C) Ergebnisse der Bundestagswahl
D) Programme für die Solarindustrie
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.