Nach den jüngsten militärischen Drohungen von Donald Trump hat der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf den USA offen mit Vergeltung gedroht. Im Falle eines Angriffs würden sowohl israelisches Gebiet als auch US-Militärstützpunkte und die internationale Schifffahrt zu legitimen Zielen erklärt, sagte Ghalibaf in einer im iranischen Staatsfernsehen übertragenen Rede.
Mit der Formulierung vom „besetzten Gebiet“ bezog sich Ghalibaf auf Israel, dessen Existenzrecht von der Führung in Teheran weiterhin bestritten wird. Die Drohung markiert eine weitere Eskalationsstufe in der angespannten Lage zwischen Washington und Teheran.
Trump hatte in den vergangenen Tagen mehrfach erklärt, die USA würden militärisch eingreifen, falls die iranische Führung weiterhin gewaltsam gegen Demonstrierende vorgehe. Seit Ende Dezember kommt es im Iran zu landesweiten Protesten, die sich zunächst gegen die wirtschaftliche Lage richteten, inzwischen jedoch offen gegen das politische System und die religiöse Führung wenden.
Menschenrechtsorganisationen berichten von dutzenden Todesopfern infolge des harten Vorgehens der Sicherheitskräfte. Als Reaktion verhängte die Führung der islamischen Republik eine landesweite Internetsperre, um die Kommunikation der Protestbewegung zu unterbinden und den Informationsfluss nach außen einzuschränken.
Berichten zufolge wurde Trump
bereits über konkrete militärische Optionen informiert, darunter
mögliche Luftangriffe auf Ziele im Iran. Eine endgültige Entscheidung
über einen Angriff ist nach US-Medienangaben bislang jedoch nicht
gefallen. Bereits im vergangenen Jahr hatten die USA iranische
Atomanlagen bombardiert, was die Spannungen zwischen beiden Staaten
weiter verschärfte.
OZD
OZD-Kommentar:
Die Worte aus Teheran sind mehr als bloße Rhetorik. Wenn der Iran offen
US-Stützpunkte und die internationale Schifffahrt bedroht, berührt das
eine der sensibelsten Sicherheitsachsen der Welt. Gleichzeitig zeigt
sich die Sackgasse der Eskalation: Drohungen von außen stärken in
autoritären Systemen oft jene Kräfte, die im Inneren brutal gegen die
eigene Bevölkerung vorgehen. Militärische Muskelspiele lösen weder die
Proteste im Iran noch die strukturelle Krise der Region – sie erhöhen
lediglich das Risiko eines Flächenbrandes, dessen Folgen weit über den
Nahen Osten hinausreichen würden.
Historischer Hintergrund:
Das Verhältnis zwischen den USA und dem Iran ist seit der islamischen
Revolution von 1979 tief belastet. Die Besetzung der US-Botschaft in
Teheran, jahrzehntelange Sanktionen, Streit um das iranische
Atomprogramm und militärische Zwischenfälle in der Golfregion prägen das
Verhältnis bis heute. Immer wieder kam es zu Phasen akuter Eskalation,
etwa durch Angriffe auf Tanker, Drohnenabschüsse oder Luftschläge gegen
iranische Einrichtungen. Innenpolitische Proteste im Iran wirkten in der
Vergangenheit häufig als zusätzlicher Brandbeschleuniger
internationaler Spannungen.

Erklärungen zum Text:
– Internetsperre: Staatliche Abschaltung digitaler Kommunikationsnetze zur Kontrolle von Protesten.
– Vergeltungsschlag: Militärische Antwort auf einen vorausgegangenen Angriff.
– Internationale Schifffahrt: Vor allem die Handelsrouten im Persischen Golf und in der Straße von Hormus.
Schnellanalyse:
Militärische Dimension
– Offene Drohungen erhöhen das Eskalationsrisiko erheblich.
– US-Stützpunkte und Seewege gelten als besonders sensible Ziele.
Innenpolitische Lage im Iran
– Proteste richten sich zunehmend gegen das System.
– Repression und Informationskontrolle verschärfen die Krise.
Internationale Folgen
– Gefahr von Störungen globaler Handels- und Energierouten.
– Zunehmender Druck auf westliche und regionale Akteure.
Lernbox:
– Rhetorische Eskalation kann reale militärische Folgen haben.
– Innenpolitische Krisen wirken oft auf internationale Konflikte zurück.
– Der Persische Golf ist eine Schlüsselregion für die Weltwirtschaft.


Quizfrage:
Welche Ziele erklärte Irans Parlamentspräsident im Falle eines US-Angriffs zu „legitimen Zielen“?
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