US-Präsident Donald Trump will bei der Entscheidung über die Nachfolge des getöteten iranischen Revolutionsführers Ajatollah Ali Chamenei mitreden. „Ich muss in die Ernennung eingebunden sein“, zitierte die Plattform Axios den Präsidenten am Donnerstag. (Axios)
Als möglicher Nachfolger wird im Iran unter anderem Chameneis Sohn Modschtaba gehandelt. Trump lehnt diese Option jedoch klar ab. „Er ist ein Leichtgewicht“, sagte der Präsident in dem Interview. Zudem erklärte er: „Chameneis Sohn ist für mich inakzeptabel.“ (Axios)
Der US-Präsident betonte, die künftige Führung müsse einen neuen Kurs einschlagen. „Wir wollen jemanden, der dem Iran Harmonie und Frieden bringt.“ Namen möglicher Kandidaten nannte Trump allerdings nicht. (HNA)
Die Nachfolgefrage in Teheran ist derzeit offen. Bei einem Empfang für Bundeskanzler Friedrich Merz im Oval Office am Dienstag räumte Trump ein, dass viele mögliche Kandidaten für die Führung des Landes nicht mehr leben. „Die meisten der Leute, an die wir gedacht hatten, sind tot“, sagte der Präsident. (DIE ZEIT)
Auch der im US-Exil lebende Sohn des früheren Schahs, Reza Pahlavi, wurde in Washington als mögliche Figur für einen politischen Übergang diskutiert. Trump äußerte sich zwar wohlwollend über ihn, erklärte jedoch, jemand aus dem Inneren des Iran sei aus seiner Sicht besser geeignet.
Seinen Anspruch auf Einfluss bei der künftigen Führung des Iran begründete Trump mit einem Vergleich zu Venezuela. Dort hätten die USA nach der Gefangennahme des langjährigen Staatschefs Nicolás Maduro dessen Stellvertreterin Delcy Rodríguez als Übergangspräsidentin installiert.
Ajatollah Ali Chamenei war am Samstag bei gemeinsamen Luftangriffen der USA und Israels getötet worden. Er hatte den Iran seit 1989 als oberster geistlicher Führer regiert und galt als zentrale Machtfigur des politischen Systems. (DIE WELT)
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OZD-Kommentar – Die riskante Logik des Regime-Designs
Die Aussagen aus Washington markieren eine neue Stufe geopolitischer Einflussnahme. Wenn ein US-Präsident offen erklärt, bei der Auswahl der Führung eines souveränen Staates mitreden zu wollen, wird daraus schnell mehr als diplomatische Rhetorik – es wird zur strategischen Intervention. Gerade im Nahen Osten haben solche Versuche in der Vergangenheit häufig zu Instabilität, Machtvakuum und Radikalisierung geführt. Wer politische Führung „installieren“ will, unterschätzt oft die Dynamik innerstaatlicher Machtkämpfe. Sollte der Eindruck entstehen, der nächste iranische Führer sei ein Produkt ausländischer Interessen, könnte dies im Iran selbst massive Gegenreaktionen auslösen. Die Gefahr: Statt Stabilität droht eine neue Phase politischer Eskalation.
Mini-Infobox
– Ajatollah Ali Chamenei war seit 1989 oberster Führer des Iran
– Er wurde laut Berichten bei US-israelischen Angriffen getötet
– Donald Trump fordert Einfluss auf die Nachfolge
– Chameneis Sohn Modschtaba gilt als möglicher Kandidat
– Die Führung in Teheran ist derzeit ungeklärt
OZD-Analyse
Die Debatte über die Nachfolge Chameneis zeigt mehrere geopolitische Konfliktlinien.
Machtvakuum im Iran
a) Der Tod des langjährigen Revolutionsführers schafft ein politisches Vakuum.
b) Mehrere mögliche Nachfolger sollen bei den Angriffen ebenfalls ums Leben gekommen sein.
c) Die religiöse und politische Elite des Iran muss eine neue Führung bestimmen.
Rolle der USA
a) Washington signalisiert offen Einfluss auf die politische Zukunft des Iran.
b) Trump begründet dies mit strategischen Interessen und Stabilität in der Region.
c) Ein solcher Anspruch könnte international als Einmischung in innere Angelegenheiten gewertet werden.
Innenpolitische Dynamik im Iran
a) Teile der Elite favorisieren offenbar Modschtaba Chamenei als Nachfolger.
b) Exil-Oppositionelle wie Reza Pahlavi versuchen ebenfalls, politisches Gewicht zu gewinnen.
c) Die Bevölkerung könnte eine zentrale Rolle spielen, falls Proteste oder Machtkämpfe entstehen.
Erklärungen / Wissensblock
Wer war Ajatollah Ali Chamenei?
Ali Chamenei war seit 1989 der oberste Führer der Islamischen Republik Iran. In diesem Amt kontrollierte er Militär, Justiz und zentrale politische Institutionen. Damit galt er als mächtigste Person im iranischen Staatssystem.
Wer ist Modschtaba Chamenei?
Modschtaba Hosseini Chamenei ist der Sohn des verstorbenen Revolutionsführers. Der Geistliche gilt als einflussreich im Umfeld der Revolutionsgarden und wurde in politischen Kreisen immer wieder als möglicher Nachfolger seines Vaters gehandelt.
Wer ist Reza Pahlavi?
Reza Pahlavi ist der Sohn des letzten iranischen Schahs Mohammad Reza Pahlavi. Er lebt seit der Islamischen Revolution 1979 im Exil in den USA und tritt als Kritiker der Islamischen Republik auf.
Historischer Hintergrund
Seit der Islamischen Revolution von 1979 wird der Iran von einem religiös geprägten politischen System geführt. Der oberste Führer steht über Präsident und Regierung und bestimmt die grundlegende politische Linie des Landes. Ali Chamenei übernahm diese Rolle nach dem Tod von Revolutionsführer Ruhollah Chomeini. Seine jahrzehntelange Herrschaft prägte die Außenpolitik des Iran ebenso wie die innenpolitische Kontrolle des Systems.
Prognose
Die Frage der Nachfolge Chameneis dürfte zu einem zentralen Machtkampf innerhalb des iranischen Establishments führen. Möglich sind sowohl eine rasche Einigung innerhalb der religiösen Elite als auch längere interne Konflikte. Gleichzeitig könnten äußere Akteure versuchen, Einfluss auf die politische Entwicklung zu nehmen. Sollte sich der Machtkampf zuspitzen, drohen innenpolitische Instabilität, neue Proteste im Land und eine weitere Eskalation der Spannungen im Nahen Osten.
Gewinnspiel
Wer wird von Donald Trump als möglicher Nachfolger Chameneis ausdrücklich abgelehnt?
A) Reza Pahlavi
B) Modschtaba Chamenei
C) Massud Peseschkian
D) Delcy Rodríguez
Die richtige Antwort finden Sie im Artikel.
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OZD-Extra
Im politischen System des Iran wird der oberste Führer nicht durch Wahlen bestimmt, sondern vom sogenannten Expertenrat – einem Gremium hochrangiger Geistlicher – ausgewählt.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild: AFP