Fakten im Überblick
Israels Präsident Isaac Herzog will fünf israelische Passagiere mit einer Auszeichnung für zivilen Heldenmut ehren.
Der Copilot soll den Kapitän angegriffen und die Maschine in einen dramatischen Sinkflug gebracht haben.
Der Flydubai-Flug von Dubai nach Tel Aviv landete schließlich sicher im saudiarabischen Tabuk.
Es waren Minuten, in denen aus einem gewöhnlichen Linienflug eine lebensgefährliche Ausnahmesituation wurde. Nun sollen fünf israelische Passagiere für ihr Eingreifen an Bord des Flydubai-Flugs FZ1073 von Dubai nach Tel Aviv ausgezeichnet werden. Israels Präsident Isaac Herzog würdigte ihren Mut und erklärte, sie hätten sich selbst in Gefahr gebracht, um andere Menschen zu retten und eine Katastrophe zu verhindern. Ursprünglich hatte Herzogs Büro vier Auszeichnungen angekündigt, später wurde auch Tali Manes in die Gruppe der Geehrten aufgenommen.
Der dramatische Vorfall ereignete sich am Mittwoch auf dem Weg von den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Israel. Nach bisherigen Erkenntnissen griff der Copilot den indischen Kapitän Smit Machchhar im Cockpit mit einem Messer an. Die Maschine geriet anschließend in einen extrem schnellen Sinkflug. Reuters berichtet unter Berufung auf Flugdaten von einem Höhenverlust von fast 14.000 Fuß innerhalb von weniger als 30 Sekunden.
Trotz seiner schweren Verletzungen gelang es Machchhar nach Angaben israelischer Stellen, die Cockpittür zu öffnen. Damit konnten Passagiere und weitere Besatzungsmitglieder eingreifen. Yaniv Hayun, Tzvika Manes und Asaf Rajuan drangen ins Cockpit vor und überwältigten den Copiloten. Hayun half zudem dabei, die Kontrolle über die Maschine zu stabilisieren. Der Zahnarzt Shota Musayev versorgte währenddessen den schwer verletzten Kapitän medizinisch. Tali Manes soll die Unruhe im Cockpit als Erste bemerkt und andere Passagiere alarmiert haben.
Eine weitere mitreisende Crew übernahm schließlich das Flugzeug und brachte es sicher im saudiarabischen Tabuk zu Boden. Die Passagiere konnten später mit einer Ersatzmaschine ihre Reise nach Tel Aviv fortsetzen.
Der verletzte Kapitän wurde ebenfalls international für sein Verhalten gewürdigt. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu lobte Machchhar für seine außergewöhnliche Tapferkeit. Auch Indiens Premierminister Narendra Modi bezeichnete ihn als Helden. Nach Angaben der indischen Botschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten befindet sich der Pilot inzwischen auf dem Weg der Besserung.
Weiterhin offen ist dagegen die entscheidende Frage nach dem Motiv des Copiloten. Netanjahu erklärte, der Mann habe eine „radikale islamistische Indoktrination“ durchlaufen und beabsichtigt, das Flugzeug zum Absturz zu bringen. Diese Darstellung ist bislang eine Aussage des israelischen Regierungschefs und kein abschließend bestätigtes Ermittlungsergebnis. Behörden der Vereinigten Arabischen Emirate prüfen ausdrücklich, ob die Tat mit terroristischen Aktivitäten in Verbindung stand oder geplant beziehungsweise gesteuert wurde. Auch saudische Behörden sind an den Ermittlungen beteiligt.
Der Copilot, nach übereinstimmenden Berichten ein omanischer Staatsangehöriger, wurde nach dem Zwischenfall festgenommen. Seine Identität und sein genaues Motiv waren zunächst nicht öffentlich geklärt. Damit bleibt auch offen, wie es zu der Attacke im Cockpit kommen konnte und ob Sicherheitsmechanismen vor dem Flug versagt haben.
Der Fall hat deshalb über die spektakuläre Rettung hinaus eine internationale Debatte über die Sicherheit der zivilen Luftfahrt ausgelöst. Besonders die Frage, wie Fluggesellschaften ihre Cockpitbesatzungen überprüfen und welche Schutzmechanismen greifen können, wenn die Gefahr aus dem Cockpit selbst kommt, dürfte die Luftfahrtbehörden beschäftigen.
Auch politisch besitzt der Vorfall eine ungewöhnliche Dimension. Das Flugzeug musste ausgerechnet in Saudi-Arabien landen, einem Staat, der keine diplomatischen Beziehungen zu Israel unterhält. Die sichere Landung in Tabuk und die spätere Weiterreise der Passagiere machten deshalb kurzfristig eine Zusammenarbeit erforderlich, die im normalen Flugverkehr zwischen beiden Ländern nicht existiert.
Für Präsident Herzog steht zunächst jedoch das Verhalten der Menschen an Bord im Mittelpunkt. Die geplante Auszeichnung soll an jene erinnern, die in einer Situation extremer Gefahr nicht abwarteten, sondern handelten. Aus einem Flug, der innerhalb weniger Augenblicke in einer Katastrophe hätte enden können, wurde damit eine außergewöhnliche Geschichte über Mut, schnelle Entscheidungen und das Zusammenspiel von Passagieren und Besatzung.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Mut in einer Situation ohne Drehbuch
Was an Bord von Flug FZ1073 geschah, lässt sich kaum auf eine einzelne Heldentat reduzieren. Entscheidend war offenbar eine Kette von Handlungen: Ein schwer verletzter Kapitän kämpfte weiter, Passagiere griffen ein, ein Zahnarzt versorgte den Verletzten, eine Frau alarmierte andere Menschen und zusätzliche Piloten brachten die Maschine schließlich sicher zu Boden.
Dass Israel dieses Verhalten auszeichnet, ist nachvollziehbar. Gleichzeitig sollte die Bewunderung für die Rettung nicht dazu führen, den noch ungeklärten Teil des Falls vorschnell zu beantworten. Warum der Copilot handelte, ob es sich tatsächlich um einen terroristisch motivierten Anschlagsversuch handelte und wie er trotz aller Sicherheitsvorkehrungen eine solche Situation auslösen konnte, müssen die Ermittlungen klären.
Der Vorfall dürfte deshalb Folgen haben, die weit über die Ehrung der Passagiere hinausreichen. Internationale Fluggesellschaften und Behörden werden sich mit der Frage beschäftigen müssen, ob bestehende Sicherheits- und Kontrollverfahren für Cockpitbesatzungen ausreichen.
Historischer Hintergrund
Angriffe und Entführungen im internationalen Luftverkehr haben über Jahrzehnte zu immer strengeren Sicherheitsmaßnahmen geführt. Besonders Flüge mit Bezug zu Israel unterliegen aufgrund früherer Anschläge und Entführungen hohen Sicherheitsstandards.
Der aktuelle Flydubai-Fall unterscheidet sich jedoch in einem entscheidenden Punkt von klassischen Flugzeugentführungen: Nach dem bisherigen Ermittlungsstand ging die unmittelbare Gefahr von einem Mitglied der Cockpitbesatzung aus. Genau dieser Umstand könnte für die internationale Luftfahrtsicherheit besonders relevant werden.
Auch die Landung in Saudi-Arabien ist politisch bemerkenswert. Saudi-Arabien und Israel unterhalten keine diplomatischen Beziehungen. Dass ein Flug nach Tel Aviv in einer akuten Notlage in Tabuk landen konnte, zeigt zugleich, dass bei unmittelbarer Gefahr für Menschenleben praktische Zusammenarbeit möglich ist.
Zukunftsprognose
Kurzfristig werden sich die Ermittlungen auf das Motiv des Copiloten, seine Vorgeschichte und mögliche Sicherheitslücken konzentrieren. Die Vereinigten Arabischen Emirate prüfen ausdrücklich auch einen möglichen terroristischen Hintergrund. Solange diese Untersuchungen nicht abgeschlossen sind, bleiben weitergehende Aussagen über Motiv und mögliche Hintermänner Spekulation.
Für die Luftfahrtbranche könnte der Vorfall eine Überprüfung bestehender Sicherheitskonzepte auslösen. Dabei dürfte es nicht nur um den Zugang zum Cockpit gehen, sondern auch um Auswahl, Überprüfung und laufende Sicherheitskontrollen von Besatzungsmitgliedern.
Flydubai hat seine Verbindungen nach Israel nach dem Vorfall zunächst ausgesetzt. Wie lange diese Unterbrechung dauert und welche zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen folgen, dürfte auch vom Ergebnis der Ermittlungen abhängen.
Was ist Flydubai?
Flydubai ist eine Fluggesellschaft aus Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Sie betreibt ein internationales Streckennetz und verbindet Dubai unter anderem mit Zielen im Nahen Osten, Europa, Afrika und Asien.
Was ist die israelische Auszeichnung für zivilen Heldenmut?
Der Presidential Award for Civilian Heroism ist eine vergleichsweise neue israelische Auszeichnung. Präsident Isaac Herzog führte sie nach dem Hamas-geführten Angriff vom 7. Oktober 2023 ein. Sie würdigt Zivilisten, die unter außergewöhnlichen Umständen besonderen Mut zeigen.
OZD-Extra – Wissen aus einer TV-Serie half im Cockpit
Eine ungewöhnliche Einzelheit macht die Geschichte noch bemerkenswerter: Yaniv Hayun erklärte später, sein Wissen darüber, wie er zur Stabilisierung des Flugzeugs beitragen konnte, habe er aus der Fernsehsendung „Air Crash Investigation“. Gemeinsam mit anderen Passagieren gelang es ihm, den Angreifer zu überwältigen und in den entscheidenden Augenblicken im Cockpit zu helfen.
Gewinnspiel
In welcher saudiarabischen Stadt musste der Flydubai-Flug notlanden?
A: Riad
B: Dschidda
C: Tabuk
D: Medina
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.