Kolumbiens Präsident Gustavo Petro hat auf offene Drohungen von US-Präsident Donald Trump mit scharfen Worten reagiert und eine Eskalation nicht ausgeschlossen. „Ich habe geschworen, nie wieder eine Waffe anzupacken“, schrieb Petro am Montag im Onlinedienst X. „Aber für das Vaterland würde ich wieder zu den Waffen greifen.“
Zuvor hatte Trump im Zusammenhang mit dem US-Militäreinsatz in Venezuela und der Gefangennahme von Nicolás Maduro erklärt, auch Kolumbien könne Ziel militärischer Maßnahmen werden. Petro solle sich „in Acht nehmen“, sagte Trump. Einen Tag später legte er nach und bezeichnete den kolumbianischen Präsidenten als „kranken Mann“, der „gerne Kokain produziert und es in die USA verkauft“. Ein Militäreinsatz wie in Venezuela sei auch in Kolumbien eine „gute Idee“.
Petro, der 2022 als erster linker Präsident in der Geschichte **Kolumbien**s gewählt wurde, gilt als erklärter Gegner der traditionellen US-Drogen- und Sicherheitspolitik in Lateinamerika. Der Staatschef hatte sich bereits mehrfach kritisch zur Rolle der USA in der Region geäußert und stattdessen soziale Reformen sowie eine neue Drogenpolitik gefordert.
Brisant ist Petros Wortwahl auch wegen seiner eigenen Biografie. Als Jugendlicher schloss er sich der Stadtguerilla M-19 an, die in den 1980er-Jahren gegen den kolumbianischen Staat kämpfte. Die Gruppe legte im Zuge eines Friedensabkommens 1989 die Waffen nieder – Petro schlug später eine politische Laufbahn ein. Seine jetzige Erklärung markiert dennoch einen rhetorischen Rückfall in eine Zeit, die Kolumbien eigentlich hinter sich lassen wollte. OZD
OZD-Kommentar – Wenn Drohungen alte Geister weckenWas hier geschieht, ist brandgefährlich. Donald Trump spielt erneut mit militärischen Drohkulissen, diesmal gegen einen demokratisch gewählten Präsidenten in Lateinamerika. Gustavo Petro reagiert emotional – verständlich, aber riskant. Wenn ein Staatschef öffentlich von Waffen spricht, zeigt das, wie dünn die Decke der Diplomatie geworden ist. Die Geschichte der Region lehrt: Solche Worte haben oft reale Folgen. Eine weitere Militarisierung würde weder Kolumbien noch den USA Stabilität bringen – sondern Chaos.

Mini-Infobox
Präsident Kolumbiens: Gustavo Petro
Drohender Akteur: Donald Trump
Konfliktkontext: US-Militäreinsatz in Venezuela
Brisanz: Militärdrohung gegen weiteres lateinamerikanisches Land
Historischer Hintergrund: Petro ehemaliger Guerillero
OZD-Analyse
1. Politischer Kontext
– US-Militäreinsatz in Venezuela als Präzedenzfall
– Zuspitzung der US-Lateinamerika-Politik
2. Eskalationsrisiken
a) Rhetorische Militarisierung
b) Innenpolitische Destabilisierung Kolumbiens
c) Signalwirkung für andere Staaten der Region
3. Persönliche Dimension
– Petros Guerilla-Vergangenheit verstärkt Wirkung
– Trump nutzt persönliche Diffamierung als Druckmittel

Wer ist Gustavo Petro?
Gustavo Petro ist seit 2022 Präsident Kolumbiens und der erste linksgerichtete Staatschef des Landes. In seiner Jugend war er Mitglied der Guerillagruppe M-19, später wurde er Senator, Bürgermeister von Bogotá und schließlich Präsident. Er setzt auf soziale Reformen, Friedenspolitik und eine Abkehr vom klassischen „War on Drugs“.
Was war die M-19?Die Bewegung des 19. April (M-19) war eine linke Stadtguerilla in Kolumbien. Sie kämpfte in den 1970er- und 1980er-Jahren gegen den Staat und legte 1989 im Zuge eines Friedensprozesses die Waffen nieder.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.