Fakten im Überblick
Der IWF hebt die Wachstumsprognose für Deutschland 2024 auf 1,3 Prozent an.
Die Weltwirtschaft soll laut IWF 2024 um 3,1 Prozent wachsen.
Der Ausblick bleibt laut IWF "zweigeteilt" – KI-Boom und Energiekrisen prägen die Zukunft.
Der Internationale Währungsfonds hat seine Wirtschaftserwartungen für Deutschland überraschend nach oben korrigiert. Laut dem auf dem IWF-Jahrestreffen in Bangkok vorgestellten Bericht wächst das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland 2024 voraussichtlich um 1,3 Prozent und damit um 0,6 Prozentpunkte mehr als zuletzt im Juli prognostiziert. Für 2025 rechnet der IWF mit 1,1 Prozent Wachstum, ein ebenfalls leicht verbesserter Wert. Auch die globale Wachstumsprognose wurde um 0,1 Punkte auf 3,1 Prozent erhöht. Trotz dieser positiven Korrekturen bleibt die Unsicherheit groß. Der Fonds warnt ausdrücklich vor einem „zweigeteiltem“ Ausblick für die Weltwirtschaft.
Während viele Industrieländer steigende Investitionen in Künstliche Intelligenz für sich nutzen, könnten ärmere Staaten, die vom KI-Boom wenig profitieren, weiter durch hohe Energiepreise belastet werden. Die Ausblicke für einzelne Regionen sind laut IWF weiterhin geteilt: Während China 2024 nur noch ein Wachstum von 4,5 Prozent erreichen soll, nach 5,0 Prozent im Vorjahr erwartet die Eurozone eine Steigerung um 1,1 Prozent für 2026, sogar eine leichte Verbesserung. Für Saudi-Arabien hingegen rechnet der Fonds nach Korrektur mit einem BIP-Minus von 3,3 Prozent im Jahr 2026. Die globalen Wachstumsrisiken beurteilt IWF-Chefökonomin Silvana Tenreyro eher negativ: „Die Weltwirtschaft hat sich als widerstandsfähig erwiesen, doch diese Widerstandsfähigkeit steht unter Druck, und die Risiken für das Wachstum sind eher nach unten gerichtet“.
Ein „fragmentierten“ Zustand konstatiert der Bericht angesichts des Iran-Kriegs und des KI-Booms. Zugespitzt drohen laut IWF anhaltende politische Spannungen, die „den Inflationsdruck wiederbeleben“, Spar- und Handelsbilanzen belasten und „energieimportierende sowie einkommensschwache Länder am härtesten treffen“ könnten. Auch der Optimismus des KI-Booms sei zerbrechlich: „könnte der derzeitige technologische Rückenwind abrupt zum Erliegen kommen, wenn die Erwartungen hinsichtlich KI-bezogener Gewinne und Produktivitätssteigerungen neu bewertet“, mahnt der Fonds. Für das Jahr 2026 prognostiziert der IWF weltweit eine Preissteigerungsrate von 4,7 Prozent.
Tenreyro fordert angesichts der Abwärtsrisiken „dringende Maßnahmen“ der Regierungen und empfiehlt, die staatliche Unterstützung auf gezielte, temporäre Maßnahmen zu beschränken. Die Notenbanken sollten laut IWF „die Geldpolitik weiterhin fest auf Preisstabilität ausgerichtet bleiben“. Gleichwohl sieht Tenreyro die Herausforderung, nach der Krisenbewältigung nun den „Wiederaufbau“ einzuleiten: „Die Wirtschaft hat sich widerstandsfähig gezeigt, aber diese Widerstandsfähigkeit kommt an ihre Grenzen“. Ziel sei es nun, „von der Bewältigung der Krise zum Wiederaufbau überzugehen“.
OZD/AFP
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OZD-Kommentar – Geteilte Chancen – geteilte Risiken für Deutschland und die Welt
Die aktuelle Prognose des IWF für Deutschland ist Balsam für die angeschlagene Volkswirtschaft und dürfte Politik und Wirtschaft erleichtert aufatmen lassen. Doch die Mahnung der IWF-Ökonomin Tenreyro zeigt: Der Rückenwind ist nicht selbstverständlich, sondern das Ergebnis harter Anpassungsprozesse und globaler Spaltungstendenzen. Die Aussicht auf ein Auseinanderdriften zwischen KI-gewinnenden Industrieländern und rohstoffarmen, einkommensschwachen Staaten birgt Sprengstoff für die weltwirtschaftliche Stabilität. Es genügt nicht, kurzfristige Wachstumszahlen zu feiern, solange globale Krisen und politische Unsicherheiten ungelöst bleiben. Deutschlands Weg dürfte auch weiterhin vom internationalen Umfeld geprägt sein, gerade bei Energiepreisen und Exportmöglichkeiten. Es bleibt dem Land nichts anderes übrig, als Innovation und soziale Stabilität entschlossen abzusichern, um im Rennen nicht zurückzufallen. Wahrscheinlich ist: Die kommenden Jahre bringen durch KI, Geopolitik und Märkte erhebliche Herausforderungen – Chancen und Risiken werden weiterhin ungleich verteilt bleiben.
Historischer Hintergrund
Die Wachstumsprognosen des IWF für Deutschland und die Weltwirtschaft werden regelmäßig veröffentlicht und geben Politik und Finanzmärkten wichtige Orientierung. In den vergangenen Jahren bestimmten unter anderem die Corona-Pandemie, rasant gestiegene Energiepreise durch internationale Konflikte – aktuell verstärkt durch den Iran-Krieg – sowie das globale Wettrennen um die Digitalisierung den Ton. Besonders die Investitionen in Künstliche Intelligenz schaffen nach Ansicht des IWF einen Graben zwischen reichen Industrienationen und Schwellen- sowie Entwicklungsländern. Als zentral gelten dabei die Herausforderungen durch geopolitische Spannungen und Handelskonflikte, die für Unsicherheiten sorgen.
Zukunftsprognose
Politisch könnten steigende Spannungen, etwa durch den Iran-Krieg oder protektionistische Tendenzen, die globale Zusammenarbeit weiter erschweren. Wirtschaftlich ist mit anhaltender Unsicherheit bei der Energieversorgung und zunehmenden Fragmentierung zu rechnen. Gesellschaftlich drohen insbesondere für Länder mit geringem Einkommen größere Belastungen, während Industrieländer von Technologieinnovationen profitieren. International wird sich laut Einschätzung des IWF ein geteiltes Bild zeigen: Wachstumschancen bleiben ungleich verteilt und können je nach Verlauf von KI-Boom und geopolitischer Krisen künftige Konjunkturen maßgeblich beeinflussen. Übermäßige Hoffnungen auf anhaltende Produktivitätsschübe durch KI könnten enttäuscht werden, was Investitionsbereitschaft bremst und weltweit Finanzmärkte unter Druck setzt.
Erklärungen
Was ist der IWF?
Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist eine bedeutende internationale Institution mit Sitz in Washington, D.C. Sie fördert globale Finanzstabilität, vergibt Kredite und veröffentlicht regelmäßig Wirtschaftsanalysen und -prognosen. Mitgliedstaaten sind nahezu alle Länder der Welt.
Was ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP)?
Das Bruttoinlandsprodukt ist der Gesamtwert aller in einem Land hergestellten Waren und Dienstleistungen innerhalb eines Jahres. Es gilt als zentrale Kennzahl für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes.
OZD-Extras
Kurios: Der IWF sieht für Saudi-Arabien trotz reicher Ölvorkommen ein sinkendes BIP und rechnet 2026 mit einem deutlichen Rückgang. Die Prognose betont, wie sehr regionale Konflikte und weltweite Preisschwankungen auch ressourcenreiche Staaten treffen können.
Für Finanzmärkte bleibt der Zusammenhang klar: Unsicherheit und „fragmentierte“ Weltwirtschaft könnten zu Kursschwankungen an den Börsen sowie neuen Herausforderungen für Investoren führen. Steigende Zinsen zur Inflationsbekämpfung könnten den Aktienmarkt belasten, sofern sie tatsächlich umgesetzt werden. Diese Entwicklung bleibt mit Risiken behaftet.
Gewinnspiel
Wie viel soll laut IWF die deutsche Wirtschaft 2024 wachsen?
A) 0,9 Prozent
B) 1,3 Prozent
C) 1,7 Prozent
D) 2,1 Prozent
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.