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Berlin wählt stärker als 2023: Wahlbeteiligung steigt deutlich

Bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl zeichnet sich eine höhere Beteiligung ab. Um 12 Uhr lag sie bei 27,9 Prozent – 4,5 Punkte über dem Wert von 2023.

Fakten im Überblick

Bis 12.00 Uhr lag die Wahlbeteiligung unter Berücksichtigung der ausgestellten Wahlscheine bei 27,9 Prozent – 2023 waren es zu diesem Zeitpunkt 23,4 Prozent.

Rund 2,5 Millionen Menschen sind zur Wahl des neuen Berliner Abgeordnetenhauses aufgerufen, erstmals dürfen auch 16- und 17-Jährige teilnehmen.

Die letzte ZDF-Projektion vor der Wahl sah die Linke bei 22 Prozent und die CDU bei 20 Prozent; solche Projektionswerte sind keine Vorhersage des Wahlergebnisses.

Berlin erlebt einen Wahlsonntag mit deutlich stärkerer Beteiligung als vor dreieinhalb Jahren. Bis 12.00 Uhr hatten 448.072 Wahlberechtigte ihre Stimme direkt in einem der 2542 Wahllokale abgegeben. Unter Berücksichtigung der ausgestellten Wahlscheine entsprach dies nach Angaben des Landeswahlleiters einer Beteiligung von 27,9 Prozent. Bei der Wiederholungswahl 2023 waren es zum gleichen Zeitpunkt 23,4 Prozent gewesen. Damit lag der Wert am Mittag 4,5 Prozentpunkte höher. Besonders hoch war die Beteiligung zu diesem Zeitpunkt in Treptow-Köpenick mit 30,5 Prozent, am niedrigsten in Mitte mit 24,8 Prozent.

Im weiteren Tagesverlauf verstärkte sich dieser Trend sogar. Bis 16.00 Uhr hatten 952.936 Menschen in den Wahllokalen abgestimmt. Unter Einbeziehung der ausgestellten Wahlscheine bezifferte der Landeswahlleiter die Beteiligung zu diesem Zeitpunkt auf 58,2 Prozent. 2023 waren es um 16.00 Uhr 48,8 Prozent gewesen – ein Unterschied von 9,4 Prozentpunkten. Die höchste Beteiligung meldete nun Steglitz-Zehlendorf mit 61,4 Prozent, während Spandau und Neukölln mit jeweils 54,4 Prozent die niedrigsten Werte aufwiesen. Die endgültige Wahlbeteiligung steht erst nach Abschluss der Wahl und Auszählung fest.

Insgesamt sind rund zweieinhalb Millionen Menschen aufgerufen, über die Zusammensetzung des 20. Berliner Abgeordnetenhauses zu entscheiden. Eine wichtige Neuerung betrifft junge Berlinerinnen und Berliner: Erstmals liegt das Mindestalter bei einer Abgeordnetenhauswahl bei 16 statt 18 Jahren. Auch der Stimmzettel wurde verändert. Erst- und Zweitstimme werden bei der Landeswahl nun auf einem gemeinsamen Stimmzettel abgegeben. Gleichzeitig spielt die Briefwahl eine erhebliche Rolle: Nach den vor dem Wahltag veröffentlichten Angaben waren mehr als 800.000 Wahlscheine ausgestellt worden.

Besondere Aufmerksamkeit gilt auch deshalb dem organisatorischen Ablauf, weil Berlin mit der Wahl von 2021 schlechte Erfahrungen gemacht hatte. Damals führten zahlreiche Pannen unter anderem zu fehlenden Stimmzetteln und zeitweise geschlossenen Wahllokalen. Die Wahl zum Abgeordnetenhaus musste deshalb im Februar 2023 wiederholt werden. Der aktuelle Wahlsonntag verlief nach den Angaben aus der AFP-Meldung dagegen zunächst „völlig störungsfrei“. Zwar wurden vor Wahlbeginn Sachbeschädigungen an einzelnen Wahllokalen gemeldet, darunter ein zugeklebtes Schloss in Schöneberg, doch das betroffene Wahllokal konnte rechtzeitig öffnen.

Politisch blickt Berlin auf ein enges Feld. Die letzte Projektion der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF sah die Linke bei 22 Prozent und die CDU bei 20 Prozent. Die AfD wurde bei 18 Prozent, die Grünen bei 15 Prozent und die SPD bei zwölf Prozent gesehen. Das BSW kam auf vier Prozent. Die Werte beruhen auf Befragungen und sind ausdrücklich keine Prognose für das Wahlergebnis. Welche Parteien tatsächlich wie stark im neuen Abgeordnetenhaus vertreten sein werden, entscheidet allein die Auszählung.

Derzeit wird Berlin von CDU und SPD regiert. Der bisherige Regierende Bürgermeister Kai Wegner tritt nicht erneut als CDU-Spitzenkandidat an. Die Christdemokraten gehen mit Stefan Evers in die Wahl, für die Linke tritt Elif Eralp an. Die Grünen werden von Werner Graf angeführt, die SPD von Steffen Krach. Welche Mehrheiten nach der Wahl möglich sind, hängt nicht nur von den Ergebnissen der größeren Parteien ab. Besonders das Abschneiden des BSW und anderer kleinerer Parteien an der Fünfprozenthürde kann die Sitzverteilung und damit die rechnerischen Koalitionsmöglichkeiten beeinflussen.

Parallel zur Abgeordnetenhauswahl werden die zwölf Bezirksverordnetenversammlungen gewählt. Dort gelten andere Voraussetzungen: Für den Einzug gilt eine Drei-Prozent-Hürde, zudem dürfen wahlberechtigte Berlinerinnen und Berliner mit der Staatsangehörigkeit eines anderen EU-Mitgliedstaates an den BVV-Wahlen teilnehmen. Gleichzeitig wird in Mecklenburg-Vorpommern ein neuer Landtag gewählt. Damit richtet sich die bundespolitische Aufmerksamkeit an diesem Sonntag auf zwei Länder – während in Berlin zunächst entscheidend bleibt, wie die rund zweieinhalb Millionen Wahlberechtigten über die künftigen Kräfteverhältnisse in ihrer Stadt entscheiden.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Hohe Beteiligung verändert den Wahlabend

Eine höhere Wahlbeteiligung ist zunächst eine Zahl – und noch keine Aussage darüber, welche Partei davon profitiert. Aus der gestiegenen Beteiligung lässt sich seriös nicht ableiten, wie sich die zusätzlichen Stimmen politisch verteilen. Entscheidend bleibt deshalb die tatsächliche Auszählung.

Bemerkenswert ist dennoch die Größenordnung. Um 16.00 Uhr lag die Beteiligung unter Berücksichtigung der ausgestellten Wahlscheine 9,4 Prozentpunkte über dem Vergleichswert von 2023. Dazu kommt eine wichtige demokratische Veränderung: Erstmals dürfen 16- und 17-Jährige über die Zusammensetzung des Berliner Landesparlaments mitentscheiden.

Für den weiteren Wahlabend bedeutet das vor allem: Umfragewerte treten nun in den Hintergrund. Erst die ausgezählten Stimmen zeigen, wie das neue Abgeordnetenhaus zusammengesetzt sein wird und welche Mehrheiten rechnerisch möglich werden.

Historischer Hintergrund

Die Berliner Abgeordnetenhauswahl 2026 steht auch im Zeichen der Wahlpannen von 2021. Damals kam es am Wahltag zu erheblichen organisatorischen Problemen. Die Abstimmung zum Abgeordnetenhaus musste schließlich im Februar 2023 wiederholt werden.

2026 findet die Wahl wieder im regulären Rhythmus statt. Gewählt wird das 20. Abgeordnetenhaus von Berlin. Gleichzeitig stimmen die Berlinerinnen und Berliner über die Zusammensetzung der Bezirksverordnetenversammlungen ab.

Eine historische Änderung ist das abgesenkte Wahlalter. Bei der Abgeordnetenhauswahl dürfen erstmals Deutsche ab 16 Jahren ihre Stimme abgeben. Zusätzlich werden Erst- und Zweitstimme erstmals auf einem gemeinsamen Stimmzettel abgegeben.

Zukunftsprognose

Nach Schließung der Wahllokale um 18.00 Uhr richtet sich der Blick auf die Auszählung. Erst danach lässt sich feststellen, welche Parteien im neuen Abgeordnetenhaus vertreten sind und welche rechnerischen Regierungsmehrheiten bestehen. Die letzte ZDF-Projektion hatte sowohl für ein Bündnis aus Linken, Grünen und SPD als auch für eine Kombination aus CDU, Grünen und SPD rechnerische Mehrheiten ergeben. Ob solche Konstellationen nach dem tatsächlichen Ergebnis möglich sind, bleibt bis zur Auszählung offen.

Bundespolitisch werden die Parteien die Ergebnisse in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern analysieren. Welche konkreten Konsequenzen daraus entstehen, lässt sich vor den endgültigen Resultaten nicht belastbar beurteilen.

Für Aktien, Rohstoffe und Währungen sind unmittelbar keine erheblichen Auswirkungen einer Berliner Landeswahl zu erwarten. Wirtschaftspolitische Entscheidungen eines neuen Senats können langfristig jedoch für Immobilienwirtschaft, Bauunternehmen, Energieversorgung, Verkehr und Investitionen in der Hauptstadt relevant werden.

Was ist das Berliner Abgeordnetenhaus?

Das Abgeordnetenhaus ist das Landesparlament des Stadtstaates Berlin. Es beschließt Landesgesetze und den Haushalt, kontrolliert den Senat und wählt den Regierenden Bürgermeister beziehungsweise die Regierende Bürgermeisterin.

Warum dürfen erstmals 16-Jährige wählen?

Berlin hat das Mindestwahlalter für die Abgeordnetenhauswahl von 18 auf 16 Jahre gesenkt. Dadurch können 16- und 17-Jährige 2026 erstmals an der Wahl des Landesparlaments teilnehmen.

Was bedeutet die hohe Zahl der Briefwahlscheine?

Ausgestellte Wahlscheine ermöglichen insbesondere die Teilnahme per Briefwahl. Sie bedeuten allerdings nicht automatisch, dass sämtliche ausgegebenen Unterlagen tatsächlich zurückgeschickt und als gültige Stimmen gezählt werden. Deshalb steht die endgültige Wahlbeteiligung erst nach Abschluss des Wahlvorgangs fest.

Was sind Bezirksverordnetenversammlungen?

Die Bezirksverordnetenversammlungen, kurz BVV, sind die parlamentarischen Vertretungen der zwölf Berliner Bezirke. Für sie gilt eine Drei-Prozent-Hürde. An diesen Wahlen können unter den gesetzlichen Voraussetzungen auch Bürger anderer EU-Staaten teilnehmen.

OZD-Extra – Am Nachmittag wächst der Abstand zu 2023

Der spannendste Wert des Tages ist nicht nur die Wahlbeteiligung selbst, sondern ihre Entwicklung. Mittags betrug der Vorsprung gegenüber 2023 noch 4,5 Prozentpunkte. Bis 16.00 Uhr war er auf 9,4 Prozentpunkte angewachsen: 58,2 Prozent gegenüber 48,8 Prozent beim Vergleichstermin 2023.

Politische Rückschlüsse auf einzelne Parteien lassen sich daraus nicht ziehen. Klar ist lediglich: Bis zum Nachmittag beteiligten sich deutlich mehr Wahlberechtigte am Berliner Wahlgeschehen als beim entsprechenden Zwischenstand vor dreieinhalb Jahren.

Gewinnspiel

Wie hoch lag die Berliner Wahlbeteiligung am Sonntag um 16.00 Uhr unter Berücksichtigung der ausgestellten Wahlscheine?

A: 48,8 Prozent
B: 52,4 Prozent
C: 58,2 Prozent
D: 61,4 Prozent

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.