In der omanischen Hauptstadt Maskat haben am Freitag hochrangige Gespräche zwischen Vertretern der USA und des Iran über das iranische Atomprogramm begonnen. Dies berichtete das iranische Staatsfernsehen. Kurz vor Beginn der Verhandlungen erklärte Irans Außenminister und Chefunterhändler Abbas Araghtschi, sein Land sei darauf vorbereitet, sich gegen „exzessive Forderungen“ der Vereinigten Staaten zu verteidigen.
Bei einem Treffen mit Omans Außenminister Badr Albusaidi betonte Araghtschi, der Iran werde diplomatische Mittel nutzen, um seine nationalen Interessen zu schützen. Zugleich verwies er auf die Erfahrungen des vergangenen Jahres. Teheran erinnere sich noch gut an die Bombardierung iranischer Atomanlagen durch Israel und die USA im Juni, schrieb der iranische Chefdiplomat im Onlinedienst X.
Rückendeckung erhielt der Iran am Freitag aus Peking. China werde Teheran gegen „einseitige Schikane“ unterstützen und dem Land helfen, seine „Souveränität, Sicherheit, nationale Würde sowie legitimen Rechte und Interessen zu wahren“, erklärte das chinesische Außenministerium. Bereits am Donnerstag hatten sich die stellvertretenden Außenminister Chinas und des Iran in Peking zu Gesprächen getroffen.
Inhaltlich bestehen weiterhin erhebliche Differenzen. Der Iran pocht darauf, die Gespräche strikt auf die Atomfrage und die Aufhebung der gegen das Land verhängten Sanktionen zu begrenzen. Die USA und Israel drängen hingegen darauf, auch andere Themen auf die Agenda zu setzen, darunter das iranische Raketenprogramm. Westliche Staaten werfen Teheran seit Jahren vor, den Bau einer Atombombe anzustreben, was der Iran zurückweist.
US-Präsident Donald Trump hat den Druck auf die iranische Führung in den vergangenen Wochen deutlich erhöht. Nach der gewaltsamen Niederschlagung von Protesten im Iran entsandte Washington Flugzeugträger in die Region und drohte offen mit einer militärischen Intervention. Diese Option sei weiterhin nicht ausgeschlossen, betonte die US-Regierung zuletzt mehrfach.
Die Vereinigten Staaten werden bei den Gesprächen in Maskat von Trumps Sondergesandtem Steve Witkoff vertreten. Es handelt sich um die ersten direkten Gespräche zwischen beiden Ländern, seit die Verhandlungen über das iranische Atomprogramm im Juni 2025 durch den zwölftägigen Krieg Israels und der USA gegen den Iran abrupt unterbrochen worden waren.
Das internationale Atomabkommen mit dem Iran hatte Trump bereits 2018 während seiner ersten Amtszeit aufgekündigt. Seither blieben mehrere Gesprächsrunden ohne greifbares Ergebnis. Die nun begonnenen Gespräche gelten daher als neuer, aber fragiler Anlauf, eine weitere Eskalation zu verhindern.
OZD / ©AFP
OZD-Kommentar – Diplomatie am Abgrund:
Diese Gespräche finden nicht in ruhigem Fahrwasser statt, sondern unter dem Donner militärischer Drohungen. Wenn Diplomatie von Flugzeugträgern begleitet wird, ist sie stets gefährdet, zur bloßen Fassade zu verkommen. Der Iran misstraut den USA zutiefst, Washington wiederum sieht in Teheran einen dauerhaften Störfaktor. Die Prognose ist ernüchternd: Ohne echte Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten drohen die Gespräche zu scheitern – mit unüberschaubaren Folgen für die gesamte Region.
Mini-Infobox:
– Atomgespräche in Maskat gestartet
– Iran warnt vor „exzessiven Forderungen“
– USA halten militärische Option offen
– China stellt sich demonstrativ hinter Teheran
OZD-Analyse
Die neue Gesprächsrunde steht unter enormem politischem Druck.
Ausgangslage
a) Abbruch früherer Verhandlungen durch Krieg 2025
b) Tiefes gegenseitiges Misstrauen
c) Hohe militärische Präsenz in der Region
Positionen der Beteiligten
a) Iran fordert Fokus auf Atomfrage und Sanktionen
b) USA und Israel wollen breitere Agenda
c) China positioniert sich als Gegengewicht zu Washington
Risiken und Chancen
– Eskalation bei Scheitern der Gespräche
– Begrenzte Erfolgsaussichten ohne Zugeständnisse
– Oman erneut als wichtiger Vermittler
Was wird unter Atomgesprächen verstanden?
Atomgespräche bezeichnen diplomatische Verhandlungen über die Begrenzung, Kontrolle oder Nutzung nuklearer Programme. Im Fall des Iran geht es insbesondere um Urananreicherung und internationale Kontrollen.
Historischer Hintergrund:
Das internationale Atomabkommen mit dem Iran wurde 2015 geschlossen und sollte Teherans Atomprogramm begrenzen. Nach dem Ausstieg der USA im Jahr 2018 verschärfte sich der Konflikt schrittweise und mündete zuletzt in offenen militärischen Auseinandersetzungen.
Prognose:
Kurzfristig könnten die Gespräche zur Deeskalation beitragen, wenn zumindest minimale Fortschritte erzielt werden. Scheitern sie jedoch, droht eine weitere Zuspitzung – bis hin zu neuen militärischen Konfrontationen im Nahen Osten.
Gewinnspiel:
Wo haben die neuen Atomgespräche zwischen den USA und dem Iran begonnen?
A) Genf
B) Wien
C) Maskat
D) Doha
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
OZD-Extra
Oman gilt seit Jahren als diskreter Vermittler zwischen verfeindeten Staaten – auch im Iran-USA-Konflikt.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.