Fakten im Überblick
Lars Castellucci fordert weltweit die Abschaffung der Todesstrafe.
2025 wurden mit mindestens 2.707 Exekutionen weltweit die meisten seit 1981 verzeichnet.
Libanon hat als erster Staat im Nahen Osten die Todesstrafe abgeschafft.
Zum Welttag gegen die Todesstrafe hat der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Lars Castellucci, auf ein weltweites Ende von Hinrichtungen gedrungen. In einer Stellungnahme bezeichnet er die Todesstrafe als mit der Würde des Menschen unvereinbar, denn sie ist eine unmenschliche und besonders grausame Form der Bestrafung. Deutschland und alle anderen EU-Mitgliedstaaten lehnten die Todesstrafe unter allen Umständen ab. Castellucci erläuterte, die Bundesregierung vertrete diese Position vehement in wichtigen internationalen Gremien wie der Generalversammlung oder dem Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen. Dabei kritisiere sie auch enge Partner, wenn sie die Todesstrafe beibehalten.
Im Blickpunkt steht aktuell die Zunahme von Exekutionen in den USA unter Präsident Donald Trump. Dort wurden 2025 insgesamt 47 Menschen hingerichtet – so viele wie seit 2009 nicht mehr. Bereits 30 Hinrichtungen wurden im laufenden Jahr vollstreckt. Für Aufregung sorgte die am Donnerstag von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth angekündigte, live zu übertragende Hinrichtung des Attentäters Nidal Hasan durch ein Erschießungskommando. Nach internationaler Kritik und Protesten in den Reihen der US-Demokraten und -Republikaner stellte Präsident Trump die Übertragung öffentlich in Frage. Castellucci äußerte sich nicht explizit zu diesen Vorgängen in den USA.
In seiner Erklärung hob Castellucci vor allem die hohe Zahl bekannter Hinrichtungen im Iran hervor. Laut Castellucci nutzt die Führung in Teheran Exekutionen als zynisches Instrument der Abschreckung gegenüber Protestierenden und Aktivisten. Besonders betroffen seien Angehörige ethnischer Gruppen wie Balutschen, Kurden und afghanische Staatsangehörige. Er betonte aber auch, dass immer weniger Staaten die Todesstrafe anwenden. Laut Amnesty International führten seit 2018 jährlich weniger als 20 Staaten Hinrichtungen durch, 2025 waren es nur noch 17. Die Anzahl der Hinrichtungen weltweit ist allerdings alarmierend hoch: Mit mindestens 2.707 hingerichteten Personen gab es 2025 den höchsten Stand seit 1981.
Eine positive Entwicklung nannte Castellucci den Libanon, dem ersten Staat im Nahen Osten, der diesen Schritt vollzogen hat. Das Parlament in Beirut habe damit einen wichtigen Schritt für den Schutz des Rechts auf Leben und der Menschenrechte getan, sagte er. Castellucci gratulierte dem Land zu diesem wichtigen Meilenstein.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Moralischer Fortschritt ist ein mühsamer Prozess
Die Bundesregierung bleibt konsequent in ihrer Ablehnung der Todesstrafe und tritt weltweit für deren Abschaffung ein. Die aktuellen Fälle in den USA und die anhaltend hohe Zahl von Hinrichtungen im Iran zeigen jedoch, wie hartnäckig sich diese Praxis hält. Internationale Appelle, auch wenn sie stets aufs Neue wiederholt werden, erzielen Fortschritte nur in kleinen Schritten. Dennoch: Jeder Staat, der auf die Todesstrafe verzichtet, ist ein Gewinn für die Menschlichkeit. Auch wenn die Abschaffung noch lange nicht überall erreicht ist, gibt die Entwicklung im Libanon Hoffnung. Es bleibt realistisch zu erwarten, dass der Weg zur weltweiten Abschaffung weiterhin lang und steinig sein wird – aber das Ringen um das Recht auf Leben wird international immer lauter geführt werden.
Historischer Hintergrund
Die Debatte um die Todesstrafe wird international seit Jahrzehnten geführt. Deutschland und die Europäische Union verweigern sie seit Langem explizit und setzen sich in globalen Gremien gegen ihre Anwendung ein. Statistiken von Amnesty International belegen, dass die Zahl der Länder mit Hinrichtungen im internationalen Vergleich rückläufig ist. In den Vereinigten Staaten bleibt die Lage kontrovers, im Iran werden weiterhin besonders viele Todesurteile vollstreckt. Der Libanon hat 2025 als erster Staat im Nahen Osten die Abschaffung beschlossen.
Zukunftsprognose
Internationaler und europäischer Druck auf Staaten mit Todesstrafe dürfte wachsen. In einigen Ländern sind Aussetzungen oder Reformen künftig möglich, in anderen wird der Meinungsumschwung wohl noch Zeit brauchen. Die gesellschaftliche Debatte über Gerechtigkeit, Menschenrechte und Abschreckung wird weitergehen. Es ist wahrscheinlich, dass sich die Staaten weltweit nicht gleichzeitig, aber schrittweise von der Todesstrafe abwenden.
Erklärungen
Was ist der Welttag gegen die Todesstrafe
Der Welttag gegen die Todesstrafe macht auf die Folgen und die weltweiten Entwicklungen bei Exekutionen aufmerksam. Er soll zur Abschaffung beitragen.
Wer ist Lars Castellucci
Lars Castellucci ist der SPD-Menschenrechtsbeauftragte und setzt sich in der Bundesregierung für Fragen des internationalen Menschenrechtsschutzes ein.
OZD-Extras
Der Libanon hat 2025 als erstes Land im Nahen Osten die Todesstrafe abgeschafft – ein historischer Schritt in einer von Instabilität geprägten Region.
Die Diskussion um die Todesstrafe betrifft die internationale Wahrnehmung der USA und Irans besonders stark. Nachweisbare Auswirkungen auf Börsen oder Währungsmärkte bestehen beim Thema Todesstrafe bisher nicht.
Gewinnspiel
Welche Organisation veröffentlicht jährlich Zahlen zu weltweiten Hinrichtungen?
A) Amnesty International
B) UNESCO
C) Greenpeace
D) Oxfam
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.