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Israel startet Großoffensive im Westjordanland – Netanjahu ordnet Abriegelung nach tödlichem Angriff an

Nach dem Tod zweier israelischer Soldaten startet Israel eine großangelegte Militäroperation im Westjordanland. Netanjahu kündigt ein weitreichendes Vorgehen an.

Fakten im Überblick

Bei einem bewaffneten Angriff auf einen israelischen Kontrollpunkt nahe Hebron wurden am Freitag zwei israelische Soldaten im Alter von 20 und 23 Jahren getötet und drei weitere verletzt. Die beiden Angreifer wurden nach Angaben der israelischen Armee erschossen.

Die israelische Armee und der Inlandsgeheimdienst Shin Bet haben daraufhin eine großangelegte Militäroperation an Dutzenden Orten im besetzten Westjordanland begonnen. Die Einsätze sollen mehrere Tage dauern.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ordnete nach dem Angriff eine vollständige Abriegelung des Palästinensergebiets an. Die Eskalation fällt in die Tage vor der israelischen Parlamentswahl am Dienstag.

Die israelische Armee hat nach einem tödlichen Angriff auf Soldaten nahe Hebron eine großangelegte Militäroperation im besetzten Westjordanland begonnen. Bei dem Angriff am Freitagmorgen wurden nach Angaben der israelischen Streitkräfte zwei Soldaten im Alter von 20 und 23 Jahren getötet und drei weitere verletzt. Die beiden bewaffneten Angreifer wurden von israelischen Sicherheitskräften erschossen. Wenige Stunden später kündigten die Armee und der israelische Inlandsgeheimdienst Shin Bet gemeinsame Einsätze an zahlreichen Orten im Westjordanland an. In einer Erklärung bezeichneten die Sicherheitsbehörden das Vorgehen als „Anti-Terror-Einsätze“. Ziel sei es, mutmaßliche terroristische Infrastruktur aufzuspüren und zu zerstören. Die Operation soll nach den Angaben der Sicherheitskräfte voraussichtlich mehrere Tage andauern. Damit verschärft sich die ohnehin angespannte Sicherheitslage in dem seit 1967 von Israel besetzten Gebiet erneut.

Auslöser der Militäroperation war ein Schusswaffenangriff auf einen israelischen Kontrollpunkt in der Nähe der Stadt Hebron. Nach Darstellung der israelischen Armee eröffneten zwei bewaffnete Palästinenser mit einer Pistole und einem automatischen Gewehr das Feuer auf die dort stationierten Soldaten. Zwei Soldaten wurden tödlich getroffen, drei weitere erlitten Verletzungen. Die Angreifer wurden anschließend erschossen. Die palästinensische Hamas begrüßte den Angriff in einer Erklärung als „heldenhafte Operation“, übernahm jedoch keine Verantwortung für dessen Durchführung. Wer die beiden Angreifer waren, ob sie einer bestimmten Organisation angehörten und ob weitere Personen an der Vorbereitung beteiligt waren, geht aus den vorliegenden Informationen nicht hervor. Die israelischen Sicherheitsbehörden leiteten nach dem Vorfall umfangreiche Maßnahmen ein.

Im Mittelpunkt der israelischen Einsätze steht insbesondere der Raum Hebron im südlichen Westjordanland. Dort durchsuchten Sicherheitskräfte nach eigenen Angaben verschiedene Ziele und befragten Verdächtige. Armee und Shin Bet erklärten, sie wollten „terroristische Infrastruktur lokalisieren und zerschlagen“. Zudem wurden nach Angaben der Sicherheitsbehörden Gebäude und andere Strukturen abgerissen, die sie als illegal einstuften und von denen nach ihrer Einschätzung eine mögliche Sicherheitsbedrohung ausgehen könnte. Unabhängige Angaben über die Zahl der betroffenen Gebäude, mögliche Festnahmen oder Auswirkungen auf die palästinensische Zivilbevölkerung lagen in der Meldung zunächst nicht vor. Auch das genaue Ausmaß der Militäroperation lässt sich auf Grundlage der bisherigen Angaben noch nicht abschließend beurteilen.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu reagierte auf den tödlichen Angriff mit der Anordnung einer „vollständigen Abriegelung“ des Palästinensergebiets. Zudem stellte er eine Militäroffensive in Aussicht, wie es sie nach seiner Darstellung seit dem Sechstagekrieg im Jahr 1967 nicht gegeben habe. Die Ankündigung deutet auf ein besonders weitreichendes militärisches Vorgehen hin. Welche konkreten zusätzlichen Maßnahmen damit verbunden sein sollen, wurde in den vorliegenden Angaben jedoch nicht näher erläutert. Eine Abriegelung kann erhebliche Auswirkungen auf die Bewegungsfreiheit der palästinensischen Bevölkerung sowie auf den Zugang zu Arbeitsplätzen, medizinischer Versorgung und anderen wichtigen Einrichtungen haben. In welchem Umfang solche Einschränkungen tatsächlich umgesetzt werden, hängt von den konkreten Anordnungen und ihrer Dauer ab.

Innerhalb der israelischen Regierung wurden zugleich Forderungen nach einer weiteren Ausweitung der Militäroperation laut. Der rechtsextreme Finanzminister Bezalel Smotrich verlangte ein Vorgehen im Westjordanland „genau wie im Gazastreifen“. Seine Forderung unterstreicht die unterschiedlichen politischen Positionen und sicherheitspolitischen Vorstellungen innerhalb der israelischen Regierung. Sie fällt zudem in eine innenpolitisch besonders sensible Phase: Am kommenden Dienstag soll in Israel ein neues Parlament gewählt werden. Netanjahu strebt eine weitere Amtszeit an. Welche Auswirkungen die jüngste Eskalation auf den Wahlkampf und die politischen Debatten hat, lässt sich aus der vorliegenden Meldung nicht ableiten. Fest steht jedoch, dass die Sicherheitslage im Westjordanland unmittelbar vor der Wahl erneut in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit rückt.

Die Stadt Hebron gehört seit Jahrzehnten zu den besonders konfliktbelasteten Orten im Westjordanland. Sie ist in einen palästinensisch verwalteten Bereich und einen unter israelischer Militärkontrolle stehenden Teil aufgeteilt, in dem auch israelische Siedler leben. Das Westjordanland steht seit dem Sechstagekrieg von 1967 unter israelischer Besatzung. In dem Gebiet leben rund drei Millionen Palästinenser sowie mehr als 500.000 israelische Siedler. Die israelischen Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten gelten nach überwiegender völkerrechtlicher Auffassung als illegal. Israel bestreitet Teile dieser rechtlichen Bewertung. Zuletzt hatten Angriffe israelischer Siedler auf palästinensische Olivenbauern die Spannungen zusätzlich verschärft. Die aktuelle Militäroperation trifft damit auf eine Region, in der sich politische, territoriale und sicherheitspolitische Konflikte seit Jahrzehnten überlagern.

Seit dem Hamas-Großangriff auf Israel am 7. Oktober 2023 hat sich die Gewalt auch im Westjordanland deutlich verschärft. Nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP auf Grundlage palästinensischer Gesundheitsdaten wurden seitdem mindestens 1113 Palästinenser im Westjordanland getötet, die meisten von ihnen durch israelische Soldaten. Nach Angaben der Vereinten Nationen befanden sich unter den Getöteten 37 Menschen, die durch israelische Siedler ums Leben kamen. Israelischen Angaben zufolge wurden im selben Zeitraum mindestens 49 Israelis getötet. Die Zahlen stammen aus unterschiedlichen Erfassungssystemen und beziehen sich auf die jeweils genannten Zeiträume und Kategorien. Sie verdeutlichen das erhebliche Ausmaß der Gewalt in der Region. Die nun begonnene Militäroperation könnte die Sicherheitslage weiter verändern. Ob sie zu einer dauerhaften Eindämmung bewaffneter Angriffe beiträgt oder neue Spannungen auslöst, bleibt offen.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Sicherheit und Schutz der Zivilbevölkerung müssen gemeinsam betrachtet werden

Der tödliche Angriff auf israelische Soldaten nahe Hebron ist ein schwerwiegendes Gewaltverbrechen. Zwei junge Männer verloren ihr Leben, drei weitere wurden verletzt. Für die betroffenen Familien und Angehörigen bedeutet der Angriff einen schweren Verlust. Die Verantwortung für die Tat und mögliche Hintergründe müssen sorgfältig aufgeklärt werden.

Die israelische Regierung begründet ihre anschließende Militäroperation mit der Bekämpfung terroristischer Infrastruktur. Staaten haben die Aufgabe, Menschen vor bewaffneten Angriffen zu schützen. Gleichzeitig sind militärische Maßnahmen auch in einer angespannten Sicherheitslage an das humanitäre Völkerrecht und andere einschlägige rechtliche Verpflichtungen gebunden.

Besonders kritisch zu beobachten sind deshalb die angekündigte vollständige Abriegelung und die Zerstörung von Gebäuden. Solche Maßnahmen können weitreichende Folgen für Menschen haben, die an dem ursprünglichen Angriff nicht beteiligt waren. Ihre Rechtmäßigkeit hängt von den konkreten Umständen und der jeweiligen Durchführung ab.

Die Situation im Westjordanland lässt sich zudem nicht allein auf den jüngsten Angriff reduzieren. Die langjährige Besatzung, die israelischen Siedlungen, Gewalt durch bewaffnete palästinensische Gruppen und Angriffe von Siedlern auf palästinensische Bewohner bilden einen komplexen Konflikthintergrund.

Eine dauerhafte Verbesserung der Sicherheitslage erfordert neben dem Schutz vor bewaffneten Angriffen auch den Schutz der Zivilbevölkerung, die Einhaltung des Völkerrechts und politische Perspektiven für die betroffenen Menschen. Welche Folgen die aktuelle Offensive haben wird, muss anhand ihres tatsächlichen Verlaufs beurteilt werden.

Historischer Hintergrund

Das Westjordanland wurde während des Sechstagekrieges im Juni 1967 von Israel besetzt. Zuvor hatte das Gebiet unter jordanischer Kontrolle gestanden. Der Krieg veränderte die politische und territoriale Situation im Nahen Osten grundlegend und prägt den israelisch-palästinensischen Konflikt bis heute.

In den folgenden Jahrzehnten entstanden im Westjordanland zahlreiche israelische Siedlungen. Die Vereinten Nationen und der Internationale Gerichtshof betrachten die israelische Siedlungspolitik in den besetzten palästinensischen Gebieten als völkerrechtswidrig. Israel weist diese Bewertung zurück beziehungsweise vertritt abweichende rechtliche Positionen.

Mit den Oslo-Abkommen in den 1990er-Jahren wurde eine begrenzte palästinensische Selbstverwaltung eingerichtet. Das Westjordanland wurde in verschiedene Verwaltungs- und Sicherheitszonen unterteilt. Die Regelungen sollten ursprünglich Teil eines weiterführenden Friedensprozesses sein.

Hebron erhielt durch besondere Vereinbarungen eine eigene Aufteilung. Ein größerer Teil der Stadt steht unter palästinensischer Verwaltung, während Israel in einem weiteren Teil die Sicherheitskontrolle ausübt. Die räumliche Nähe zwischen palästinensischen Bewohnern, israelischen Siedlern und Sicherheitskräften führt dort regelmäßig zu Spannungen.

Nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 und dem anschließenden Krieg im Gazastreifen nahm auch die Gewalt im Westjordanland deutlich zu. Militärische Einsätze, bewaffnete Angriffe, Festnahmen und Gewalt durch Siedler verschärften die Lage zusätzlich.

Zukunftsprognose

Nach Angaben der israelischen Sicherheitsbehörden soll die aktuelle Militäroperation mehrere Tage dauern. Ob sie anschließend beendet, verlängert oder räumlich ausgeweitet wird, ist bislang nicht bekannt.

Die angekündigte Abriegelung könnte insbesondere für die palästinensische Bevölkerung erhebliche praktische Auswirkungen haben. Wie stark der Alltag, die medizinische Versorgung und die wirtschaftlichen Aktivitäten betroffen sein werden, hängt von Umfang und Dauer der Maßnahmen ab.

Auch die politische Entwicklung in Israel bleibt von Bedeutung. Die angekündigte Parlamentswahl am Dienstag fällt in eine Phase erhöhter Sicherheitsanspannung. Welche Rolle die Ereignisse im Westjordanland im weiteren politischen Prozess spielen werden, ist offen.

Für die internationale Gemeinschaft wird entscheidend sein, den Verlauf der Operation, die Einhaltung des Völkerrechts und mögliche Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung zu beobachten. Ob sich die Sicherheitslage nach Abschluss der Einsätze stabilisiert, lässt sich derzeit nicht zuverlässig vorhersagen.

Warum hat Israel eine Großoffensive im Westjordanland gestartet?

Auslöser war ein bewaffneter Angriff auf einen israelischen Kontrollpunkt nahe Hebron. Dabei wurden nach Angaben der israelischen Armee zwei Soldaten getötet und drei weitere verletzt. Die israelischen Sicherheitskräfte erklärten, mit ihrer Operation mutmaßliche terroristische Infrastruktur aufspüren und zerstören zu wollen.

Wie viele Menschen wurden bei dem Angriff nahe Hebron getötet?

Nach Angaben der israelischen Armee starben zwei israelische Soldaten im Alter von 20 und 23 Jahren. Drei weitere Soldaten wurden verletzt. Die beiden bewaffneten Angreifer wurden ebenfalls erschossen.

Hat die Hamas die Verantwortung für den Angriff übernommen?

Nein. Die Hamas begrüßte den Angriff als „heldenhafte Operation“, bekannte sich nach den vorliegenden Informationen jedoch nicht zu dessen Durchführung.

Warum ist Hebron ein besonders konfliktbelasteter Ort?

Hebron ist zwischen einem palästinensisch verwalteten Bereich und einem unter israelischer Militärkontrolle stehenden Teil aufgeteilt. In der Stadt leben Palästinenser und israelische Siedler in räumlicher Nähe. Die unterschiedlichen Zuständigkeiten und der langjährige Konflikt führen immer wieder zu Spannungen.

OZD-Extra – Das Westjordanland: Besatzung, Siedlungen und eine geteilte Stadt

Das Westjordanland liegt westlich des Jordan und gehört zu den zentralen Gebieten des israelisch-palästinensischen Konflikts. Rund drei Millionen Palästinenser leben dort unter unterschiedlichen Verwaltungs- und Sicherheitsbedingungen. Hinzu kommen mehr als 500.000 israelische Siedler.

Die politische und administrative Situation des Gebietes ist komplex. Teile stehen unter palästinensischer Selbstverwaltung, während Israel in anderen Bereichen weitreichende zivile und militärische Kontrolle ausübt. Die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung wird unter anderem durch Kontrollpunkte und unterschiedliche Zugangsregelungen beeinflusst.

Hebron besitzt dabei eine besondere Bedeutung. Die Stadt ist sowohl für Muslime als auch für Juden religiös und historisch wichtig. Zugleich ist sie durch eine besondere Aufteilung der Sicherheitszuständigkeiten geprägt, die im Alltag immer wieder zu Konflikten führt.

Auch die israelische Siedlungspolitik ist ein zentraler Streitpunkt. Die internationale Staatengemeinschaft betrachtet die Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten überwiegend als Verstoß gegen das Völkerrecht. Die israelische Regierung vertritt hierzu abweichende Positionen.

Die jüngsten Angriffe auf palästinensische Olivenbauern zeigen, dass die Spannungen nicht allein durch militärische Auseinandersetzungen entstehen. Auch der Zugang zu landwirtschaftlichen Flächen, Eigentumsfragen und die Sicherheit der Bewohner spielen eine wichtige Rolle.

Vor diesem Hintergrund besitzt die aktuelle Militäroperation weitreichende Bedeutung. Sie betrifft nicht nur die unmittelbare Suche nach Verantwortlichen für den Angriff auf israelische Soldaten, sondern findet in einem Gebiet statt, dessen politische und rechtliche Zukunft seit Jahrzehnten ungeklärt ist.

Gewinnspiel

Seit welchem Jahr hält Israel das Westjordanland nach dem Sechstagekrieg besetzt?

A: 1948

B: 1967

C: 1973

D: 1993

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.