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Koalition zerbricht: Woidke regiert Brandenburg nun auf eigene Faust

Die SPD zieht die Reißleine: Nach monatelangen Spannungen endet die Koalition mit dem BSW. Ministerpräsident Dietmar Woidke führt Brandenburg nun vorerst als Minderheitsregierung – Gespräche mit der CDU sollen folgen.

Die SPD in Brandenburg hat die Regierungskoalition mit dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) aufgekündigt und damit einen tiefen Einschnitt in die politische Landschaft des Landes vollzogen. Ministerpräsident Dietmar Woidke erklärte am Dienstag in Potsdam, angesichts fortgesetzter und offenkundiger Auseinandersetzungen innerhalb des BSW sei die Grundlage für eine stabile demokratische Mehrheit nicht mehr gegeben. Brandenburg werde daher zunächst von einer Minderheitsregierung geführt, alle Minister blieben jedoch bis auf Weiteres im Amt.

Auslöser der Entscheidung war der Austritt von Finanzminister Robert Crumbach aus dem BSW sowie dessen Fraktion. Crumbach hatte diesen Schritt bereits am Montag vollzogen und wurde am Dienstag ebenso wie die bisherige BSW-Abgeordnete Jouleen Gruhn in die SPD-Fraktion aufgenommen. Parallel dazu traten zwei weitere Abgeordnete aus der BSW-Fraktion aus, was den inneren Zerfall der Partei im Landtag weiter beschleunigte.

Woidke sprach von einem fortschreitenden Zerfall des Koalitionspartners. Das BSW habe seine Rolle innerhalb der Regierung nicht klären können und sei nicht mehr zu einem klaren Bekenntnis zur gemeinsamen Regierungsarbeit bereit gewesen. Die Koalition war erst im Dezember 2024 geschlossen worden und hielt damit kaum ein Jahr.

Politisch eröffnet die neue Lage der SPD nun Handlungsspielräume. Woidke kündigte Gespräche mit der CDU über die Bildung einer neuen Koalition an. Bislang fehlte dafür eine rechnerische Mehrheit, diese könnte sich durch die jüngsten Fraktionswechsel nun ergeben. Ob es zu einer stabilen neuen Regierung kommt oder die Minderheitsregierung länger Bestand hat, bleibt jedoch offen. OZD


OZD-Kommentar – Zerfall als Regierungsrisiko

Das Scheitern der Koalition ist weniger ein überraschender Bruch als das logische Ende einer von Misstrauen und innerparteilichen Grabenkämpfen geprägten Zweckgemeinschaft. Das BSW hat in Brandenburg eindrucksvoll gezeigt, wie gefährlich politische Unklarheit in Regierungsverantwortung ist. Für Woidke beginnt nun ein Drahtseilakt: Eine Minderheitsregierung bedeutet Macht auf Zeit, abhängig von wechselnden Mehrheiten. Die kommenden Wochen entscheiden, ob daraus Stabilität oder ein Dauerprovisorium wird.




Mini-Infobox

Koalition SPD–BSW: Dezember 2024 bis Januar 2026

Aktuelle Regierungsform: Minderheitsregierung

Zentrale Ursache: Zerfall der BSW-Fraktion

Nächster Schritt: Gespräche mit der CDU

OZD-Analyse

Gründe für das Koalitionsende
a) Interne Machtkämpfe im BSW
b) Austritte zentraler Abgeordneter
c) Fehlendes klares Bekenntnis zur Regierungsarbeit

Politische Folgen
a) SPD regiert ohne feste Mehrheit
b) Neue Koalitionsoption mit der CDU
c) Instabilere Mehrheitsverhältnisse im Landtag

Ausblick
a) Kurzfristige Übergangsphase wahrscheinlich
b) CDU als möglicher Stabilitätsanker
c) Vertrauensfrage könnte erneut aufkommen



Erklärungen

Wer ist Dietmar Woidke?
Dietmar Woidke ist seit 2013 Ministerpräsident von Brandenburg und gehört der SPD an. Er gilt als pragmatischer Landespolitiker mit starkem Fokus auf Stabilität und Ausgleich.

Was ist das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW)?
Das BSW ist eine 2024 gegründete politische Partei, die sich als linkspopulistische Kraft positioniert und bundesweit wie auch auf Landesebene mit inneren Konflikten zu kämpfen hat.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.

OZD-Extras

Brandenburg ist eines der wenigen Bundesländer, in denen Minderheitsregierungen historisch mehrfach eine Rolle gespielt haben – meist jedoch nur als Übergangslösung.