Fakten im Überblick
Erste Nachwahlbefragungen sehen den Oppositionsblock von Gadi Eisenkot mit 52 bis 53 Sitzen knapp vor dem Regierungslager.
Benjamin Netanjahus Bündnis kommt den Prognosen zufolge auf etwa 50 der insgesamt 120 Sitze in der Knesset.
Beide Lager verfehlen die absolute Mehrheit von 61 Sitzen, wodurch arabische Parteien bei der Regierungsbildung wichtig werden könnten.
Bei der Parlamentswahl in Israel liegt der Oppositionsblock um den Mitte-Rechts-Politiker Gadi Eisenkot nach ersten Prognosen knapp vor der bisherigen Regierungskoalition von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Nachwahlbefragungen mehrerer israelischer Fernsehsender sahen Eisenkots Bündnis am Dienstagabend bei 52 bis 53 Sitzen, während Netanjahus Lager auf rund 50 Sitze kam. Für eine absolute Mehrheit in der 120 Mitglieder zählenden Knesset sind 61 Mandate erforderlich.
Damit zeichnet sich trotz des Vorsprungs der Opposition kein eindeutiger Sieger ab. Weder Eisenkot noch Netanjahu verfügt nach den ersten Prognosen über einen klaren Weg zu einer eigenen Mehrheit. Die endgültige politische Entscheidung dürfte deshalb erst in Koalitionsverhandlungen fallen. Die ersten Zahlen beruhen auf Nachwahlbefragungen und sind noch kein amtliches Endergebnis.
Deutliche Zugewinne verzeichneten den Prognosen zufolge die arabischen Parteien. Die islamisch-konservative Raam-Partei wurde bei sieben Sitzen gesehen, die linksgerichtete Vereinigte Liste bei zehn bis elf Mandaten. Gemeinsam könnten diese Parteien entscheidend dafür werden, ob und unter welchen Bedingungen eines der größeren Lager eine parlamentarische Mehrheit erreicht.
Die Wahlbeteiligung fiel außergewöhnlich hoch aus. Bis 18.00 Uhr Ortszeit hatten nach Angaben der Zentralen Wahlkommission 66,7 Prozent der rund 7,3 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Dies war der höchste zu diesem Zeitpunkt gemessene Wert seit Beginn der entsprechenden Erhebungen im Jahr 1973. Die Abstimmung war Israels erste Parlamentswahl seit dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023.
Der Wahltag wurde zugleich von Vorwürfen möglicher Manipulation begleitet. Netanjahu beschuldigte die arabische Raam-Partei des Wahlbetrugs. Die Polizei berichtete von drei Festnahmen wegen des Verdachts der Stimmenbestechung, während die Wahlkommission von einem Einzelfall sprach. Einen Antrag der Likud-Partei auf verlängerte Öffnungszeiten der Wahllokale lehnte die Kommission ab.
Nach Auszählung der Stimmen wird Präsident Isaac Herzog die im Parlament vertretenen Parteien konsultieren und anschließend den Politiker mit der Regierungsbildung beauftragen, dem er die besten Erfolgsaussichten zuschreibt. Da keine Seite nach den ersten Prognosen 61 Sitze erreicht, könnten die Gespräche über eine neue Koalition mehrere Wochen dauern.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Ein Vorsprung ist noch keine Mehrheit
Die ersten Prognosen senden ein deutliches Signal, entscheiden aber noch nicht über Israels nächste Regierung. Eisenkots Opposition liegt knapp vorn, doch das stark zersplitterte Parlament macht kleinere Parteien zu möglichen Schlüsselfiguren. Zugleich erschweren politische Vorbehalte gegen eine Zusammenarbeit mit arabischen Parteien die Mehrheitsbildung. Entscheidend werden deshalb nicht allein die endgültigen Sitzzahlen, sondern die Bereitschaft zu Bündnissen und Kompromissen sein. Eine längere Phase politischer Unsicherheit ist realistisch.
Historischer Hintergrund
Israel besitzt ein Verhältniswahlsystem mit einer landesweiten Sperrklausel. Die 120 Sitze der Knesset werden proportional auf die Parteien verteilt, die genügend Stimmen erhalten. Weil bislang keine einzelne Partei allein eine absolute Mehrheit gewonnen hat, sind Koalitionsregierungen der Normalfall. Die Wahl 2026 ist besonders bedeutsam, weil sie die erste Parlamentswahl seit dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 und den folgenden regionalen Konflikten ist.
Zukunftsprognose
Das amtliche Ergebnis kann die Kräfteverhältnisse gegenüber den Nachwahlbefragungen noch verändern. Bleibt es bei einer Pattsituation, werden intensive Koalitionsverhandlungen erwartet. Arabische, religiöse und kleinere ideologisch geprägte Parteien könnten dabei entscheidenden Einfluss erhalten. Eine schnelle Regierungsbildung ist möglich, aber nach dem derzeitigen Stand nicht gesichert. Belastbare unmittelbare Auswirkungen auf Finanzmärkte lassen sich aus den ersten Prognosen nicht ableiten.
Wer ist Gadi Eisenkot?
Gadi Eisenkot ist ein israelischer Politiker und ehemaliger Generalstabschef der israelischen Armee. Er führt bei dieser Wahl einen zentralen Oppositionsblock gegen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu an.
Was ist die Knesset?
Die Knesset ist das israelische Parlament in Jerusalem. Sie hat 120 Abgeordnete. Für eine absolute Mehrheit und eine stabile Regierungskoalition werden mindestens 61 Sitze benötigt.
Was passiert nach der Wahl?
Nach dem endgültigen Wahlergebnis konsultiert Israels Präsident die Parteien. Danach beauftragt er einen Kandidaten mit der Regierungsbildung. Dieser muss eine Mehrheit in der Knesset organisieren.
OZD-Extra – Warum 61 Sitze entscheidend sind
Die Zahl 61 markiert die kleinstmögliche absolute Mehrheit in der Knesset. Schon wenige Mandate kleiner Parteien können deshalb darüber entscheiden, wer eine Regierung bilden kann. Ein relativer Vorsprung bei den Sitzen reicht nicht automatisch für das Amt des Ministerpräsidenten.
Gewinnspiel
Wie viele Sitze sind für eine absolute Mehrheit in der Knesset erforderlich?
A: 51 Sitze
B: 61 Sitze
C: 71 Sitze
D: 81 Sitze
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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.