Russlands nächtlicher Raketen- und Drohnenterror gegen die ukrainische Hauptstadt Kiew hat nun auch deutsche Medien direkt getroffen. Bei den massiven Angriffen wurden das ARD-Studio sowie das Büro der Deutschen Welle (DW) schwer beschädigt und teilweise zerstört. Wände stürzten ein, Fenster zerbarsten durch gewaltige Druckwellen, technische Einrichtungen wurden verwüstet. Dass bei den Angriffen keine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verletzt wurden, grenzt nach Angaben der Betroffenen an ein Wunder.
Der Westdeutsche Rundfunk erklärte am Sonntag in Köln, dass sich zum Zeitpunkt des Angriffs glücklicherweise niemand im ARD-Studio aufgehalten habe. Dennoch seien die Schäden erheblich. Nun müsse zunächst geprüft werden, ob das Gebäude in Kiew überhaupt noch statisch sicher sei. Trotz der Zerstörungen solle die Berichterstattung aus der ukrainischen Hauptstadt jedoch fortgesetzt werden – notfalls über mobile Technik und Ausweichquartiere.
Auch die Deutsche Welle meldete massive Schäden an ihrem Büro in Kiew. Druckwellen zerstörten Fenster und beschädigten Deckenbereiche. DW-Intendantin Barbara Massing sprach von einem erschütternden Angriff auf die Arbeit unabhängiger Medien. „Die Nachricht heute Morgen war ein Schock und zeigt einmal mehr die Bedingungen, unter denen Journalistinnen und Journalisten arbeiten, um das zu berichten, was in der Ukraine passiert“, erklärte Massing. Die Beschäftigten setzten sich „jeden Tag unvorstellbaren Gefahren aus“.
Die Bilder aus Kiew verdeutlichen erneut die brutale Realität des russischen Angriffskrieges. Die ukrainische Hauptstadt wurde in der Nacht von schweren Explosionen erschüttert. Über Stunden hinweg heulten Sirenen, Raketen schlugen ein und Drohnen attackierten Ziele im Stadtgebiet. Immer stärker geraten dabei offenbar auch internationale Medien und kritische Berichterstattung ins Visier.
ARD-Studioleiter Vassili Golod schilderte die emotionale Wucht des Angriffs. „Den eigenen Arbeitsplatz völlig verwüstet zu sehen, ist ein Schock“, sagte er. Zugleich äußerte er „riesigen Respekt“ vor seinem Team, das sich trotz jahrelanger Luftangriffe nicht einschüchtern lasse und weiterhin aus der Ukraine berichte.
Der Deutsche Journalisten-Verband reagierte empört und sprach von einem „Angriff auf die Rundfunkfreiheit und die kritische und unabhängige Berichterstattung“. Russland habe neben der ukrainischen Zivilbevölkerung offenbar auch „die freie Berichterstattung im Visier“. Damit wächst international die Sorge, dass der Kreml nicht nur militärische, sondern zunehmend auch mediale Infrastruktur gezielt unter Druck setzt.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Wenn Bomben auf Journalismus fallen
Der Angriff auf ARD und Deutsche Welle ist mehr als nur ein Kollateralschaden des Krieges. Wenn internationale Medienbüros in Kiew zerstört werden, trifft das die freie Berichterstattung direkt ins Herz. Russland demonstriert damit erneut, dass unabhängiger Journalismus für den Kreml ein Feindbild ist.
Gerade in autoritär geführten Staaten gehört die Kontrolle über Informationen zur zentralen Machtstrategie. Wer Bilder aus Kiew, Berichte über zivile Opfer oder Dokumentationen russischer Angriffe verhindern will, attackiert zwangsläufig auch Journalistinnen und Journalisten. Die Einschüchterung internationaler Medien ist deshalb kein Zufall, sondern Teil einer systematischen Kriegslogik.
Europa darf darauf nicht nur mit Betroffenheit reagieren. Der Schutz von Pressefreiheit und unabhängiger Berichterstattung ist ein Kernbestandteil demokratischer Gesellschaften – von Berlin bis Kiew. Wenn Medienhäuser unter Raketenbeschuss arbeiten müssen, ist das ein alarmierendes Signal für die gesamte freie Welt.
Historischer Hintergrund
Seit Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine im Februar 2022 arbeiten Journalistinnen und Journalisten in Städten wie Kiew, Charkiw, Odessa und Dnipro unter extremen Bedingungen. Zahlreiche Medienstandorte wurden beschädigt oder zerstört, Reporter gerieten immer wieder unter Beschuss.
Internationale Sender wie die ARD, die Deutsche Welle, BBC oder CNN berichten seit Jahren direkt aus der Ukraine, um weltweit über die Auswirkungen des Krieges zu informieren. Russland steht dabei regelmäßig in der Kritik, gezielt gegen unabhängige Medien und kritische Berichterstattung vorzugehen.
Zukunftsprognose
Die Gefahr für internationale Medien in der Ukraine dürfte weiter steigen. Sicherheitsexperten rechnen damit, dass Russland seine Luftangriffe auf Kiew und andere Großstädte intensivieren wird. Dadurch geraten auch ausländische Journalistinnen und Journalisten zunehmend in Lebensgefahr.
Politisch könnte der Angriff auf deutsche Medienhäuser den Druck auf die Bundesregierung und die EU erhöhen, die Ukraine noch stärker militärisch und technisch zu unterstützen. Gleichzeitig wächst in Europa die Sorge vor einer weiteren Eskalation des Informationskrieges zwischen Russland und dem Westen.
Gewinnspiel
Frage: Welche deutschen Medien wurden bei den Angriffen auf Kiew beschädigt?
A) ZDF und RTL
B) ARD und Deutsche Welle
C) Sat.1 und ProSieben
D) Spiegel und Stern
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Mini-Infobox
ARD-Studio in Kiew massiv beschädigt
DW-Büro ebenfalls betroffen
Keine Verletzten unter Mitarbeitenden
Russland griff Kiew mit Raketen und Drohnen an
Journalistenverband spricht von Angriff auf Pressefreiheit
OZD-Analyse
Russische Angriffe treffen zunehmend zivile Infrastruktur
– Medienstandorte geraten offenbar stärker ins Visier der Angriffe.
Pressefreiheit wird massiv bedroht
– a) Einschüchterung internationaler Berichterstattung
– b) Gefahr für Journalistinnen und Journalisten
– c) Zerstörung technischer Infrastruktur
Internationale Auswirkungen
– Der Angriff könnte die politische Unterstützung Europas für die Ukraine weiter verstärken.
Erklärungen
Was ist die Deutsche Welle?
Die Deutsche Welle (DW) ist der internationale Auslandssender Deutschlands mit Sitz in Bonn und Berlin. Die DW berichtet weltweit in zahlreichen Sprachen über Politik, Wirtschaft und internationale Konflikte und gilt als wichtige Stimme unabhängiger Berichterstattung.
Wer ist Vassili Golod?
Vassili Golod ist ARD-Korrespondent und Leiter des Studios in Kiew. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges berichtet er regelmäßig direkt aus der Ukraine über die militärische und humanitäre Lage.
Was ist der Deutsche Journalisten-Verband?
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) ist eine der größten Berufsorganisationen für Journalistinnen und Journalisten in Deutschland. Der Verband setzt sich für Pressefreiheit, journalistische Standards und den Schutz von Medienschaffenden ein.
OZD-Extras
Viele internationale Reporter schlafen in Kiew inzwischen regelmäßig in Schutzräumen oder U-Bahn-Stationen, da nächtliche Raketen- und Drohnenangriffe zum Alltag geworden sind.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.