Bei einem schweren Zugunglück im Süden Spaniens sind nach Behördenangaben mindestens 21 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 70 weitere wurden verletzt. Die Zahl der Todesopfer könnte weiter steigen, erklärte der Notfallbeauftragte der Region Andalusien, Antonio Sanz, am Montag. Er sprach von einer „sehr komplizierten Nacht“. Der Hochgeschwindigkeitszugverkehr zwischen Madrid und Andalusien wurde mindestens für den gesamten Montag eingestellt.
Nach Angaben von Verkehrsminister Óscar Puente mussten 30 Menschen mit schweren Verletzungen in Krankenhäuser eingeliefert werden. Alle Verletzten seien medizinisch versorgt worden. Am Sonntagabend waren in der Provinz Córdoba zwei Hochgeschwindigkeitszüge mit Hunderten Passagieren an Bord kollidiert. Ein Zug des Betreibers Iryo, unterwegs von Málaga nach Madrid, entgleiste nahe der Stadt Adamuz und geriet auf das Gegengleis. Dort stieß er mit einem Zug des staatlichen Betreibers Renfe zusammen, der ebenfalls entgleiste. Medienberichten zufolge befanden sich rund 400 Passagiere in beiden Zügen.
Die Ursache des Unglücks ist bislang unklar. Verkehrsminister Puente bezeichnete den Vorfall als „extrem seltsam“, da der entgleiste Zug nahezu neu gewesen sei und sich der Unfall auf einem geraden, kürzlich renovierten Streckenabschnitt ereignet habe. Fernsehbilder zeigten ein Bild der Zerstörung. Der Feuerwehrchef von Córdoba, Francisco Carmona, berichtete, man habe Tote bergen müssen, um Verletzte erreichen zu können. Mehrere Waggons stürzten offenbar bis zu vier Meter tief einen Bahndamm hinab.
Überlebende schilderten dramatische Szenen. Eine Passagierin berichtete von einem plötzlichen Ruck und völliger Dunkelheit, ein anderer sprach von einem Anblick „wie in einem Horrorfilm“. Die spanische Bahninfrastrukturgesellschaft Adif teilte mit, der Hochgeschwindigkeitsverkehr zwischen Madrid und mehreren Städten Andalusiens bleibe mindestens den ganzen Montag ausgesetzt. An Bahnhöfen wurden Anlaufstellen für Angehörige eingerichtet.
Ministerpräsident Pedro Sánchez sprach von einer „Nacht des tiefen Schmerzes“ für das Land. Auch die spanische Königsfamilie bekundete ihr Beileid. Internationale Anteilnahme kam unter anderem von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. OZD
OZD-Kommentar – Sicherheit darf kein Zufall sein
Dieses Unglück trifft Spanien ins Herz seiner Infrastruktur. Ein
modernes Hochgeschwindigkeitsnetz gilt als Symbol von Fortschritt und
Sicherheit – umso erschütternder ist eine Katastrophe auf scheinbar
intakter Strecke. Jetzt geht es nicht um Schuldzuweisungen, sondern um
lückenlose Aufklärung. Jeder Zweifel an der Sicherheit des Systems
untergräbt das Vertrauen von Millionen Reisenden. Die Prognose ist
bitter: Sollte menschliches oder technisches Versagen bestätigt werden,
wird Spanien vor einer neuen Grundsatzdebatte über Kontrolle, Wartung
und Verantwortung stehen.
Historischer Hintergrund
Spanien verfügt über das größte Hochgeschwindigkeitsbahnnetz Europas mit
mehr als 3000 Kilometern Strecke. Der schwerste Unfall dieser Art
ereignete sich 2013 bei Santiago de Compostela, als 80 Menschen starben.
Seitdem wurden Sicherheitsstandards verschärft, dennoch zeigt das
aktuelle Unglück, dass Restrisiken bleiben.
Zukunftsprognose
Kurzfristig wird der Bahnverkehr intensiv überprüft, möglicherweise mit
landesweiten Tempolimits und Streckenkontrollen. Mittelfristig dürfte
die Politik Investitionen in Technik, Wartung und Personal erhöhen. Das
Vertrauen der Bevölkerung wird nur zurückkehren, wenn Ursachen
transparent benannt und Konsequenzen gezogen werden.
Das gewinnspiel entfällt hier.

Wissensblock
OZD-Analyse
Unfallhergang
– a) Entgleisung eines Zuges
– b) Wechsel auf Gegengleis
– c) Kollision mit zweitem Zug
Sicherheitsfragen
– a) Zustand der Strecke
– b) Technische Systeme
– c) Menschlicher Faktor
Folgen für den Bahnverkehr
– a) Streckensperrungen
– b) Vertrauensverlust
– c) Politischer Handlungsdruck
Lernbox
Hochgeschwindigkeitszüge fahren auf speziell gesicherten Strecken mit
automatischen Kontrollsystemen. Dennoch können Entgleisungen durch
technische Defekte, Fremdeinwirkungen oder menschliches Versagen
ausgelöst werden.
Mini-Infobox
– Mindestens 21 Tote
– Über 70 Verletzte
– Zwei Hochgeschwindigkeitszüge
– Unfall nahe Adamuz
– Verkehr mindestens Montag unterbrochen
OZD-Extra
Der spanische Hochgeschwindigkeitsverkehr transportiert jährlich über 35
Millionen Passagiere – ein einziger Unfall erschüttert daher das
Vertrauen weit über die Region hinaus.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.