Deutschlands Wirtschaft tritt weiter auf der Stelle. Laut einer aktuellen Unternehmensumfrage der Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) bleibt der erhoffte Aufschwung auch 2026 aus. „Geopolitische Unsicherheiten, hohe Standortkosten und eine schwache Inlandsnachfrage liegen wie Blei auf der Wirtschaft“, erklärte die DIHK am Dienstag.
Rund 26.000 Unternehmen aus allen Branchen beteiligten sich an der Befragung. Das Ergebnis ist ernüchternd: Nur ein Viertel bewertet die eigene Geschäftslage zu Jahresbeginn als gut. Ebenso viele rechnen mit einer weiteren Verschlechterung der Wirtschaftslage.
Die größten Sorgen sind struktureller Natur. 59 Prozent der Unternehmen nennen konjunkturelle Risiken wie die schwache Inlandsnachfrage, ebenso viele beklagen gestiegene Arbeitskosten. 58 Prozent sehen sich durch unsichere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen belastet, 48 Prozent durch hohe Energie- und Rohstoffpreise.
DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov übte deutliche Kritik an der Politik. „Die Bundesregierung hat Reform- und Entlastungspakete angekündigt, aber in den Betrieben ist davon bislang wenig spürbar“, erklärte sie. „Mit angezogener Handbremse kommen wir aus dem Tal nicht heraus.“ Ihre Forderung ist klar: „Bürokratie runter, Arbeits- und Energiekosten runter, Regeln verlässlich.“
Auch bei Investitionen herrscht Zurückhaltung. Nur 23 Prozent der Unternehmen planen höhere Ausgaben, während 31 Prozent ihre Investitionen kürzen wollen. Investiert werde vor allem in Ersatz (66 Prozent) und Rationalisierung (34 Prozent). Wachstumskapazitäten werden kaum aufgebaut.
Beim Personal zeichnet sich ebenfalls keine Trendwende ab. Nur zwölf Prozent der Firmen wollen neue Stellen schaffen. Eine schnelle Erholung des Arbeitsmarktes ist laut DIHK daher nicht zu erwarten.
Ein kleiner Hoffnungsschimmer kommt aus dem Auslandsgeschäft. 22 Prozent der Unternehmen rechnen mit steigenden Exporten – drei Prozentpunkte mehr als im Herbst. Gleichzeitig erwarten nur noch 22 Prozent sinkende Ausfuhren, im Herbst waren es noch 29 Prozent. Die Bemühungen der EU um neue Freihandelsabkommen sorgten für „etwas mehr Optimismus in der Exportindustrie“, so Melnikov. Doch der Wettbewerbsdruck bleibe hoch, die Unsicherheiten ebenfalls.
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OZD-Kommentar – Deutschland im Wartemodus
Die DIHK-Zahlen sind kein Ausreißer, sie sind ein Stimmungsbild einer Wirtschaft, die seit Monaten im Wartemodus verharrt. Reformankündigungen reichen nicht, wenn sie im betrieblichen Alltag nicht ankommen. Unternehmen investieren nicht aus Hoffnung, sondern aus Vertrauen – und genau dieses Vertrauen fehlt. Hohe Energiepreise, komplexe Regulierung, steigende Lohnkosten: Die Belastungen addieren sich. Wer jetzt nur auf Exporte hofft, verkennt die strukturellen Probleme im Inland. Ohne klare, mutige Standortpolitik droht Deutschland weiter an Dynamik zu verlieren. Das größte Risiko ist nicht Rezession – sondern schleichende Erosion.
Historischer Hintergrund
Nach mehreren Krisenjahren – Pandemie, Energiepreisschock, geopolitische Spannungen – kämpft die deutsche Wirtschaft seit 2023 mit schwachem Wachstum. Die Kombination aus hoher Kostenbelastung und verhaltener Nachfrage bremst besonders die Industrie.
Zukunftsprognose
Sollten Investitionen und Neueinstellungen weiter stagnieren, droht eine Phase struktureller Stagnation. Entscheidend werden schnelle Entlastungen bei Energie, Bürokratie und Investitionsanreizen sein. Ohne Reformimpuls bleibt die Konjunktur im Stand-by-Modus.
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Wie viele Unternehmen beteiligten sich an der aktuellen DIHK-Umfrage?
A) 12.000
B) 18.000
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Mini-Infobox – DIHK-Umfrage 2026
26.000 befragte Unternehmen
Nur 25 % bewerten Lage als gut
31 % planen Investitionskürzungen
12 % wollen Personal aufstocken
OZD-Analyse
Investitionszurückhaltung
– a) Ersatz statt Expansion
– b) Rationalisierung statt Wachstum
– c) Unsicherheit hemmt langfristige Projekte
Kostenstruktur als Belastung
– a) Hohe Arbeitskosten
– b) Energie- und Rohstoffpreise
– c) Bürokratische Vorgaben
Exporte als Hoffnungsträger
– a) Mehr Optimismus durch Freihandelsabkommen
– b) Globaler Wettbewerbsdruck bleibt hoch
– c) Keine Kompensation für schwache Inlandsnachfrage

Was ist die Deutsche Industrie- und Handelskammer?
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) ist der Dachverband der 79 Industrie- und Handelskammern in Deutschland. Sie vertritt die Interessen von Millionen Unternehmen gegenüber Politik und Öffentlichkeit und veröffentlicht regelmäßig Konjunkturumfragen.
OZD-Extras
Wussten Sie schon? Zwei Drittel der Unternehmen investieren derzeit vor allem in Ersatz bestehender Anlagen – ein deutliches Zeichen für Vorsicht statt Expansion.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
