US-Präsident Donald Trump hat den militärischen Konflikt mit dem Iran trotz stark steigender Energiepreise verteidigt. Höhere Ölpreise seien ein „sehr geringer Preis“, der für Sicherheit und Frieden gezahlt werden müsse, erklärte Trump am Sonntag (Ortszeit) auf der Onlineplattform Truth Social.
„Kurzfristige Ölpreise, die schnell wieder sinken werden, wenn die Zerstörung der atomaren Bedrohung durch den Iran beendet ist, sind ein sehr geringer Preis“, schrieb der Präsident. Zugleich fügte er hinzu: „Nur Dummköpfe würden anders denken.“
Ölpreise auf Mehrjahreshoch
Der Krieg hat die internationalen Energiemärkte deutlich erschüttert. Der Preis für Rohöl überschritt erstmals seit fast vier Jahren wieder die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel.
Die US-Ölsorte West Texas Intermediate stieg zeitweise auf 109,17 Dollar pro Barrel und verteuerte sich damit um rund 20 Prozent. Ein ähnlich hohes Niveau war zuletzt kurz nach Beginn des Russischer Angriffskrieg gegen die Ukraine im Februar 2022 erreicht worden.
Auch die Nordsee-Sorte Brent Crude legte deutlich zu und kletterte zeitweise auf 110,35 Dollar pro Barrel, was einem Anstieg von etwa 19 Prozent entspricht. Im asiatischen Handel am Montag erreichte der Ölpreis zeitweise sogar fast 120 Dollar.
Straße von Hormus als Schlüsselroute
Ein wesentlicher Grund für den Preisanstieg ist die Lage in der strategisch wichtigen Straße von Hormus. Seit Beginn des Konflikts am 28. Februar gilt die Meerenge zwischen der arabischen Halbinsel und dem Iran faktisch als blockiert.
Durch diese Route wird normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports abgewickelt. Gleichzeitig haben mehrere Öl- und Gasproduzenten der Golfstaaten ihre Förderung gedrosselt.
Nach US-Angaben steht der Iran für etwa vier Prozent der weltweiten Ölproduktion.
US-Regierung beschwichtigt
Der US-Energieminister Chris Wright versuchte, die Sorgen über eine länger anhaltende Energiekrise zu dämpfen. In Interviews mit den Fernsehsendern CNN und CBS erklärte er, die Auswirkungen des Konflikts würden vermutlich nur kurzfristig spürbar sein.
Im schlimmsten Fall werde die Situation „ein paar Wochen, aber nicht Monate“ anhalten. Die Welt sei weiterhin ausreichend mit Energie versorgt.
Die Preisanstiege seien vor allem eine Reaktion der Märkte auf die Unsicherheit über die Dauer des Konflikts.
Geleitschutz für Öltanker möglich
Um den Öltransport zu stabilisieren, erwägt die US-Regierung militärischen Geleitschutz für Öltanker in der Golfregion. Darüber liefen bereits Gespräche mit internationalen Reedereien.
Der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus könne deshalb „relativ bald“ wieder das gewohnte Niveau erreichen, erklärte Wright.
Benzinpreise steigen in den USA
Die Auswirkungen sind bereits für Verbraucher spürbar. Nach Angaben des US-Autoclubs AAA stieg der Benzinpreis in den Vereinigten Staaten innerhalb einer Woche um 16 Prozent, während sich Diesel um 22 Prozent verteuerte.
Die steigenden Treibstoffkosten erhöhen den politischen Druck auf die Regierung. Das Thema könnte eine wichtige Rolle bei den kommenden US-Zwischenwahlen im November spielen.
Trump war im vergangenen Jahr mit dem Versprechen angetreten, die Inflation zu bekämpfen. Bereits vor Beginn des Iran-Krieges waren seine Umfragewerte jedoch deutlich gesunken.
OZD-Kommentar
Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran zeigt einmal mehr, wie stark geopolitische Krisen die globalen Energiemärkte beeinflussen können. Schon die Gefahr einer Blockade der Straße von Hormus reicht aus, um die Ölpreise weltweit in die Höhe zu treiben.
Für viele Verbraucher werden die wirtschaftlichen Folgen eines solchen Konflikts jedoch schneller spürbar als die politischen oder militärischen Ziele.
Mini-Infobox
Ölpreis erstmals seit fast vier Jahren über 100 Dollar
Straße von Hormus transportiert etwa 20 % des weltweiten Öls
Benzinpreise in den USA innerhalb einer Woche +16 %
Iran produziert rund 4 % der globalen Ölmenge
OZD-Analyse
1. Energiepolitik und Krieg
a) geopolitische Konflikte treiben Energiepreise
b) Märkte reagieren sensibel auf Transportwege
c) Hormus-Route entscheidend für den Weltmarkt
2. Politische Folgen in den USA
a) steigende Benzinpreise sind politisch brisant
b) Inflation bleibt zentrales Wahlkampfthema
c) mögliche Auswirkungen auf Zwischenwahlen
3. Wirtschaftliche Risiken
– höhere Energiepreise weltweit
– mögliche Lieferengpässe
– Auswirkungen auf Transport- und Produktionskosten
Alle Angaben ohne Gewähr.
Foto: AFP