Genau 19 Jahre nach seinem Beitritt zur Europäischen Union hat Bulgarien zum Jahreswechsel den Euro eingeführt und ist damit das 21. Land der Eurozone. Um Mitternacht verabschiedete sich das Land vom Lew, der seit dem Ende des 19. Jahrhunderts offizielles Zahlungsmittel war. In der Hauptstadt Sofia wurden Euro-Münzen symbolisch auf das Gebäude der Zentralbank projiziert.
Präsident Rumen Radev bezeichnete die Einführung des Euro in einer Fernsehansprache als den „letzten Schritt“ der europäischen Integration Bulgariens. Die Präsidentin der Europäische Zentralbank, Christine Lagarde, sprach von einem „starken Symbol gemeinsamer Werte und kollektiver Stärke“ und hieß Bulgarien in der „Euro-Familie“ willkommen.
Bulgarien ist damit das erste Land am Schwarzen Meer, in dem die Gemeinschaftswährung gilt. Der Wechselkurs wurde bereits im Juli festgelegt: Ein Euro entspricht dauerhaft rund 1,96 Lew. Diese feste Umrechnung soll Preisstabilität sichern und Spekulationen verhindern.
In den Geschäften des Landes, etwa auf großen Märkten in Sofia, wurden die Preise am ersten Tag sowohl in Lew als auch in Euro ausgezeichnet. Viele Bürger reagierten mit vorsichtigem Optimismus. „Ganz Europa kommt mit dem Euro zurecht, wir werden das auch schaffen“, sagte ein Rentner der Nachrichtenagentur AFP. Andere zeigten sich begeistert über die reibungslose Umstellung an Geldautomaten.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete den Beitritt Bulgariens zur Eurozone als „wichtigen Meilenstein“. Der Euro werde Reisen und Arbeiten im Ausland erleichtern, die Transparenz der Märkte erhöhen und Handel sowie Investitionen fördern.
Bulgarien gilt gemessen am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf als ärmstes Land der EU. Das Land ist seit 2004 Mitglied der NATO und trat 2007 der Europäischen Union bei. Im Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International belegt Bulgarien zuletzt den letzten Platz unter den EU-Mitgliedstaaten. Nach massiven Protesten gegen Korruption war die Regierung Mitte Dezember zurückgetreten.
Erklärungen:
Der Euro ist die gemeinsame Währung von mittlerweile mehr als 340 Millionen Menschen. Für neue Mitgliedstaaten gelten strenge Kriterien, darunter Preisstabilität, solide Staatsfinanzen und eine stabile Währung. Bulgarien hatte seinen Lew bereits seit Jahren fest an den Euro gekoppelt, was den Übergang erleichterte.
Kommentar:
Die Euro-Einführung ist für Bulgarien ein historischer Schritt – wirtschaftlich wie politisch. Sie bietet Chancen für Stabilität, Investitionen und internationale Integration. Gleichzeitig bleibt sie ein Vertrauensvorschuss: Solange Korruption, politische Instabilität und soziale Ungleichheit bestehen, wird der Euro allein keine strukturellen Probleme lösen. Entscheidend wird sein, ob die neue Währung von Reformen begleitet wird, die den Alltag der Menschen tatsächlich verbessern.
OZD
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Bild: AFP