Fakten im Überblick
Die WHO empfiehlt sechs globale Gesundheits- und Klimaschutzmaßnahmen.
Bis zu 1,56 Millionen Menschenleben könnten jährlich gerettet werden.
Die Maßnahmen bergen laut WHO wirtschaftlichen Nutzen von bis zu vier Billionen Dollar.
Kurz vor Beginn der UN-Klimakonferenz COP31 im türkischen Antalya schlägt die Weltgesundheitsorganisation mit einer alarmierenden Prognose auf: Wenn weltweit sechs gezielte Klima- und Gesundheitsmaßnahmen umgesetzt würden, ließen sich jährlich bis zu 1,56 Millionen Menschenleben retten. Das betont die WHO in ihrer aktuellen Studie. Die Organisation spricht in diesem Zusammenhang von einer "Dreifach-Dividende" – denn die empfohlenen Schritte verbessern die Gesundheit der Bevölkerung, senken die Treibhausgasemissionen und stärken die Volkswirtschaften.
Zu den genannten Maßnahmen zählen Warnsysteme bei gesundheitlichen Risiken durch Hitze, resiliente Systeme für Trinkwasser und Abwasser, verbesserte Handhygiene, der stärkere Einsatz sauberer Energiequellen wie Solar sowie die effiziente Bepreisung klimaschädlicher Brennstoffe wie Kohle und Erdöl. Die Studie bezieht sich auf Berechnungen für 187 Staaten im Zeitraum zwischen 2024 und 2075. Neben der Rettung von Menschenleben könnten mit den Maßnahmen jährlich bis zu 16,7 Milliarden Tonnen Treibhausgase eingespart werden. Der wirtschaftliche Nutzen wird von der WHO mit etwa vier Billionen Dollar pro Jahr beziffert, hinzu kämen davon unabhängige Einsparungen von über fünf Billionen Dollar für die Staatshaushalte. Besonders die Bepreisung fossiler Energieträger sticht als effektivste Einzelmaßnahme hervor: Durch sie könnte nach Schätzungen der WHO allein rund 1,2 Millionen Todesfälle jährlich verhindert werden.
WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus betont, "Die Welt muss Lösungen identifizieren, priorisieren und umsetzen, die dazu beitragen, den Verlust von Menschenleben zu verhindern und Gemeinschaften vor klimabedingten Schäden zu schützen". Bereits heute bestehende "Lösungen" könnten laut WHO weltweit ausgerollt werden – das biete eine "außergewöhnliche Chance". Besonders Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen könnten dem Bericht zufolge am stärksten profitieren. Auch wenn die Studie auf ehrgeizigen Annahmen basiert und an manchen Stellen Datenlücken bestehen, ist die WHO überzeugt: Ihre Prognosen zeigen, "dass Investitionen in bewährte Klima- und Gesundheitsmaßnahmen" wertvolle Vorteile bringen könnten.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Klimaschutz als Lebensversicherung
Die WHO-Studie zeichnet ein deutliches Bild: Klimaschutz heißt Menschenschutz. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse verdeutlichen, dass Investitionen in Gesundheit und Klima nicht nur moralisch geboten, sondern wirtschaftlich sinnvoll sind. Ein jährliches Potenzial von über 1,5 Millionen geretteten Leben und Einsparungen im Billionenbereich sind Kennzahlen, die aufhorchen lassen sollten. Gleichzeitig mahnt die Weltgesundheitsorganisation zur Eile. Es gibt erprobte Lösungen und eine "außergewöhnliche Chance", sie global zu nutzen. Die Umsetzung scheitert jedoch oft an fehlendem politischem Willen und kurzfristigen Eigeninteressen. Länder mit niedrigem oder mittlerem Einkommen wären die Hauptgewinner, blieben aber bisher häufig außen vor. Die Zeit zum Handeln ist knapp. Die internationale Gemeinschaft steht erneut vor der Entscheidung, den Gesundheitsschutz als integralen Bestandteil des Klimaschutzes zu begreifen. Die realistische Prognose: Nur wenn endlich gehandelt wird, können die gigantischen Potenziale in Mensch, Umwelt und Wirtschaft Wirklichkeit werden.
Historischer Hintergrund
Die Verbindung zwischen Klimaschutz und Gesundheit spielte bereits auf früheren UN-Klimakonferenzen eine Rolle, erhielt aber erst in den letzten Jahren mehr Aufmerksamkeit. Die wachsende Zahl klimabedingter Extremwetterlagen und gesundheitsrelevanter Umweltbelastungen rückte das Zusammenspiel von Gesundheit, wirtschaftlicher Entwicklung und Klimapolitik verstärkt in den Fokus internationaler Organisationen wie der WHO und der UN. COP31 in Antalya ist ein weiterer Meilenstein in der Debatte um die Wechselwirkungen zwischen Klimaschutz und globaler Gesundheitspolitik.
Zukunftsprognose
Sollten die von der WHO empfohlenen Maßnahmen weltweit umgesetzt werden, könnten sich nicht nur die Überlebenschancen von Millionen Menschen deutlich verbessern. Auch das globale Wirtschaftswachstum und die Stabilität von Staaten, besonders aus dem globalen Süden, könnten deutlich profitieren. Gleichzeitig stellen ambitionierte Vorgaben für Klima- und Gesundheitspolitik sowohl Industrieländer als auch Entwicklungsländer vor große Herausforderungen in Planung und Finanzierung. Wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen könnten je nach Umsetzung und internationaler Zusammenarbeit sehr unterschiedlich ausfallen. Die globalen Auswirkungen würden auch andere Länder mitziehen, die von sinkenden Emissionen und stabileren Volkswirtschaften weltweit profitieren könnten.
Erklärungen
Was sind Klima- und Gesundheitsmaßnahmen?
Klima- und Gesundheitsmaßnahmen sind politische und technische Instrumente, die sowohl den Klimaschutz als auch den gesundheitlichen Schutz der Bevölkerung fördern. Dazu zählen Warnsysteme vor Wetterextremen, Zugang zu sauberem Wasser, Förderung erneuerbarer Energien und Finanzierungsmodelle zur Senkung klimaschädlicher Emissionen.
OZD-Extras
Der wirtschaftliche Vorteil von vier Billionen Dollar jährlich könnte globale Märkte beeinflussen, vor allem im Energiesektor. Falls fossile Energieträger teurer werden, könnten Aktien von Unternehmen aus den Bereichen erneuerbare Energien und Umwelttechnologie profitieren – allerdings hängt dies maßgeblich von politischen Entscheidungen ab.
Gewinnspiel
Wie viele Menschenleben könnten laut WHO-Studie durch bestimmte Klima- und Gesundheitsmaßnahmen jährlich gerettet werden?
A) Rund 500.000
B) 1,56 Millionen
C) 5 Millionen
D) 20.000
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.