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Tusk wirft Opposition Angriff auf Demokratie in Polen vor

Regierungschef Tusk sieht Demokratie und Rechtsstaat in Gefahr. Der Streit um das Verfassungsgericht sorgt in Polen für massive Spannungen.

Fakten im Überblick

Polens Regierungschef Tusk wirft der Opposition vor, Demokratie und Rechtsstaat anzugreifen.

Anhänger der Partei Recht und Gerechtigkeit protestieren gegen Richterwechsel am Verfassungsgericht.

Präsident Nawrocki verschaffte sich trotz Abwesenheit Zutritt zum Verfassungsgericht.

Der Machtkampf um das polnische Verfassungsgericht ist in eine neue, dramatische Phase eingetreten. Polens Ministerpräsident Donald Tusk sieht die „Demokratie und den Rechtsstaat“ bedroht. In einem emotionalen Onlinevideo wandte er sich am Samstagabend an die Öffentlichkeit und forderte: „Lasst uns die Dinge beim Namen nennen“. Es gebe seit Jahren Kräfte im Land, so Tusk, „die die Demokratie und den Rechtsstaat zerstören wollen.“ Er verurteilte die Proteste vor dem Verfassungsgericht scharf als „entsetzlich“ und äußerte die Hoffnung, „dass wir in Polen nie wieder Zeugen solcher Szenen werden müssen“. Tusk betonte gleichzeitig: „Ein demokratischer Staat muss stark sein.“

Die Lage eskalierte, als Anhänger der nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) am Freitag versuchten, Barrikaden zu überwinden, um das Gelände des Gerichts zu stürmen. Ihr Protest richtete sich gegen die Suspendierung von Gerichtspräsident Bogdan Swieczkowski, der während der PiS-Regierungszeit ernannt worden war. Die Bereitschaftspolizei griff ein, verhinderte den Zugriff auf das Gericht und nahm drei Demonstrierende fest.

Präsident Karol Nawrocki, selbst Unterstützer der PiS und maßgeblich durch die Partei ins Amt gelangt, kehrte inmitten der Krise von einer Auslandsreise zurück und verschaffte sich Zutritt zum Verfassungsgericht, obwohl er sich eigentlich auf einem Flug nach Senegal befand. Dies rief weitere Kritik von Tusk hervor, der klarstellte: „In einem Rechtsstaat darf ein Politiker nicht in ein Gericht eindringen, um Befehle zu geben oder Richter einzuschüchtern, selbst dann nicht, wenn er Präsident ist“.

Der Hintergrund des allgegenwärtigen Konflikts liegt in der Besetzungspraxis des Gerichts durch die PiS von 2015 bis 2023, als politisch nahestehende Richter entgegen früherer Ernennungen eingesetzt wurden. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte bewertete diese Praxis 2021 als rechtswidrig, und die EU kritisiert seitdem die Unabhängigkeit der polnischen Justiz. Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2023 versucht Regierungschef Tusk, umstrittene Ernennungen rückgängig zu machen. Doch Präsident Nawrocki blockiert bislang die Vereidigung neuer Richter, die einen Wandel am Verfassungsgericht einleiten könnten.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Polens Justiz im Würgegriff des politischen Streits

Der Streit um das polnische Verfassungsgericht steht exemplarisch für die tiefe gesellschaftliche Spaltung in Polen. Es ist ein hochpolitisches Ringen um Einfluss, bei dem die Unabhängigkeit der Justiz oft nur noch eine rhetorische Formel zu sein scheint. Die Proteste, das Vorgehen der Polizei und die Rückkehr des Präsidenten in die politische Arena zeigen, wie sehr beide Lager zu Eskalationen bereit sind. Gerade in einer europäischen Demokratie sollte die Gewaltenteilung ein unantastbares Gut bleiben. Die jüngsten Entwicklungen werfen ein Schlaglicht darauf, wie gefährlich das Spiel mit der Justiz für das Vertrauen in den Staat ist. Es braucht jetzt politische Verantwortung und Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten, um den demokratischen Grundkonsens zu stärken. Es ist absehbar, dass der Machtkampf um das Verfassungsgericht auch künftig zu erheblichen politischen Spannungen führen wird.

Historischer Hintergrund

Der Konflikt um das polnische Verfassungsgericht entstand während der Regierungszeit der nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit von 2015 bis 2023. In dieser Zeit wurden Richter vom Parlament berufen, die parteinah waren und damit die frühere Besetzung vieler Posten ignoriert haben. Das Vorgehen wurde international kritisch begleitet: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte stufte die Praxis 2021 als rechtswidrig ein. Die Europäische Union meldete Bedenken zur Unabhängigkeit der Justiz an. Die Regierung von Donald Tusk versucht seit Ende 2023, diese Entscheidungen rückgängig zu machen – gegen massiven Widerstand der Opposition und des Präsidenten.

Zukunftsprognose

Die Auseinandersetzungen um die Besetzung des Verfassungsgerichts dürften das politische Klima in Polen weiter belasten. Sollte keine Einigung erzielt werden, könnten institutionelle Blockaden Parlament und Exekutive schwächen. Auch das Verhältnis zu der Europäischen Union bleibt angespannt, solange Polen die Empfehlungen und Urteile europäischer Gerichte nicht vollständig umsetzt. Es ist denkbar, dass weitere Proteste folgen und der gesellschaftliche Graben in Polen sich vertieft.

Erklärungen

Was ist das polnische Verfassungsgericht?

Das polnische Verfassungsgericht prüft, ob Gesetze und politische Entscheidungen mit der Verfassung des Landes vereinbar sind. Es besteht aus mehreren Richtern, die für neun Jahre berufen werden. Die Unabhängigkeit des Gerichts gilt als Fundament der rechtsstaatlichen Ordnung in Polen.

OZD-Extras

Der Machtkampf um die Justiz hat das Verhältnis Polens zur EU seit Jahren belastet. Brüssel sieht in der Justizreform ein Problem für den gemeinsamen Rechtsrahmen in Europa. Auswirkungen auf den Aktienmarkt oder die Währung Zloty lassen sich aktuell nicht zuverlässig abschätzen und hängen von der weiteren politischen Entwicklung ab.

Gewinnspiel

Welches Gericht urteilte 2021 zur Rechtswidrigkeit polnischer Richterernennungen?

A) Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte

B) Bundesverfassungsgericht

C) Supreme Court der USA

D) Europäischer Gerichtshof

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.