Es war ein Abend zwischen Hoffen und Bangen – doch am Ende triumphierte Italien im Schatten einer Niederlage. Trotz eines 1:3 gegen Weltmeister Spanien haben sich die Italienerinnen für das Viertelfinale der Europameisterschaft qualifiziert. Den entscheidenden Schub lieferte ausgerechnet Belgien, das Portugal in einem dramatischen Parallelspiel mit 2:1 besiegte und damit Italiens Weiterkommen möglich machte. In Bern zeigte das Team von Trainer Andrea Soncin gegen das rotierende Starensemble Spaniens eine couragierte Leistung, musste sich jedoch der individuellen Klasse des Turnierfavoriten beugen.
Bereits früh hatte Elisabetta Oliviero Italien mit einem wuchtigen Kopfball in Führung gebracht. Doch die Antwort der Spanierinnen folgte prompt – Athenea del Castillo glich nur vier Minuten später aus. Nach dem Seitenwechsel schlug Patricia Guijarro zu und drehte das Spiel. In der Nachspielzeit machte Spaniens Torjägerin Esther alles klar, begünstigt durch einen schweren Patzer von Italiens Torhüterin Laura Giuliani. Damit bleibt Spanien nach drei Siegen aus drei Spielen makellos und trifft im Viertelfinale auf die Schweiz.
Italien hingegen darf sich bei Belgien bedanken. In einem furiosen Spiel in Sion warf das bereits ausgeschiedene belgische Team noch einmal alles in die Waagschale. Tessa Wullaert brachte ihre Mannschaft früh in Führung, Portugal rannte an, scheiterte mehrfach – und kam erst in der 87. Minute zum Ausgleich. Doch in allerletzter Sekunde konterte Belgien eiskalt: Janice Cayman erzielte in der sechsten Minute der Nachspielzeit den viel umjubelten Siegtreffer – und besiegelte damit das Aus für Portugal.
Italien steht somit mit nur einem Sieg im Viertelfinale – und trifft nun auf Norwegen, das sich in Gruppe A mit drei Siegen durchsetzte. Trotz personeller Sorgen und einem schwierigen Turnierverlauf ist für die „Azzurre“ damit weiterhin alles möglich.
OZD
OZD-Kommentar:
Italien verliert – und jubelt trotzdem. Was auf den ersten Blick paradox wirkt, zeigt, wie gnadenlos und manchmal kurios ein Turnierverlauf sein kann. Die Squadra Azzurra hat sich durchgeschleppt, profitierte von der Schwäche Portugals und der belgischen Ehre. Doch der Einzug ins Viertelfinale darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieses Team bisher keine überzeugende EM spielt. Spanien war eine Nummer zu groß – Norwegen wird nicht kleiner sein. Wenn Italien in Genf bestehen will, braucht es mehr als Glück und Schützenhilfe. Es braucht Charakter, Leidenschaft und endlich auch ein überzeugendes Spiel.
Lesermeinungen
„Italien ist weiter – aber ehrlich gesagt: verdient hat sich das heute Belgien!“ beate
„Wenn man mit einer Niederlage weiterkommt, muss man im nächsten Spiel doppelt so viel kämpfen.“ Gudrun Land
„Portugal hat’s vermasselt. Italien darf sich bedanken – und sollte jetzt liefern!“ Patrica L.
OZD-Analyse
1. Spanien dominiert trotz Rotation
– Trainerin Montse Tomé veränderte ihr Team auf sechs Positionen.
– Die Mannschaft zeigte dennoch Kontrolle, Ballbesitzfußball und Zielstrebigkeit.
– Aitana Bonmatí kehrte nach ihrer schweren Erkrankung erstmals in die Startelf zurück.
2. Italiens Abhängigkeit von anderen Spielen
a) Eigene Leistung limitiert –
– Nur ein Sieg aus drei Spielen, zuletzt klare Niederlage gegen Spanien.
– Defensive Schwächen wurden erneut sichtbar.
b) Hilfe durch Belgien –
– Das bereits ausgeschiedene Team wuchs gegen Portugal über sich hinaus.
– Zwei aberkannte Tore, ein später Siegtreffer – und das aus purer Ehre.
3. Viertelfinale mit Fragezeichen
a) Gegner Norwegen stark –
– Norwegen gewann alle Gruppenspiele, zeigte sich torhungrig und stabil.
– Italien ist in der Außenseiterrolle.
b) Chancen für Italien –
– Ein neues Spiel, neue Möglichkeiten.
– Kommt Caruso in Form, kann sie die Offensive tragen.
Wer ist Arianna Caruso?
Arianna Caruso wurde am 6. November 1999 in Rom geboren und ist eine zentrale Figur im italienischen Nationalteam. Die Mittelfeldspielerin steht seit 2024 beim FC Bayern München unter Vertrag und überzeugt mit Spielintelligenz, Technik und Führungsqualität. Ihre Karriere begann bei AS Roma, bevor sie sich in der Serie A einen Namen machte. Sie gilt als eine der hoffnungsvollsten italienischen Spielerinnen ihrer Generation und ist vor allem für ihre Übersicht und Passgenauigkeit bekannt.
Was ist die Frauen-EM 2025?
Die UEFA Women’s Euro 2025 findet erstmals in der Schweiz statt. Zwölf Nationen kämpfen in vier Gruppen um den Einzug ins Viertelfinale. Nach der Vorrunde geht es im K.o.-Modus weiter. Die EM gilt als Meilenstein im europäischen Frauenfußball, da erstmals auch kleinere Gastgeberstädte und moderne Spielstätten wie Genf, Sion und Bern das Turnier mittragen. Mit wachsender Medienpräsenz, steigenden Zuschauerzahlen und starkem sportlichen Niveau erlebt die Frauen-EM einen historischen Bedeutungszuwachs.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.