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54 Milliarden Euro fehlen: Lecornu stellt Frankreich auf harten Haushaltskurs ein

Frankreichs Regierung plant für 2027 Einsparungen von rund 54 Milliarden Euro. Premier Lecornu will das Defizit auf fünf Prozent der Wirtschaftsleistung drücken.

Fakten im Überblick

Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu plant für 2027 einen Konsolidierungsbedarf von rund 54 Milliarden Euro.

Das französische Haushaltsdefizit soll nach Lecornus Plänen auf fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts begrenzt werden.

Die gesamte Steuerlast soll nach Aussage des Premierministers trotz der angespannten Staatsfinanzen nicht steigen.

Frankreich steht vor einem schwierigen finanzpolitischen Kraftakt. Premierminister Sébastien Lecornu plant für das kommende Jahr Einsparungen in Höhe von rund 54 Milliarden Euro und will damit verhindern, dass das Haushaltsdefizit weiter außer Kontrolle gerät.

In einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit der Zeitung "Le Figaro" legte Lecornu die Dimension des geplanten Haushaltskurses offen.

Für 2027 strebt seine Regierung ein Defizit von fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts an.

Ohne zusätzliche Maßnahmen wäre die Lücke nach Darstellung des Premierministers erheblich größer.

"Wenn der Haushalt keinerlei Sparmaßnahmen enthalten würde, läge das Defizit 2027 bei knapp 6,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts", betonte Lecornu.

Der Premierminister hatte zuvor mit seinen Regierungsmitgliedern über die Eckpunkte des Haushalts für das kommende Jahr beraten.

Die Größenordnung von 54 Milliarden Euro zeigt, wie schwierig die finanzielle Lage Frankreichs geworden ist.

Lecornu begründet die notwendigen Einsparungen unter anderem mit der geopolitischen Lage, steigenden Zinsen und einer alternden Bevölkerung.

Gleichzeitig versucht der Premierminister, den Eindruck eines klassischen Kürzungshaushalts zu vermeiden. Der geplante Etat sei "weit entfernt von einem Sparhaushalt", versicherte er.

Die gesamte Steuerlast soll nach seinen Angaben nicht steigen.

Frankreich muss damit versuchen, zwei Ziele miteinander zu verbinden: Das Defizit soll deutlich reduziert werden, ohne die Wirtschaft durch umfangreiche zusätzliche Steuern weiter zu belasten.

Das wird angesichts der schwachen Konjunktur besonders schwierig.

Die Banque de France senkte ihre Wachstumsprognose für 2026 zuletzt auf 0,4 Prozent. Hohe Energiepreise, schwacher Konsum, zurückhaltende Investitionen und geopolitische Unsicherheit belasten Europas zweitgrößte Volkswirtschaft.

Gleichzeitig steigen die Finanzierungskosten des französischen Staates.

Damit wird ein wachsender Teil des Haushalts für Zinszahlungen benötigt, während der Spielraum für andere staatliche Ausgaben sinkt.

Politisch ist der Haushalt ebenfalls hochsensibel.

Lecornu verfügt im französischen Parlament nicht über eine komfortable eigene Mehrheit. Seine Regierung muss deshalb für den Etat Mehrheiten oder zumindest ausreichende parlamentarische Duldung organisieren.

Der Premierminister erklärte, auf den umstrittenen Verfassungsartikel 49.3 verzichten zu wollen, solange das Parlament den Haushaltsentwurf nicht blockiert.

Artikel 49.3 ermöglicht es einer französischen Regierung unter bestimmten Voraussetzungen, ein Gesetz ohne abschließende Abstimmung in der Nationalversammlung durchzusetzen. Die Regierung muss dann allerdings ein mögliches Misstrauensvotum überstehen.

Auch bei Sozialleistungen kündigt Lecornu Veränderungen an.

Für legal nach Frankreich eingewanderte Ausländer soll nach seinen Angaben künftig bei bestimmten Leistungen dieselbe Wartezeit gelten wie für französische Staatsbürger, die nach einem längeren Auslandsaufenthalt nach Frankreich zurückkehren.

Die genaue Wirkung einer solchen Regelung hängt von ihrer gesetzlichen Ausgestaltung und davon ab, welche Sozialleistungen konkret erfasst werden.

Der Haushalt fällt zudem mitten in die beginnende politische Vorbereitung auf die französische Präsidentschaftswahl 2027.

Lecornu machte deutlich, dass Regierungsmitglieder, die sich aktiv am Wahlkampf beteiligen wollen, nach seiner Vorstellung ihre Regierungsämter aufgeben sollten.

Davon könnte unter anderem Justizminister Gérald Darmanin betroffen sein. Er hat dem früheren Premierminister Édouard Philippe bereits politische Unterstützung zugesagt.

Amtsinhaber Emmanuel Macron kann nach zwei unmittelbar aufeinanderfolgenden Amtszeiten nicht direkt erneut für das Präsidentenamt kandidieren.

Damit bekommt der Haushalt 2027 eine doppelte Bedeutung.

Er soll Frankreichs angeschlagene Staatsfinanzen stabilisieren – und wird zugleich zum letzten großen Haushalt vor dem Ende von Macrons zweiter Amtszeit.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – 54 Milliarden Euro müssen irgendwo gefunden werden

Die Zahl ist gewaltig: 54 Milliarden Euro.

Entscheidend ist jedoch weniger die Überschrift als die Frage, wie diese Summe tatsächlich erreicht werden soll.

Wenn Lecornu gleichzeitig das Defizit deutlich reduzieren und die gesamte Steuerlast nicht erhöhen will, müssen Ausgaben begrenzt, bestehende Vergünstigungen verändert, Einnahmen effizienter genutzt oder andere finanzielle Spielräume geschaffen werden.

Dabei entstehen zwangsläufig Verteilungsfragen.

Welche Ministerien müssen sparen? Welche Sozialausgaben verändern sich? Wie stark werden Kommunen betroffen sein? Und welche Bevölkerungsgruppen tragen welchen Anteil?

Diese Fragen lassen sich erst beantworten, wenn der vollständige Haushaltsentwurf vorliegt.

Hinzu kommt ein politisches Problem: Frankreichs Nationalversammlung ist fragmentiert. Ein finanzpolitisch ambitionierter Haushalt benötigt deshalb nicht nur mathematisch überzeugende Zahlen, sondern auch parlamentarische Unterstützung.

Die realistische Prognose: Der Haushalt 2027 dürfte zu einer der schwierigsten innenpolitischen Auseinandersetzungen Frankreichs vor der Präsidentschaftswahl werden. Umfang und Zusammensetzung der geplanten Einsparungen werden im Parlament noch erheblich verhandelt werden.

Historischer Hintergrund

Frankreich kämpft seit Jahren mit hohen Haushaltsdefiziten und einer wachsenden Staatsverschuldung.

Zusätzliche Belastungen entstanden während der Corona-Pandemie, der europäischen Energiekrise und durch staatliche Maßnahmen zum Schutz von Haushalten und Unternehmen.

Gleichzeitig stiegen die Zinsen.

Das ist für hoch verschuldete Staaten besonders relevant, weil auslaufende Staatsanleihen zunehmend zu höheren Zinssätzen refinanziert werden müssen.

Frankreich steht außerdem unter den europäischen Fiskalregeln unter Druck.

Nach den EU-Vorgaben soll das jährliche öffentliche Defizit grundsätzlich höchstens drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts betragen.

Selbst Lecornus Ziel von fünf Prozent für 2027 läge noch deutlich darüber.

Zukunftsprognose

Politisch wird der Haushalt zum wichtigen Test für die französische Regierung und die Mehrheitsverhältnisse in der Nationalversammlung.

Wirtschaftlich besteht ein Zielkonflikt. Eine schnelle Haushaltskonsolidierung kann das Vertrauen in die Staatsfinanzen stärken, gleichzeitig können starke Ausgabenkürzungen in einer Phase schwachen Wachstums die Konjunktur zusätzlich belasten.

Für die europäischen Finanzmärkte sind besonders französische Staatsanleihen relevant. Steigende Zweifel an der Haushaltsentwicklung können höhere Renditen verlangen und damit die Finanzierungskosten Frankreichs weiter erhöhen.

Auch französische Aktien könnten indirekt betroffen sein, insbesondere Unternehmen, die stark von staatlichen Aufträgen, Konsum oder öffentlichen Investitionen abhängig sind.

Beim Euro können anhaltende Sorgen über die Staatsfinanzen großer Mitgliedstaaten die Marktstimmung beeinflussen. Frankreich ist nach Deutschland die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone und besitzt deshalb erhebliche Bedeutung für den gesamten Währungsraum.

Direkte Auswirkungen auf Rohstoffe sind vom französischen Haushalt dagegen nur begrenzt zu erwarten.

Wer ist Sébastien Lecornu?

Sébastien Lecornu ist Premierminister Frankreichs.

Als Regierungschef trägt er eine zentrale Verantwortung für die Vorbereitung und politische Durchsetzung des französischen Staatshaushalts.

Beim Etat für 2027 muss seine Regierung gleichzeitig die öffentlichen Finanzen stabilisieren und in einer fragmentierten Nationalversammlung ausreichende parlamentarische Unterstützung finden.

Was bedeutet ein Defizit von fünf Prozent?

Ein Haushaltsdefizit von fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts bedeutet, dass die staatlichen Ausgaben die staatlichen Einnahmen innerhalb eines Jahres um einen Betrag übersteigen, der fünf Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung entspricht.

Die Differenz muss grundsätzlich durch zusätzliche Verschuldung finanziert werden.

Je höher die Zinsen sind, desto teurer wird diese Finanzierung.

Was ist Artikel 49.3?

Artikel 49 Absatz 3 der französischen Verfassung ermöglicht es der Regierung unter bestimmten Voraussetzungen, einen Gesetzestext ohne abschließende Abstimmung in der Nationalversammlung durchzusetzen.

Das Parlament kann darauf mit einem Misstrauensantrag reagieren.

Erhält dieser die erforderliche Mehrheit, muss die Regierung zurücktreten.

Der Mechanismus ist deshalb wirkungsvoll, politisch aber regelmäßig stark umstritten.

OZD-Extra – Frankreichs Zinsrechnung wird zum Milliardenproblem

Eine der größten Herausforderungen liegt nicht nur in den laufenden Staatsausgaben, sondern in den Kosten der französischen Verschuldung.

Steigende Marktzinsen verteuern schrittweise die Refinanzierung des Staates.

Frankreichs Schuldendienst wird damit zu einem immer größeren Haushaltsposten.

Genau daraus entsteht ein problematischer Kreislauf: Höhere Defizite erhöhen den Finanzierungsbedarf, höhere Finanzierungskosten belasten wiederum künftige Haushalte.

Für die gesamte Eurozone ist die Entwicklung relevant.

Frankreich ist eine der größten Volkswirtschaften und einer der wichtigsten Anleihemärkte Europas. Deshalb beobachten Investoren, Ratingagenturen, die Europäische Kommission und andere EU-Staaten genau, ob Paris einen glaubwürdigen Weg zur Stabilisierung seiner öffentlichen Finanzen findet.

Die angekündigten 54 Milliarden Euro sind deshalb nicht nur eine französische Haushaltszahl. Sie werden auch zu einem wichtigen Signal für die finanzpolitische Stabilität der Eurozone.

Gewinnspiel

Wie hoch ist der von Premierminister Sébastien Lecornu angekündigte Konsolidierungsbedarf für Frankreichs Haushalt 2027?

A: 24 Milliarden Euro

B: 38 Milliarden Euro

C: 54 Milliarden Euro

D: 75 Milliarden Euro

https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen

Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.