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Eskalation im Nahen Osten: EU warnt – Energieanlagen im Visier

Israels Ministerpräsident sieht den Iran militärisch am Boden, doch neue Angriffe auf mehrere Staaten der Golfregion zeigen: Der Konflikt ist weit von einem Ende entfernt.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hat den Iran knapp drei Wochen nach Beginn der Angriffe durch Israel und die USA als massiv geschwächt dargestellt. „Wir gewinnen und der Iran wird dezimiert“, sagte Netanjahu in einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz. Zugleich betonte er, der Krieg sei noch nicht beendet: „Es gibt noch mehr zu tun und wir werden es tun.“

Nach seinen Angaben sei der Iran inzwischen nicht mehr in der Lage, Uran anzureichern oder ballistische Raketen zu produzieren. Der Konflikt werde „viel schneller enden, als die Leute denken“. Gleichzeitig ließ Netanjahu offen, welche weiteren militärischen Schritte geplant sind.

Mit Blick auf Angriffe auf das iranische Gasfeld South Pars erklärte Netanjahu, Israel habe eigenständig gehandelt. US-Präsident Donald Trump habe danach gebeten, weitere Attacken auszusetzen – „und wir halten uns daran“, so Netanjahu.

Der israelische Regierungschef verwies zudem auf angebliche Spannungen innerhalb der iranischen Führung. Nach der Tötung von Ali Chamenei sei unklar, wer tatsächlich die Kontrolle habe. Dessen Sohn Modschtaba Chamenei sei bislang nicht öffentlich aufgetreten. Es gebe „Risse“ in der Führung und Machtkämpfe im Inneren.

Auch die Perspektive eines möglichen Regimewechsels sprach Netanjahu erneut an. „Es heißt oft, dass man keine Revolutionen aus der Luft machen kann“, sagte er – und ergänzte, dafür brauche es auch eine „Bodenkomponente“, deren Details er jedoch nicht offenlegen wolle.

Kurz nach der Pressekonferenz meldete die israelische Armee erneut Raketenangriffe aus dem Iran. Explosionen waren über Jerusalem zu hören. Berichte über Verletzte oder größere Schäden gab es zunächst nicht. Israel reagierte mit neuen Angriffen auf Ziele in Teheran.

Parallel weitete sich die Gewalt in der Golfregion aus. In den Vereinigte Arabische Emirate wurden erneut Raketen- und Drohnenbedrohungen gemeldet. Saudi-Arabien erklärte, innerhalb von zwei Stunden mehr als ein Dutzend Drohnen abgefangen zu haben.

Auch in Bahrain lösten Trümmerteile eines Angriffs ein Feuer aus. Die Armee von Kuwait berichtete von abgewehrten Raketen- und Drohnenangriffen. Später kam es laut Staatsmedien in der Raffinerie Mina al-Ahmadi zu Bränden, mehrere Anlagen wurden abgeschaltet.

Die iranischen Revolutionsgarden bestätigten Angriffe auf US-Streitkräfte in der Region sowie auf Ziele in Israel. Auch der Luftwaffenstützpunkt al-Dhafra sei attackiert worden.

Besonders schwerwiegend sind die Folgen für die Energieversorgung: Katar meldete, dass seine Flüssiggas-Exporte um 17 Prozent zurückgehen könnten. Betroffen sind unter anderem China, Südkorea sowie mehrere europäische Staaten.

Die EU zeigte sich angesichts der Eskalation besorgt. Beim Gipfel in Brüssel forderten die Staats- und Regierungschefs ein Moratorium für Angriffe auf Energie- und Wasserversorgungsanlagen. Eine direkte Beteiligung am Krieg lehnt die EU weiterhin ab.

Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte, Deutschland könne sich an der Sicherung der Straße von Hormus beteiligen – allerdings erst nach einem Ende der Kampfhandlungen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron brachte zudem einen möglichen UN-Rahmen für eine internationale Sicherungsmission ins Gespräch.

OZD / ©AFP

OZD-Kommentar: Krieg ohne Kontrolle

Die Lage im Nahen Osten kippt weiter – und die Aussagen Netanjahus wirken wie ein gefährlicher Spagat zwischen Siegesrhetorik und Realität. Während Israel den Iran als geschwächt darstellt, zeigen die Angriffe auf mehrere Staaten der Region das Gegenteil: Der Konflikt breitet sich aus. Besonders alarmierend ist die gezielte Attacke auf Energieinfrastruktur – ein Spiel mit globalen Folgen. Die EU bleibt Zuschauer, die USA agieren selektiv, und die Region steuert auf eine Eskalation zu, die kaum noch kontrollierbar erscheint. Sollte keine politische Lösung gefunden werden, droht ein Flächenbrand mit massiven wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Konsequenzen weltweit.

Mini-Infobox

Netanjahu sieht Iran militärisch geschwächt

Neue Angriffe auf mehrere Golfstaaten

Energieanlagen zunehmend im Visier

EU fordert Stopp von Angriffen auf Infrastruktur

OZD-Analyse

Militärische Lage
a) Israel sieht strategische Vorteile
b) Iran bleibt trotz Verlusten handlungsfähig
c) Angriffe weiten sich regional aus

Energie als Zielscheibe
a) Raffinerien und Gasfelder im Fokus
b) Auswirkungen auf globale Märkte
c) LNG-Exporte bereits eingeschränkt

Internationale Reaktionen
– EU fordert Deeskalation ohne Eingreifen
– USA agieren indirekt
– Diskussion über internationale Sicherungsmission

Erklärungen / Wissensblock

Was ist die Straße von Hormus?
Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Ein großer Teil des globalen Öl- und Gastransports verläuft durch diese Meerenge zwischen dem Iran und Oman.

Wer ist Benjamin Netanjahu?
Benjamin Netanjahu ist der Ministerpräsident Israels und eine der prägendsten politischen Figuren des Landes. Er steht seit Jahren für eine harte sicherheitspolitische Linie gegenüber dem Iran.

Historischer Hintergrund

Die Spannungen zwischen Israel und dem Iran reichen Jahrzehnte zurück und haben sich in den vergangenen Jahren mehrfach militärisch zugespitzt. Der aktuelle Krieg begann Ende Februar mit massiven Luftangriffen Israels und der USA auf iranische Ziele.

Prognose

Die Gefahr einer weiteren Eskalation bleibt hoch. Sollte der Iran seine Angriffe auf Energieinfrastruktur ausweiten, könnten die globalen Märkte massiv destabilisiert werden. Gleichzeitig wächst der Druck auf internationale Akteure, diplomatisch einzugreifen, bevor sich der Konflikt zu einem umfassenden regionalen Krieg ausweitet.

Gewinnspiel

Was behauptet Netanjahu über den Iran?

A) Er sei militärisch überlegen
B) Er werde dezimiert
C) Er habe gewonnen
D) Er ziehe sich zurück

https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen

OZD-Extra

Die Straße von Hormus ist so eng, dass sie an manchen Stellen nur rund 50 Kilometer breit ist – und dennoch entscheidend für die weltweite Energieversorgung.


Alle Angaben ohne Gewähr. 

Titelbild: AFP