Die iranischen Filmemacher Jafar Panahi und Mohammad Rasoulof haben angesichts der anhaltenden Proteste im Iran eindringlich vor einer Eskalation der staatlichen Repression gewarnt. In einer gemeinsamen Erklärung äußerten sie ihre große Besorgnis über die „unverhohlene Repression“ gegen die Protestbewegung und prangerten insbesondere die vollständige Abschaltung der Kommunikationsmittel im Land an. Ziel dieser Maßnahmen sei es, die Gewalt bei der Niederschlagung der Demonstrationen zu verschleiern und das iranische Volk von der internationalen Öffentlichkeit abzuschneiden.
Nach Angaben der beiden Regisseure habe das Regime systematisch alle Kontaktmöglichkeiten mit der Außenwelt blockiert. Die seit mehr als 36 Stunden andauernde Internetsperre verhindere, dass Bilder, Berichte oder Zeugenaussagen über das Vorgehen der Sicherheitskräfte nach außen dringen. Panahi und Rasoulof riefen die internationale Gemeinschaft dazu auf, alternative Kommunikationskanäle zu schaffen, um das Geschehen im Iran beobachten und dokumentieren zu können.
Panahi, der im vergangenen Jahr für
seinen Film „Ein einfacher Unfall“ die Goldene Palme in Cannes gewann,
verarbeitete darin seine eigenen Erfahrungen als ehemaliger politischer
Gefangener. Auch Rasoulof ist international hoch angesehen: Sein Film
„Die Saat des heiligen Feigenbaums“, der vor dem Hintergrund der
Proteste nach dem Tod von Mahsa Amini spielt, wurde heimlich im Iran
gedreht und für den Oscar nominiert. Beide Regisseure stehen seit Jahren
unter massivem Druck des Regimes und gelten als wichtige Stimmen des
kulturellen Widerstands.
OZD
OZD-Kommentar:
Dass zwei der weltweit renommiertesten iranischen Filmemacher offen von
„unverhohlener Repression“ sprechen, ist ein Alarmsignal, das niemand
überhören darf. Wenn ein Staat nicht nur mit Gewalt gegen Demonstranten
vorgeht, sondern zugleich das Internet kappt, dann geht es nicht mehr um
Ordnung oder Sicherheit, sondern um das systematische Auslöschen von
Wahrheit. Die internationale Gemeinschaft hat in der Vergangenheit zu
oft gezögert, wenn Kulturschaffende aus autoritären Staaten um Hilfe
riefen. Der Iran zeigt erneut, dass Repression nicht im Verborgenen
beginnt, sondern offen, kalkuliert und mit voller Härte. Wer jetzt
schweigt, macht sich mitschuldig daran, dass Gewalt und Unterdrückung im
Dunkeln bleiben.
Historischer Hintergrund:
Seit der islamischen Revolution von 1979 ist der Iran von einer
religiös-autoritären Führung geprägt, die regelmäßig mit harter Hand
gegen Opposition, Kulturschaffende und gesellschaftliche
Protestbewegungen vorgeht. Besonders nach dem Tod der jungen Kurdin
Mahsa Amini im September 2022 kam es zu landesweiten Massenprotesten,
die brutal niedergeschlagen wurden. Internetsperren, Massenverhaftungen
und Todesurteile gehören seither zu den zentralen Instrumenten des
Regimes, um Kontrolle und Abschreckung aufrechtzuerhalten.
Erklärungen zum Text:
– Jafar Panahi ist einer der international meist ausgezeichneten iranischen Regisseure und war mehrfach inhaftiert.
– Mohammad Rasoulof ist bekannt für regimekritische Filme und lebt inzwischen im Exil in Deutschland.
– Eine Internetsperre wird im Iran gezielt eingesetzt, um Proteste zu
isolieren und internationale Berichterstattung zu verhindern.

Schnellanalyse:
Politische Dimension
– Die Internetsperre zeigt die Angst des Regimes vor internationaler Aufmerksamkeit.
– Kulturschaffende übernehmen zunehmend die Rolle politischer Mahner.
Internationale Bedeutung
– Panahi und Rasoulof genießen weltweit Glaubwürdigkeit und Reichweite.
– Ihre Warnungen erhöhen den Druck auf westliche Regierungen.
Gesellschaftliche Folgen
– Isolation verstärkt Gewalt und Rechtslosigkeit im Inneren.
– Die Protestbewegung wird kommunikativ geschwächt, aber nicht gebrochen.

Lernbox:
– Proteste im Iran richten sich inzwischen offen gegen die politische und religiöse Führung.
– Internationale Filmschaffende spielen eine zentrale Rolle bei der Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen.
– Internetsperren gelten als frühes Warnsignal für massive staatliche Gewalt.
Quizfrage:
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