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Iran: Die Staatsmacht in Trauer - Anhänger demonstrieren für Ayatollah Ali Chamenei

Während Menschenrechtsorganisationen von tausenden getöteten Demonstranten sprechen, versammelt das iranische Regime Tausende zur staatlich organisierten Trauerfeier für getötete Sicherheitskräfte in Teheran.

Tausende Menschen haben sich am Mittwoch in Teheran zu einer staatlich organisierten Trauerkundgebung für bei den jüngsten Protesten getötete Sicherheitskräfte versammelt. Das iranische Staatsfernsehen übertrug Bilder der Zeremonie, bei der Fahnen der Islamischen Republik geschwenkt und Porträts des geistlichen Oberhaupts Ayatollah Ali Chamenei gezeigt wurden. Die Veranstaltung fand nach offiziellen Angaben für mehr als 100 getötete Sicherheitskräfte sowie weitere als „Märtyrer“ bezeichnete Todesopfer statt.

Zum Auftakt der Kundgebung wurden vor der Universität von Teheran Gebete für die Getöteten gesprochen. Geistliche, Vertreter der Revolutionsgarden und regimetreue Teilnehmer nahmen an der Zeremonie teil. Parolen und Banner betonten die Loyalität zur Islamischen Republik und verurteilten die regierungskritischen Proteste als von außen gesteuert.

Die iranischen Behörden machen sogenannte „Unruhestifter“ für den Tod dutzender Sicherheitskräfte sowie unbeteiligter Zivilisten verantwortlich. Diese würden gezielt Chaos stiften und Gewalt anwenden, hieß es aus Regierungskreisen. Staatsmedien sprachen von einem „Krieg gegen Terroristen“.

Demgegenüber berichten Menschenrechtsorganisationen von einer massiven und brutalen Niederschlagung der Proteste durch Sicherheitskräfte. Demnach seien bei den seit mehr als zwei Wochen andauernden Demonstrationen tausende Menschen getötet und zehntausende festgenommen worden. Die Proteste hatten sich zunächst an der desolaten wirtschaftlichen Lage entzündet und sich rasch zu einer breiten Massenbewegung gegen die politische und religiöse Führung in Teheran ausgeweitet. OZD 

OZD-Kommentar – Trauer als Machtinstrument
Diese Kundgebung ist weniger ein Akt des Gedenkens als ein politisches Signal. Das Regime versucht, die Deutungshoheit über die Gewalt zu behalten, indem es eigene Opfer in den Mittelpunkt rückt und die eigentliche Ursache der Proteste ausblendet. Während auf den Straßen Blut fließt, inszeniert sich die Macht als Opfer. Doch Trauer, die instrumentalisiert wird, verliert ihre Glaubwürdigkeit – und verstärkt nur den Graben zwischen Staat und Gesellschaft.




Historischer Hintergrund
Seit der Islamischen Revolution 1979 nutzt die Führung in Teheran öffentliche Trauer- und Märtyrerzeremonien zur Stabilisierung ihrer Macht. Besonders bei inneren Krisen werden Sicherheitskräfte symbolisch erhöht, um Loyalität zu erzwingen und Proteste als Angriff auf den Staat umzudeuten.

Zukunftsprognose
Je länger die Proteste andauern, desto stärker dürfte das Regime auf symbolische Machtdemonstrationen setzen. Gleichzeitig wächst das Risiko einer weiteren Eskalation, da staatliche Narrative und die Wahrnehmung der Bevölkerung immer weiter auseinanderdriften. Ein nachhaltiger Machtverlust des Regimes erscheint wahrscheinlicher, je brutaler die Repression ausfällt.



Quizfrage
Wo fand die staatliche Trauerkundgebung für die getöteten Sicherheitskräfte statt?

OZD-Extras
Richtige Antwort: Vor der Universität von Teheran.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.