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Kiew kocht vor Wut: Tausende fordern Rückkehr von Verteidigungsminister Fedorow

Tausende demonstrieren in Kiew gegen die Entlassung von Verteidigungsminister Mychailo Fedorow. Der Regierungswechsel sorgt für politischen Sprengstoff.

Übersicht

Tausende demonstrierten erneut in Kiew.

Mychailo Fedorow trat nach Regierungsumbildung zurück.

Selenskyj begründet den Wechsel mit neuen Herausforderungen.



In der ukrainischen Hauptstadt Kiew haben am Freitagabend erneut tausende Menschen gegen die Ablösung des bisherigen Verteidigungsministers Mychailo Fedorow protestiert. Zahlreiche Demonstranten schwenkten ukrainische Flaggen und forderten mit Plakaten wie "Bringt Fedorow zurück!" und "Respektiert das Volk!" die Rückkehr des Ministers. Die Proteste verdeutlichen die wachsende Unzufriedenheit mit der jüngsten Regierungsumbildung von Präsident Wolodymyr Selenskyj.

Fedorow war am Mittwoch im Zuge einer umfassenden Neuordnung der Regierung zurückgetreten. Präsident Selenskyj hatte die Umbildung mit "neuen Herausforderungen und Aufgaben" begründet. Neben Fedorow musste auch Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko ihren Posten räumen.

Vor allem die Entlassung des Verteidigungsministers stößt in der Bevölkerung auf Widerstand. Viele Ukrainer verbinden mit Fedorow eine Modernisierung der Streitkräfte. Während seiner kurzen Amtszeit trieb er die Digitalisierung der Armee, den Ausbau moderner Drohnentechnologien sowie Verwaltungsreformen voran. Zudem wurden unter seiner Verantwortung die Soldatengehälter erhöht und Konzepte für eine schrittweise Demobilisierung entwickelt.

Nach seinem Rücktritt erhob Fedorow schwere Vorwürfe gegen den Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Oleksander Syrsky. "In dieser Konstellation weiß ich persönlich nicht, wie der Krieg gewonnen werden kann", erklärte der ehemalige Minister. Er kritisierte langsame Entscheidungswege, übermäßige Bürokratie und fehlende Flexibilität innerhalb des militärischen Führungsapparates.

Präsident Selenskyj ernannte daraufhin den Geheimdienstmitarbeiter Jewhenij Chmara zum geschäftsführenden Verteidigungsminister. Das ukrainische Parlament muss der Personalentscheidung allerdings noch zustimmen.

Bereits einen Tag zuvor hatten zahlreiche Menschen in Kiew und weiteren ukrainischen Städten gegen den Personalwechsel demonstriert. Die anhaltenden Proteste zeigen, dass die Entscheidung des Präsidenten weit über einen gewöhnlichen Regierungswechsel hinausgeht und inzwischen zu einer politischen Belastungsprobe für die ukrainische Führung geworden ist.

OZD/AFP


OZD-Kommentar – Selenskyjs riskantes Machtmanöver

Die Entlassung eines Ministers während eines andauernden Krieges ist stets ein sensibles Signal. Wenn ausgerechnet ein Politiker ersetzt wird, der in der Bevölkerung als Modernisierer gilt, wächst zwangsläufig das Misstrauen gegenüber der politischen Führung. Präsident Selenskyj muss nun beweisen, dass der Wechsel tatsächlich militärischen Fortschritt bringt und nicht neue Spannungen innerhalb von Regierung, Armee und Bevölkerung auslöst. Andernfalls könnten die Proteste zu einem innenpolitischen Problem werden, das die Ukraine in einer ohnehin kritischen Phase zusätzlich belastet.


Historischer Hintergrund

Seit Beginn des russischen Angriffskrieges im Februar 2022 steht die Ukraine unter enormem militärischem und politischem Druck. Die Regierung in Kiew hat ihre Streitkräfte umfassend modernisiert und westliche Unterstützung in Milliardenhöhe erhalten. Digitalisierung, Drohnentechnologie und schnellere militärische Entscheidungsprozesse gelten als entscheidende Faktoren im Krieg gegen Russland. Personalwechsel in Schlüsselministerien werden deshalb sowohl innerhalb der Ukraine als auch international besonders aufmerksam beobachtet.


Zukunftsprognose

Sollten die Proteste anhalten, könnte Präsident Selenskyj gezwungen sein, seine Personalpolitik ausführlicher zu erklären oder weitere Veränderungen vorzunehmen. Gleichzeitig dürfte Russland die innenpolitischen Spannungen propagandistisch nutzen. Für die westlichen Partner der Ukraine bleibt entscheidend, dass die militärische Handlungsfähigkeit und die politische Stabilität des Landes erhalten bleiben.


Gewinnspiel

Frage: Gegen wessen Ablösung richteten sich die Proteste in Kiew?

A) Julia Swyrydenko

B) Oleksander Syrsky

C) Mychailo Fedorow

D) Jewhenij Chmara

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OZD-Analyse

Regierungskrise

– Die Entlassung eines populären Ministers sorgt für wachsende Proteste und erhöht den Druck auf Präsident Selenskyj.

Militärische Führung

– a) Streit über den Kurs der Armee.
– b) Kritik an Bürokratie und Entscheidungsprozessen.
– c) Unsicherheit über die künftige Reformpolitik.

Folgen

– Die innenpolitische Stabilität der Ukraine könnte kurzfristig leiden. Gleichzeitig beobachten westliche Verbündete aufmerksam, ob die militärische Leistungsfähigkeit und die Reformagenda fortgeführt werden.


Erklärungen

Wer ist Wolodymyr Selenskyj?

Wolodymyr Selenskyj ist seit 2019 Präsident der Ukraine. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges führt er das Land durch eine der schwersten Krisen seiner Geschichte und vertritt die Ukraine international.

Was ist Kiew?

Kiew ist die Hauptstadt und das politische Zentrum der Ukraine. Regierung, Parlament und Präsidialverwaltung haben dort ihren Sitz. Die Stadt ist seit Beginn des Krieges mehrfach Ziel russischer Angriffe gewesen.

OZD-Extras

Die Digitalisierung militärischer Prozesse gilt inzwischen als einer der wichtigsten Faktoren moderner Kriegsführung. Die Ukraine zählt insbesondere beim Einsatz kleiner Kampfdrohnen und digitaler Einsatzkoordination zu den innovativsten Streitkräften Europas.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.