Zum Inhalt springen
OZD.news - News und Nachrichten zum Nachschlagen
QR-Code zu www.online-zeitung-deutschland.de
Diesen Artikel teilen

Selenskyj wirft USA Verzögerung bei Patriot-Lieferungen vor

Der ukrainische Präsident Selenskyj wirft den USA vor, bezahlte Abfangraketen zurückzuhalten. Er beklagt weitere Hürden bei Waffen- und Datenlieferungen.

Fakten im Überblick

Der ukrainische Präsident Selenskyj wirft den USA vor, bezahlte Abfangraketen verzögert zu liefern.

Laut Selenskyj warten europäische Patriot-Raketen auf die US-Genehmigung zur Lieferung an die Ukraine.

Die USA bestreiten, dass Präsident Trump die Drosselung des wichtigen Starlink-Dienstes angeordnet hat.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat schwere Vorwürfe gegen die US-Regierung erhoben: Die seitens Europas bereits bezahlten Abfangraketen seien noch immer nicht geliefert worden. Vor US-Senatoren erklärte Selenskyj am Montag, die Waffen seien über den sogenannten Purl-Mechanismus finanziert worden. Mit diesem System können Nato-Staaten und Verbündete Waffenpakete in den USA für die Ukraine kaufen. Nach Selenskyjs Angaben verweigere US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bislang die notwendige Unterschrift, die für den Transport der Raketen in die Ukraine notwendig sei. Selenskyj betonte erneut, europäische Staaten hätten Patriot-Abfangraketen aus ihren Beständen bereitgestellt, doch die endgültige Übergabe sei von den USA nicht genehmigt worden. "Die Raketen sind einsatzbereit. Sie könnten bereits in der Ukraine sein. (...) Aber leider ist die Genehmigung noch immer nicht erteilt worden", sagte Selenskyj laut Angaben des ukrainischen Präsidialamts. Er fügte hinzu: "Dies alles legt nahe, dass eine politische Entscheidung getroffen wurde, um die Unterstützung für uns zu verlangsamen".

Hintergrund der angespannten Lieferungssituation ist die schwieriger werdende Lage der Ukraine im Abwehrkampf gegen russische Raketenangriffe. Der Präsident kritisierte jüngst auch, dass die ukrainische Armee für "drei Tage lang" während russischer Angriffe keinen Zugriff auf US-Geheimdienstinformationen gehabt habe. Dies habe sein Land weiter geschwächt, erklärte Selenskyj. US-Außenminister Marco Rubio wies diese Vorwürfe entschieden zurück. Zusätzlich verschärft sich die Misere nach Selenskyjs Angaben dadurch, dass der für die Armee lebenswichtige Satelliten-Kommunikationsdienst Starlink in mehreren Frontabschnitten nur gedrosselt funktioniere. Schon vergangene Woche hatte die Ukraine die USA beschuldigt, den Betreiber auf eine Drosselung hingewiesen zu haben, nachdem Präsident Donald Trump sich verärgert über ukrainische Angriffe auf russische Ölraffinerien gezeigt hatte.

Zwar bestreitet die US-Regierung, der Präsident selbst habe eine solche Einschränkung angeordnet, doch der Starlink-Unternehmer Elon Musk bezeichnete das US-Militär und letztlich den US-Präsidenten als verantwortliche Instanzen: "Alle Begrenzungen bei Geschwindigkeit oder Nutzung werden vom US-Militär und letztlich vom POTUS (Präsidenten der Vereinigten Staaten) entschieden". Bezeichnend ist, dass Kritiker Trump seit längerem einen russlandfreundlichen Kurs vorwerfen. Zuletzt hatte Trump kurz vor dem Inkrafttreten bereits beschlossene Sanktionen gegen Russland ausgesetzt und ein umstrittenes Diesel-Abkommen mit Putin geschlossen, was im Kontext der bevorstehenden Kongresswahlen für innenpolitischen Druck sorgt. Das Verhältnis zwischen Kiew und Washington bleibt damit angespannt, während in den USA Trumps Republikaner angesichts hoher Lebenshaltungskosten und steigender Spritpreise unter Druck stehen.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Zwischen Vertrauen und Misstrauen im Ukraine-Konflikt

Die Vorwürfe zwischen Washington und Kiew offenbaren, wie brüchig selbst zwischen offiziellen Partnern das gegenseitige Vertrauen sein kann. Wenn ein Präsident öffentlich bemängeln muss, dass bereits bezahlte Waffensysteme zurückgehalten werden, brennt es im transatlantischen Bündnis. Die amerikanische Administration gibt sich zwar gelassen, aber das Ringen um politische Entscheidungen offenbart eine neue Härte – insbesondere mit Blick auf die bevorstehenden Midterms und die gesellschaftlichen Spannungen in den USA. Die Blockade oder Verzögerung von Lieferungen, ob aus taktischem Kalkül oder parteipolitischem Interesse, gefährdet aber letztlich die Sicherheit Europas und das Überleben der Ukraine. Sollten die USA weiterhin aus innenpolitischen Gründen beim Thema Militärhilfe taktieren, droht ein nachhaltiger Riss im Bündnis. Es ist wahrscheinlich, dass die Atmosphäre zwischen beiden Staaten angespannt bleibt und auch nach den Kongresswahlen nicht sofort Entspannung eintritt.

Historischer Hintergrund

Die Lieferung westlicher Waffen an die Ukraine steht seit Beginn des russischen Angriffskriegs 2022 im Fokus internationaler Debatten. Die USA sind der wichtigste Waffenlieferant der Ukraine, haben aber stets betont, eigenständige Entscheidungen über Qualität und Umfang der Militärhilfe zu treffen. Die Patriot-Systeme gelten als besonders wichtig für die ukrainische Luftverteidigung. Die wiederholte Diskussion über Liefertempo, politische Abwägungen und Technologien wie Starlink stehen seit Beginn der russischen Offensive im Mittelpunkt der Beziehungen zwischen Kiew, Washington und den anderen Nato-Staaten.

Zukunftsprognose

Sollte die US-Regierung Lieferungen weiter verzögern, könnte die Ukraine noch stärker unter russischen Angriffen leiden. Politisch droht die Gefahr, dass das Vertrauen in die amerikanisch-europäische Allianz schwindet. Zudem könnten innenpolitische Debatten in den USA den Kurs gegenüber Russland weiter beeinflussen, insbesondere falls Trumps Linie fortbesteht. Langfristig kann sich ein verändertes US-Verhalten auf die globale Sicherheitsarchitektur und die Unterstützung für die Ukraine auswirken.

Erklärungen

Was ist das Purl-Programm?

Das Purl-Programm erlaubt es Nato-Ländern und ihren Verbündeten, Waffen aus US-Beständen für die Ukraine zu kaufen.

Was sind Patriot-Raketen?

Patriot-Raketen sind moderne Luftverteidigungssysteme, die zur Abwehr feindlicher Raketen eingesetzt werden.

Was ist Starlink?

Starlink ist ein Satelliteninternetdienst, der vor allem im Kriegsgebiet für sichere Kommunikation genutzt wird.

OZD-Extras

2022 entschied sich das US-Militär erstmals, den Zugriff der Ukraine auf Starlink einzuschränken. Analysten sehen einen Zusammenhang zwischen politischem Druck und technischen Maßnahmen.

Die aktuelle Nachrichtenlage lässt noch keine klaren Aussagen über direkte Auswirkungen der Waffen-Einschränkungen auf die internationalen Finanzmärkte zu.

Gewinnspiel

Wie heißt das Luftverteidigungssystem, das die Ukraine dringend benötigt?

A) Patriot

B) Arrow

C) S-300

D) Iron Dome

Zum Gewinnspiel

Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.