Fakten im Überblick
Eisschnellläufer aus Erfurt unterschreiben die DESG-Athletenvereinbarung ausdrücklich unter Protest.
Die Sportler bemängeln erheblichen Druck und mangelnde Transparenz im Verband.
Nach dem 17. Oktober hoffen die Athleten auf einen Neustart der Zusammenarbeit.
Am Bundesstützpunkt Erfurt haben Eisschnellläuferinnen und Eisschnellläufer die umstrittene Athletenvereinbarung der Deutschen Eisschnelllauf und Shorttrack Gemeinschaft ausdrücklich unter Protest unterschrieben. Das Vertrauensverhältnis zum DESG-Präsidium gilt als erheblich beschädigt. Die Sportlerinnen und Sportler um Hendrik Dombek und Finn Sonnekalb erklärten, sie hätten in der begründeten Annahme unterschrieben, dass Erfurt als Bundesstützpunkt für Nachwuchs- und Spitzensport bestehen bleibt. Ihre Unterschrift stelle weder eine Zustimmung zum Vorgehen der DESG-Verantwortlichen in den vergangenen Monaten noch ein Fallenlassen der von uns vorgebrachten Einwände gegen Passagen in der Vereinbarung dar. Die Betroffenen sprechen zudem von erheblichem Druck, der über Monate aufgebaut und teilweise als psychische Gewalt wahrgenommen wurde. Sie betonten, die Entscheidung zur Unterzeichnung sei zur Abwendung weiterer sportlicher Nachteile, die uns in der vergangenen Woche erneut seitens des Verbandes vor Augen geführt wurden, erfolgt.
Laut der Stellungnahme zählen in der Verbandsarbeit aktuell weder Transparenz noch Good Governance, sondern machtpolitische Erwägungen. Den Aktiven zufolge wurden zahlreiche Möglichkeiten zur gemeinsamen Klärung der Angelegenheit aus ihrer Sicht nicht genutzt. Bereits im Juni hatte der Aufruhr um Pläne der DESG-Führung begonnen, die ein mögliches Ende des Standorts Erfurt als zentrales Bundesleistungszentrum für Nachwuchssportler vorsahen. Die Aufnahme in den Bundeskader wurde an die Unterzeichnung der neuen Vereinbarung geknüpft. Hoffnung schöpfen die Athleten aus der positiven Votierung für das Profil 1 durch den Deutschen Olympischen Sportbund. Damit sei bestätigt, dass der Standort die erforderlichen Voraussetzungen erfülle.
Nach monatelangem Streit und mehreren gegenseitigen Anschuldigungen zwischen der DESG und dem Thüringer Eis- und Rollsportverband, der im September sogar einen Antrag zur Abberufung des DESG-Präsidiums gestellt hatte, bleibt das Klima angespannt. Zuletzt bezeichnete TERV-Vizepräsident Peter Rüberg einen Vorwurf aus dem Verband als eine erneuten Lüge, die mit kaum zu überbietender Frechheit in die Welt gesetzt wurde. Staatsminister für Sport und Ehrenamt, Ronald Rauhe, sieht hier ganz klar den autonomen Sport gefordert. Er kündigte an, dass der Bund zeitnah über die Anerkennung der Bundesstützpunkte entscheiden und die DESG weiter eng mit Blick auf die Einhaltung der Fördervoraussetzungen beobachten und begleiten werde. Mit Blick auf die außerordentliche DESG-Mitgliederversammlung am 17. Oktober hoffen die Athletinnen und Athleten auf ein Wiederaufleben konstruktiver Zusammenarbeit und darauf, dass der Sport wieder in den Mittelpunkt rückt.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Protest mit Mut – Die Athleten zeigen Haltung
Die Entscheidung der Erfurter Athletinnen und Athleten, die DESG-Athletenvereinbarung nur unter Protest zu unterschreiben, ist ein bemerkenswertes Zeichen zivilen Ungehorsams im Sport. Sie ringen nicht nur um ihre sportliche Zukunft, sondern auch um Fairness und Mitbestimmung. Gerade junge Talente erleben, wie Interessen- und Machtkonflikte ihre Karrierewege beeinflussen. Der geschilderte Druck und der Vorwurf psychischer Gewalt lassen aufhorchen, denn es geht eben nicht nur um Verträge und Paragraphen, sondern um Menschen und ihre Leidenschaft für den Sport. Das Signal des DOSB, Erfurt als Bundesstützpunkt zu stützen, kann Hoffnung geben, aber ohne einen wirklichen Mentalitätswechsel in der Verbandsführung bleiben Skepsis und Misstrauen bestehen. Ein konstruktiver Neuanfang ist dringend erforderlich. Es bleibt abzuwarten, ob die außerordentliche Mitgliederversammlung zum Wendepunkt werden kann, doch die Entschlossenheit der Aktiven könnte einen echten Kulturwandel anstoßen.
Historischer Hintergrund
Die Konflikte zwischen Erfurter Eisschnellläufern, dem Thüringer Eis- und Rollsportverband und der Deutschen Eisschnelllauf und Shorttrack Gemeinschaft dauern seit Monaten an. Ausgangspunkt war der Entwurf einer neuen Athletenvereinbarung, der eine Zuweisung der Athleten von Erfurt nach Berlin oder Inzell und eine Koppelung des Bundeskader-Status an die Unterzeichnung beinhaltete. Im Laufe des Sommers verschärfte sich der Streit, als der TERV sich öffentlich gegen das DESG-Präsidium stellte und einen Antrag auf Abberufung einbrachte. Der Deutsche Olympische Sportbund gab dem Bundesstützpunkt Erfurt jedoch mit einer positiven Standortbewertung Rückendeckung.
Zukunftsprognose
Sollte sich der Verband auf einen respektvollen Dialog mit den Athleten einlassen, könnte das wieder Vertrauen schaffen und Perspektiven für den Standort Erfurt sichern. Bleibt das Verhältnis hingegen von Misstrauen und Vorwürfen geprägt, droht ein weiterer Vertrauensverlust und möglicherweise eine Schwächung des Erfurter Eisschnelllauf-Standortes. Auch im Bundesmaßstab könnte sich eine anhaltende Krise auf Nachwuchsgewinnung und sportliche Erfolge auswirken. Wie entscheidend die anstehenden Beschlüsse zur Anerkennung der Bundesstützpunkte und die Mitgliederversammlung verlaufen, wird den nächsten Monaten zeigen, wie tragfähig der deutsche Eisschnelllauf von innen heraus noch ist.
Erklärungen
Was ist die DESG-Athletenvereinbarung?
Die DESG-Athletenvereinbarung ist ein Vertrag zwischen Eisschnellläufern und dem Verband. Sie regelt Trainingsorte, Rechte, Pflichten und den Bundeskader-Status für Aktive.
Was ist ein Bundesstützpunkt?
Ein Bundesstützpunkt ist ein durch den DOSB offiziell anerkannter Trainingsort in Deutschland, an dem Talente und Spitzensportler systematisch gefördert werden.
OZD-Extras
Das Tauziehen um Erfurt unterstreicht die zunehmende Bedeutung von Mitbestimmung im Spitzensport. Nach Ansicht der Beteiligten könnte der Beschluss zur Anerkennung Erfurts als Bundesstützpunkt auch für die Nachwuchsförderung bundesweit Signalwirkung entfalten. Ein einfach absehbarer Einfluss auf Aktienmärkte oder wirtschaftliche Anlagen zeigt sich in diesem Fall nicht, da es sich um eine verbandspolitische Auseinandersetzung ohne börsennotierte Unternehmen handelt.
Gewinnspiel
Wie nennt sich der deutsche Verband für Eisschnelllauf und Shorttrack?
A) DESG
B) DOSB
C) TERV
D) SID
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.