Der große Traum bleibt unerfüllt: Alexander Zverev ist bei den US Open bereits in der dritten Runde gescheitert. Der Weltranglistendritte unterlag nach 3:48 Stunden dem Kanadier Félix Auger-Aliassime mit 6:4, 6:7 (7:9), 4:6, 4:6 und verpasst damit die nächste Gelegenheit auf den ersehnten Premierentitel bei einem Major-Turnier. Zum 39. Mal trat Zverev auf Grand-Slam-Ebene an, zum 39. Mal ohne Happy End.
Dabei hatte der Hamburger vielversprechend begonnen, den ersten Satz souverän gewonnen und die Kontrolle in der Hand. Doch im zweiten Durchgang kippte das Match. "Der unglückliche zweite Satz hat das ganze Spiel verändert", erklärte Zverev hinterher. Anstatt nachzulegen, verlor er seinen Rhythmus und agierte zu passiv. "Ich habe kein Ballgefühl gehabt im ganzen Turnier", gestand er. Rückenprobleme wollte er nicht als Ausrede gelten lassen: "Das war nicht der Grund."
Die Bilanz ist bitter. Nach dem frühen Wimbledon-Aus und den dort offen angesprochenen mentalen Problemen ist New York ein weiterer Rückschlag. "Ich habe nichts im Schläger gehabt", haderte Zverev. Dabei hatte er im Vorfeld noch angekündigt, die "Party" von Jannik Sinner und Carlos Alcaraz aufmischen zu wollen. Die Realität jedoch: Von der absoluten Spitze scheint der Olympiasieger von Tokio derzeit weit entfernt.
Für Auger-Aliassime war es ein historischer Abend. Der Kanadier besiegte erstmals in seiner Karriere einen Spieler aus den Top Fünf. "Das fühlt sich wirklich gut an", jubelte der 25-Jährige: "Ich habe im dritten und vierten Satz alles reingehauen. Ich wäre ein Narr, dieses Selbstvertrauen nicht mitzunehmen."
Während Zverev enttäuscht die Heimreise antreten muss, ruht die deutsche Hoffnung nun auf Jan-Lennard Struff, der in der Nacht auf Montag auf Rekordchampion Novak Djokovic trifft. Laura Siegemund war zuvor chancenlos ausgeschieden, Daniel Altmaier musste nach zwei kräfteraubenden Fünf-Satz-Siegen verletzungsbedingt aufgeben.
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OZD-Kommentar
Es ist eine Niederlage mit Signalwirkung: Alexander Zverev steht sich einmal mehr selbst im Weg. Seit Jahren spricht er davon, Grand-Slam-Titel zu gewinnen, doch wenn es zählt, fehlt das Feuer. "Zu passiv gespielt" – diese Worte sind nicht nur eine Analyse, sie sind das Symbol einer Karriere, die im entscheidenden Moment ins Stocken gerät. Es reicht nicht, von der Party der Superstars Sinner und Alcaraz zu reden, man muss auch tanzen können. Zverev wirkt gehemmt, kraftlos, unfrei. Die Uhr tickt: Mit 28 Jahren bleibt das Zeitfenster kleiner. Wer glaubt, der erste deutsche Grand-Slam-Champion seit Boris Becker sei nur eine Frage der Zeit, wird eines Besseren belehrt. Die Zweifel wachsen – und Zverev liefert zu viele Argumente dafür.
Lesermeinungen
„Immer die gleiche Geschichte – stark anfangen, dann nachlassen. Das wird langsam frustrierend.“ Block, Franz
„Auger-Aliassime hat großartig gespielt, aber Zverev wirkte lustlos. So wird er nie einen Grand Slam gewinnen.“ Burkard
„Es ist bitter, aber vielleicht muss man akzeptieren, dass er nicht das Format für ganz große Siege hat.“ Üner, Erich
OZD-Analyse
Fakten
Zverev scheidet in der dritten Runde der US Open gegen Auger-Aliassime aus.
Endstand: 6:4, 6:7, 4:6, 4:6 nach 3:48 Stunden.
Grand-Slam-Teilnahme ohne Titel.
Auger-Aliassime schlägt erstmals einen Top-Fünf-Spieler.
Bewertung
a) Sportlich
– Zverev begann stark, verlor aber nach dem zweiten Satz den Faden.
– Passivität, fehlendes Ballgefühl und mentale Blockaden bestimmten sein Spiel.
– Rückenprobleme waren nicht ausschlaggebend.
b) Psychologisch
– Nach Wimbledon erneut ein Rückschlag für Zverevs Selbstvertrauen.
– Die eigene Erwartungshaltung steht im Widerspruch zur Leistung.
– Aussagen wie „kein Ballgefühl“ zeigen die mentale Unsicherheit.
c) Konkurrenz
– Sinner, Alcaraz und Co. entwickeln sich weiter – Zverev stagniert.
– Auger-Aliassime nutzt die Schwäche und verschafft sich Rückenwind.
Ausblick
– Zverev muss dringend an seinem mentalen Spiel arbeiten.
– Ohne Veränderung droht er dauerhaft den Anschluss an die Weltspitze zu verlieren.
– Struff bleibt letzte deutsche Hoffnung im US-Open-Einzel.
OZD-Erklärungen
Wer ist Alexander Zverev?
Alexander „Sascha“ Zverev, Jahrgang 1997, ist Deutschlands aktuell bester Tennisspieler und Olympiasieger von Tokio 2021. Er gewann bisher 22 ATP-Titel, darunter die ATP Finals 2018 und 2021, wartet aber weiter auf seinen ersten Grand-Slam-Erfolg. Mehrfach scheiterte er in Endspielen und gilt als Spieler mit großem Talent, dem jedoch im entscheidenden Moment die mentale Stabilität fehlt.
Wer ist Félix Auger-Aliassime?
Félix Auger-Aliassime, geboren 2000 in Montreal, ist ein kanadischer Tennisspieler. Mit seiner kraftvollen Vorhand und Dynamik gilt er als einer der talentiertesten Spieler seiner Generation. Sein größter Erfolg war bislang der Sieg beim Davis Cup 2022 mit Kanada. Bei den US Open 2025 feierte er mit dem Triumph über Zverev seinen ersten Sieg gegen einen Top-Fünf-Spieler.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.