In der Debatte um die Zukunft des deutschen Spitzensports plädiert Max Hartung für einen selbstbewussten Kurs. „Wir sollten nicht reflexhaft versuchen, andere Länder zu kopieren, sondern unsere eigenen Stärken ausspielen“, sagte der Vorstand der Deutsche Sporthilfe zum Abschluss der Olympischen Winterspiele.
Deutschland verfüge über ein starkes Vereinssystem, aus dem zahlreiche Talente hervorgehen. Doch im Leistungssport brauche es klarere Zuständigkeiten und eine stärkere Bündelung der Ressourcen. „Derzeit gibt es rund 200 Bundesstützpunkte und 13 Olympiastützpunkte – das ist sehr viel“, erklärte Hartung. Weniger Standorte, dafür besser ausgestattet, mit hochwertiger Infrastruktur, exzellenten Trainern sowie sportmedizinischer und sportpsychologischer Betreuung könnten den Athletinnen und Athleten mehr helfen. Dabei sollten sie selbst entscheiden können, wo sie trainieren.
Mit der geplanten Spitzensportagentur stehe eine strukturelle Neuausrichtung bevor. Entscheidend sei, dass Reformen dort ansetzen, wo sie unmittelbar Wirkung zeigen – bei den Sportlerinnen und Sportlern selbst. „Es geht darum, ihre Trainings- und Lebensrealität ernst zu nehmen und Rahmenbedingungen zu schaffen, die es ihnen ermöglichen, sich auf ihren Sport zu konzentrieren“, betonte Hartung.
Besonders kritisch sieht er die finanzielle Situation. Die Lebenshaltungskosten seien massiv gestiegen, die Förderbeträge dagegen seit Jahren unverändert. In Großstädten wie Köln, Berlin oder München reichten die aktuellen Summen kaum aus. „Niemand macht Spitzensport aus finanziellem Interesse – aber wenn man zusätzlich jobben muss oder sich fragt, ob man nächsten Monat die Miete zahlen kann, wird es problematisch“, warnte Hartung. Andernfalls schrumpfe der Talentpool, weil sich Leistungssport nur noch privilegierte Familien leisten könnten.
Strukturell erschwere zudem die föderale Aufteilung die Reform: Der Bund ist für den Spitzensport zuständig, die Länder für den Nachwuchsleistungssport. Das mache Veränderungen komplex und langwierig. Positiv bewertet Hartung jedoch die Einsetzung der Sportstaatsministerin Christiane Schenderlein und das geplante Sportfördergesetz – hier entstehe „wieder Dynamik“.
OZD

Max Hartung spricht einen wunden Punkt an. Deutschlands Spitzensport lebt von Tradition und Vereinsstruktur – doch das System wirkt zersplittert. 200 Stützpunkte klingen beeindruckend, sind aber womöglich Ausdruck ineffizienter Streuung statt gezielter Förderung.
Vor allem die finanzielle Frage ist brisant. Wer neben dem Training arbeiten muss, verliert wertvolle Zeit – und am Ende vielleicht den Anschluss an die Weltspitze. Leistungssport darf kein Luxusprojekt für Wohlhabende werden.
Die geplante Spitzensportagentur könnte ein Wendepunkt sein. Doch Reformen in einem föderalen System sind politisch heikel. Bund und Länder müssen Kompetenzen neu justieren – ein Kraftakt mit Konfliktpotenzial.
Die Botschaft ist klar: Wer international mithalten will, muss nicht nur Talente finden, sondern ihnen auch ein Umfeld bieten, das Spitzenleistungen ermöglicht.
Historischer HintergrundDeutschland zählt traditionell zu den führenden Wintersport- und Sommersportnationen. Nach starken Jahrzehnten geriet zuletzt jedoch die Effizienz der Förderstrukturen in die Kritik. Immer wieder wurde eine Bündelung der Ressourcen und eine stärkere Professionalisierung gefordert.
ZukunftsprognoseMit der geplanten Spitzensportagentur und dem Sportfördergesetz könnte eine strukturelle Reform eingeleitet werden. Entscheidend wird sein, ob finanzielle Mittel angepasst und Zuständigkeiten klarer geregelt werden. Ohne tiefgreifende Veränderungen droht Deutschland langfristig den Anschluss an die Weltspitze zu verlieren.

Frage: Wie viele Bundesstützpunkte gibt es derzeit laut Max Hartung?
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Rund 200 Bundesstützpunkte
13 Olympiastützpunkte
Förderbeträge seit Jahren unverändert
Geplantes Sportfördergesetz in Arbeit
OZD-Analyse1. Strukturelle Herausforderung
a) Zersplitterte Zuständigkeiten
– Bund für Spitzensport, Länder für Nachwuchs
b) Vielzahl an Stützpunkten
– Bedarf an Bündelung und Qualitätsfokus
2. Finanzielle Realität
a) Steigende Lebenshaltungskosten
– Fördergelder nicht angepasst
b) Gefahr sozialer Selektion
– Talentpool könnte schrumpfen
3. Reformperspektive
a) Neue Spitzensportagentur
– Zentrale Steuerung geplant
b) Sportfördergesetz
– Politische Dynamik durch neue Ministerin

Wer ist Max Hartung?
Max Hartung ist ehemaliger deutscher Säbelfechter, mehrfacher Europameister und Olympiateilnehmer. Heute gehört er dem Vorstand der Deutschen Sporthilfe an und setzt sich für bessere Rahmenbedingungen im Leistungssport ein.
OZD-ExtrasDie Deutsche Sporthilfe unterstützt jährlich mehrere tausend Athletinnen und Athleten finanziell – doch die Fördersummen sind seit Jahren nur moderat angepasst worden.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.