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Kallas kontert Washington: „Europa steht nicht vor dem Untergang“

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz schlägt EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas zurück: Das „woke, dekadente Europa“ stehe nicht vor dem Kollaps. Die transatlantische Kluft bleibt – der Ton wird rauer.

Die Bühne war international, der Ton ungewohnt scharf. Kaja Kallas, EU-Außenbeauftragte, hat bei der Münchner Sicherheitskonferenz die von Vertretern der US-Regierung geäußerte Kritik an Europa entschieden zurückgewiesen. Die Vorwürfe, die sie als Europa-„Bashing“ bezeichnete, seien haltlos. „Anders als manche meinen, steht das woke, dekadente Europa nicht vor dem Untergang seiner Zivilisation.“

Zuvor hatte Marco Rubio zwar versöhnlichere Töne angeschlagen als sein Vizepräsident im Vorjahr und betont: „Wir gehören zusammen.“ Dennoch machte er klar, dass Washington von Europa mehr Eigenverantwortung in der Verteidigung verlange – und eine härtere Linie gegen „Massenmigration“.

Kallas griff diese Debatte auf, ohne die Partnerschaft grundsätzlich infrage zu stellen. „Die Botschaft, die wir gehört haben, lautet, dass Amerika und Europa miteinander verflochten sind, dies in der Vergangenheit waren und auch in Zukunft sein werden. Ich halte das für wichtig“, sagte sie. Zugleich räumte sie Differenzen ein: „Es ist klar, dass wir nicht in allen Fragen einer Meinung sind, und das wird auch so bleiben.“

Die Konferenz stand insgesamt im Zeichen der transatlantischen Spannungen. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte bereits am Freitag von einer „Kluft“ gesprochen, von einem „tiefen Graben“, der sich zwischen Europa und den USA aufgetan habe. Sein Appell: Vertrauen reparieren, Partnerschaft erneuern – aber selbstbewusster auftreten.

OZD


OZD-Kommentar – Selbstbewusstsein statt Selbstzweifel

Kallas’ Auftritt war mehr als eine Replik auf amerikanische Spitzen. Er war ein Signal an Europa selbst.

Wer sich ständig als schwach darstellen lässt, wird auch so behandelt.

Die USA fordern mehr Eigenständigkeit – und kritisieren zugleich Europas politische Kultur. Beides zusammen erzeugt Druck. Doch Europas Antwort darf nicht Trotz sein, sondern Stärke.

Wenn Europa seine Verteidigung, seine Wirtschaft und seine demokratischen Werte selbstbewusst verteidigt, wird die Partnerschaft mit den USA nicht schwächer – sondern klarer.


Historischer Hintergrund

Das transatlantische Bündnis basiert seit 1945 auf enger sicherheitspolitischer Zusammenarbeit. Mit dem Ende des Kalten Krieges verschoben sich Prioritäten, doch die USA blieben militärischer Garant Europas. Spätestens seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus wird die Lastenteilung neu verhandelt.

Zukunftsprognose

Die Spannungen werden bleiben. Doch sie markieren womöglich den Beginn einer neuen Phase: weniger Abhängigkeit, mehr Eigenverantwortung Europas – und eine Partnerschaft auf Augenhöhe statt Automatismus.




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Mini-Infobox

Veranstaltung: Münchner Sicherheitskonferenz

Thema: Transatlantische Beziehungen

Kernaussage Kallas: Europa steht nicht vor dem Niedergang

US-Forderung: Mehr Verteidigungsbeiträge, harte Migrationspolitik

Stimmung: Spannungen, aber kein Bruch


OZD-Analyse

Rhetorische Fronten
a) US-Kritik an europäischer Politik –
b) Europäische Gegenwehr gegen „Bashing“ –
c) Betonung gemeinsamer Werte trotz Differenzen –

Sicherheitspolitische Dimension
a) Forderung nach höherer Eigenverantwortung Europas –
b) Diskussion über Verteidigungsausgaben –
c) Reformbedarf internationaler Institutionen –

Strategische Perspektive
a) Wandel vom Abhängigkeits- zum Partnerschaftsmodell –
b) Mehr europäische Verteidigungsintegration –
c) Neujustierung des transatlantischen Vertrauens –


Extras

Wer ist Kaja Kallas?

Kaja Kallas ist eine estnische Politikerin und seit 2024 Hohe Vertreterin der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik. Zuvor war sie Ministerpräsidentin Estlands. Sie gilt als entschiedene Befürworterin einer harten Linie gegenüber Russland und einer stärkeren sicherheitspolitischen Integration Europas.

Die Münchner Sicherheitskonferenz wurde 1963 gegründet – ursprünglich als „Wehrkundetagung“. Heute gilt sie als eines der wichtigsten sicherheitspolitischen Foren weltweit.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.