Der Wintersturm „Elli“ hat am Freitag zu massiven Einschränkungen im Bahnverkehr in Norddeutschland geführt. Die Deutsche Bahn stellte ihren Fernverkehr im Norden vorübergehend vollständig ein. Betroffen ist insbesondere der Großraum Hannover, eines der wichtigsten Schienen-Drehkreuze Deutschlands.
Nach Angaben des Konzerns wurde der gesamte Schienenverkehr in der Region „bis mindestens heute Mittag“ unterbrochen. Damit sei der Fernverkehr im Norden Deutschlands aktuell nicht mehr möglich. Auch Verbindungen zwischen Berlin und Nordrhein-Westfalen sowie zwischen Berlin und Hamburg sind betroffen. Züge würden an geeigneten Bahnhöfen zurückgehalten, um Fahrgäste, Mitarbeitende und Fahrzeuge zu schützen, teilte die Bahn mit.
Bereits am Vormittag hatte die
S-Bahn Hannover ihren Betrieb vollständig eingestellt. Die regionalen
Bahnunternehmen Metronom und Erixx berichteten von erheblichen Problemen
durch Schneeverwehungen und eingefrorene Weichen. Nach eigenen Angaben
sei ab Mittag damit zu rechnen, dass „fast alle Strecken nicht mehr
befahrbar“ seien. Die Lage bleibe dynamisch, eine schnelle Rückkehr zum
Regelbetrieb sei nicht absehbar.
OZD
OZD-Kommentar – Winter kommt, Bahn fällt aus
Es ist ein altbekanntes Muster: Schnee fällt, das System Bahn steht
still. Wieder einmal zeigt sich, wie verwundbar eine Infrastruktur ist,
die bei winterlichen Bedingungen regelmäßig an ihre Grenzen stößt. Dass
ein einzelnes Wetterereignis ein zentrales Drehkreuz wie Hannover
lahmlegt und damit den gesamten Norden vom Fernverkehr abschneidet,
wirft unbequeme Fragen auf. Investitionen in robuste Technik,
Weichenheizungen und Krisenmanagement werden seit Jahren versprochen –
doch jeder Winter erzählt dieselbe Geschichte. Für die Fahrgäste bleibt
der Eindruck eines Systems, das auf Extremwetter nicht vorbereitet ist.
Historischer Hintergrund – Winter und Bahn: eine lange Problemgeschichte
Winterbedingte Ausfälle gehören seit Jahrzehnten zu den größten
Schwachstellen des deutschen Schienennetzes. Bereits in den strengen
Wintern 1978/79 und 2009/10 kam es zu wochenlangen Störungen durch
Schnee, Eis und eingefrorene Technik. Trotz technischer Fortschritte und
milliardenschwerer Investitionsprogramme bleiben Weichen, Oberleitungen
und Stellwerke anfällig. Mit zunehmenden Extremwetterlagen durch den
Klimawandel verschärft sich das Problem zusätzlich – und macht alte
strukturelle Defizite immer sichtbarer.

Erklärungen
Was ist ein Bahn-Drehkreuz?
Ein Drehkreuz ist ein zentraler Knotenpunkt im Schienennetz, an dem
viele Fern- und Regionalverbindungen zusammenlaufen. Fällt es aus, hat
das bundesweite Auswirkungen.
Warum sind Weichen im Winter so anfällig?
Weichen enthalten bewegliche Teile, die durch Eis und Schnee blockiert
werden können. Ohne funktionierende Weichen ist kein sicherer Zugbetrieb
möglich.
OZD-Analyse
Infrastrukturprobleme
– Abhängigkeit von wenigen zentralen Knotenpunkten
– Technische Anfälligkeit bei Extremwetter
Folgen für Reisende
– Weiträumige Ausfälle und Kettenreaktionen
– Kaum verlässliche Alternativen im Fernverkehr
Politische Dimension
– Seit Jahren angekündigte Modernisierung greift zu langsam
– Klimawandel erhöht den Handlungsdruck deutlich

Mini-Infobox
Wintersturm: Elli
Fernverkehr im Norden eingestellt
Drehkreuz Hannover betroffen
Ursache: Schnee, Eis, eingefrorene Weichen
OZD-Extras
Hannover gilt als einer der wichtigsten Bahnknoten Europas – täglich
passieren dort mehrere hundert Fern- und Regionalzüge den Hauptbahnhof.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.