Fakten im Überblick
Mindestens 14 Menschen wurden bei einem russischen Drohnenangriff in Dnipro getötet.
Am betroffenen Bahnsteig stand ein Zug in Richtung Saporischschja bereit.
Selenskyj rief nach dem Angriff die westlichen Partner zu härteren Sanktionen auf.
Das Zentrum von Dnipro im Südosten der Ukraine wurde am Donnerstag durch einen russischen Drohnenangriff erschüttert. Nach Angaben der lokalen Behörden schlug eine Drohne in einen Bahnsteig ein, an dem ein Zug in Richtung Saporischschja stand. Mindestens 14 Menschen verloren dabei ihr Leben, weitere 14 wurden verletzt. Unter den Schwerverletzten sind laut regionalen Behörden ein elfjähriger Junge und ein Mann, dem, so der Chef der Militärverwaltung Oleksandr Ganscha, „beide Beine amputiert wurden“. Die Bilder aus sozialen Netzwerken zeigen das Ausmaß der Zerstörung, während Rettungskräfte Schwerverletzte vom Bahnsteig bergen.
Präsident Wolodymyr Selenskyj nannte den Vorfall einen „schrecklichen“ Angriff und appellierte eindringlich an die westlichen Partner, ihre Unterstützung zu verstärken. Er forderte, bestehende Sanktionen gegen Russland keinesfalls zu lockern, solange der Krieg andauert. In Bezug auf die jüngsten Lockerungen bei Sanktionen gegen russische Diesellieferungen äußerte Selenskyj scharfe Kritik und fragte: „Wie viele solcher Terrorangriffe hat Russland gegen unser Volk verübt, seit Sanktionen gegen einige russische Oligarchen und den Energiesektor aufgehoben wurden, anstatt zu deeskalieren“. Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zeigte sich tief betroffen und warf Russland vor, durch Eskalation gezielt Zivilisten anzugreifen.
Die ukrainische Luftwaffe meldete, dass sie drei weitere Drohnen abfangen konnte. Doch eine vierte Drohne durchbrach die Verteidigung und traf den Bahnhof. Trotz des Luftalarms befanden sich laut Behörden weiterhin Menschen auf dem Bahnsteig, die der Angriff überraschte. Der staatliche Eisenbahnbetreiber erklärte, dass der Bahnverkehr seit Einstellung des zivilen Flugverkehrs eine zentrale Rolle für den Transport von Menschen und Gütern in der Ukraine spielt. Die Angriffe auf Bahnhöfe und Züge haben große Auswirkungen: Im September mussten aufgrund drohender Luftangriffe über 5800 Züge evakuiert werden. Neben dem Angriff in Dnipro soll es laut örtlichen Behörden weitere tödliche russische Angriffe in Krementschuk, Tschernihiw und in der Region Saporischschja gegeben haben.
Der Krieg belastet die ukrainische Bahninfrastruktur schwer und stellt die Bevölkerung vor tägliche Risiken. Staatliche Stellen und internationale Beobachter blicken mit Sorge auf die Angriffe, die gezielt Knotenpunkte des zivilen Lebens treffen.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Tödliche Angriffe dürfen keine Routine werden
Jeder neue Angriff auf die ukrainische Infrastruktur erinnert auf erschreckende Weise daran, wie gefährlich der Alltag für Zivilisten im Krieg geworden ist. Dass Bahnhöfe, ausgerechnet neuralgische Punkte für Flucht und Versorgung, gezielt getroffen werden, führt die Brutalität dieses Krieges vor Augen. Die aktuelle Eskalation demonstriert, dass Lockerungen von Sanktionen gegen Russland keine Entspannung bringen, sondern möglicherweise neue Angriffswellen begünstigen. Die politische Botschaft sollte klar sein: Solange Russland die ukrainische Bevölkerung militärisch bedroht, dürfen wirtschaftliche Interessen gegenüber Sanktionen nicht den Vorrang erhalten. Neue tödliche Angriffe dürfen keine Routine werden – internationale Solidarität und Druck bleiben unerlässlich. Sollte sich an dem Sanktionskurs nichts ändern, werden vermutlich weitere zivile Ziele gefährdet bleiben.
Historischer Hintergrund
Seit Beginn des russischen Angriffskrieges im Februar 2022 sind ukrainische Eisenbahninfrastruktur und Bahnhöfe immer wieder Ziel von Attacken. Besonders Bahnhöfe fungieren als lebenswichtige Schaltstellen für den Personen- und Güterverkehr, da der Flugverkehr wegen des Krieges eingestellt wurde. Die ukrainische Bahn ist somit für viele zur einzigen Verbindung in und aus den Städten geworden. Russland hat laut ukrainischen Angaben hunderte Lokomotiven zerstört und zahlreiche Passagiere sowie Bahnmitarbeiter getötet. Bereits im September mussten tausende Züge aus Sicherheitsgründen evakuiert werden.
Zukunftsprognose
Es ist zu erwarten, dass die ukrainische Regierung ihre Forderungen nach weiteren Sanktionen und Unterstützung aus dem Westen verstärken wird. Sollte es keine wirksame internationale Reaktion geben, könnten Angriffe auf zivile Infrastruktur, wie Bahnhöfe und Versorgungswege, weiterhin zunehmen. Wirtschaftlich bleibt das Eisenbahnnetz für die Ukraine überlebenswichtig, weshalb dessen Schutz in Zukunft noch mehr Priorität erhalten dürfte. Auf internationaler Ebene könnten neue Angriffe die Debatte über Sanktionen und Waffenhilfen anheizen.
Erklärungen
Was ist in Dnipro passiert?
Am Donnerstag wurde der Bahnhof von Dnipro in der Ukraine mit einer russischen Drohne angegriffen. Dabei starben mindestens 14 Menschen, viele weitere wurden verletzt.
Wer ist Wolodymyr Selenskyj?
Wolodymyr Selenskyj ist seit 2019 Präsident der Ukraine. Er ist ein zentraler Akteur bei der internationalen Kommunikation der Lage seines Landes.
OZD-Extras
Die wiederholten Angriffe auf Bahnanlagen gelten als Versuche Russlands, die Mobilität und Versorgung der ukrainischen Bevölkerung zu schwächen. Auswirkungen auf internationale Aktienmärkte sind aktuell nicht unmittelbar erkennbar, doch Energie- und Transportmärkte könnten bei anhaltenden Angriffen sensibler reagieren.
Gewinnspiel
Welcher ukrainische Präsident sprach nach dem Drohnenangriff in Dnipro von einem „schrecklichen“ Angriff?
A) Wolodymyr Selenskyj
B) Petro Poroschenko
C) Wiktor Janukowytsch
D) Leonid Kutschma
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.