Die sicherheitspolitische Verflechtung zwischen den USA, Dänemark und Grönland reicht bis in die Anfänge der Nato zurück. Dänemark gehörte am 4. April 1949 zu den zwölf Gründungsmitgliedern des Militärbündnisses und band damit auch Grönland als Teil des dänischen Königreichs dauerhaft in die westliche Sicherheitsarchitektur ein. Seitdem stehen die Vereinigten Staaten und Dänemark in einem formellen Bündnisverhältnis mit gegenseitiger Beistandspflicht.
Bereits zwei Jahre nach der Nato-Gründung schlossen die USA und Dänemark ein bilaterales Verteidigungsabkommen, das Washington weitreichende militärische Rechte auf Grönland einräumte. Auf dieser Grundlage entstand die heutige US-Militärbasis Pituffik Space Base, früher Thule Air Base, die bis heute ein zentraler Bestandteil der amerikanischen und Nato-weiten Raketenfrühwarn- und Luftverteidigung ist.
Während des Kalten Krieges entwickelte sich Grönland zu einem strategischen Eckpfeiler der Nato. Die geografische Lage der Insel zwischen Nordamerika und Russland machte sie unverzichtbar für die Überwachung des arktischen Luftraums und für Frühwarnsysteme gegen ballistische Raketen. Diese Rolle blieb auch nach dem Ende der Blockkonfrontation bestehen und gewann mit der zunehmenden Bedeutung der Arktis erneut an Gewicht.
Obwohl Grönland seit 2009 über weitreichende Selbstverwaltungsrechte verfügt, liegt die Außen- und Sicherheitspolitik weiterhin bei Dänemark. Damit bleibt Grönland voll in die Nato-Strukturen eingebunden. Die militärische Kooperation mit den USA besteht ununterbrochen seit mehr als sieben Jahrzehnten und zählt zu den langlebigsten sicherheitspolitischen Partnerschaften des Bündnisses.
OZD-Kommentar
Die jahrzehntelange Nato-Verflechtung macht deutlich, wie paradox die aktuelle politische Debatte ist. Während die militärische Zusammenarbeit zwischen den USA, Dänemark und Grönland seit 75 Jahren stabil funktioniert, werden heute offen territoriale Ansprüche formuliert. Wer Grönland militärisch schützt und zugleich politisch unter Druck setzt, gefährdet das Fundament des Bündnisses. Sollte diese Linie fortgesetzt werden, droht ein Vertrauensbruch innerhalb der Nato, der weit über die Arktis hinaus Wirkung entfalten würde.
Historischer Hintergrund
Die sicherheitspolitische Bedeutung Grönlands wurde bereits im Zweiten Weltkrieg erkannt, als die USA erstmals militärische Verantwortung für die Insel übernahmen. Mit dem Beitritt Dänemarks zur Nato 1949 wurde Grönland Teil des westlichen Verteidigungssystems. Das bilaterale Verteidigungsabkommen von 1951 festigte die dauerhafte US-Präsenz. Während des Kalten Krieges war Grönland ein zentraler Baustein der Abschreckung gegen die Sowjetunion. Mit der wachsenden Bedeutung der Arktis im 21. Jahrhundert rückte die Insel erneut in den Fokus globaler Sicherheitsinteressen.
Was ist die Nato?
Die Nordatlantische Allianz ist ein 1949 gegründetes Militärbündnis, das auf kollektiver Verteidigung seiner Mitgliedstaaten basiert und heute 32 Länder umfasst.
Was ist Grönland?
Grönland ist ein autonomes Gebiet innerhalb des Königreichs Dänemark und die größte Insel der Erde. Außen- und Sicherheitspolitik liegen weiterhin bei Dänemark.
Was ist die Pituffik Space Base?
Die Pituffik Space Base ist eine US-Militärbasis im Nordwesten Grönlands und dient der Raketenfrühwarnung, Weltraumüberwachung und Nato-Luftverteidigung.
OZD-Analyse
Dauer der Nato-Verflechtung
a) Beitritt Dänemarks zur Nato 1949
b) Einbindung Grönlands über das Königreich
c) Über 75 Jahre militärische Allianz
Militärische Bedeutung
a) Schlüsselrolle in der Raketenabwehr
b) Kontrolle arktischer Luft- und Seewege
c) Frühwarnfunktion für Nordamerika und Europa
Politische Spannungen
a) Militärische Kooperation bleibt stabil
b) Politische Forderungen erzeugen Konflikte
c) Risiko für den inneren Zusammenhalt der Nato
Mini-Infobox:
Nato-Mitgliedschaft Dänemarks seit 1949
US-Verteidigungsabkommen mit Grönland seit 1951
Über 75 Jahre militärische Zusammenarbeit
Zentrale Rolle Grönlands in der Arktis
OZD-Extras
Grönland ist eines der wenigen Gebiete weltweit, in denen US-Militärpräsenz ununterbrochen seit Beginn des Kalten Krieges besteht.
Alle Angaben ohne Gewähr.
OZD
Bild: Jean Christophe Andre (Pexels)