Die schwedische Klima- und Menschenrechtsaktivistin Greta Thunberg hat ihre erneute Beteiligung an einer Gaza-Hilfsflotte vehement verteidigt. „Eine Mission wie diese sollte eigentlich nicht existieren“, sagte die 22-Jährige am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Sie sei dennoch notwendig, weil Regierungen versagt hätten, internationales Recht durchzusetzen, Kriegsverbrechen zu verhindern und Völkermord vorzubeugen. „Und damit verraten sie die Palästinenser, aber auch die gesamte Menschheit“, so Thunberg.
Die neue Hilfsflotte soll am Sonntag aus Barcelona in Richtung Gazastreifen aufbrechen. Organisiert wird sie von der unabhängigen Gruppe Global Sumud Flotilla, deren Name sich vom arabischen Wort für „Beharrlichkeit“ ableitet. Nach Angaben der Initiatoren handelt es sich um die bislang größte Solidaritätsmission: Mehr Boote und mehr Aktivisten als je zuvor sollen Hilfsgüter in das umkämpfte Palästinensergebiet bringen. Auch aus anderen Weltregionen sollen Schiffe hinzustoßen.
Das erklärte Ziel der Aktion sei die Eröffnung eines Hilfskorridors, um dringend benötigte Güter in den Gazastreifen zu bringen und auf die Folgen der israelischen Blo ckade aufmerksam zu machen. Der brasilianische Aktivist Thiago Avila sprach von einer „historischen Mission“.
Israel hatte im Juni und Juli bereits zwei ähnliche Flotten gestoppt, Besatzungen festgesetzt und die Schiffe beschlagnahmt. Auch Thunberg war damals beteiligt und von der israelischen Marine aufgegriffen worden.
Die UNO hatte erst am 22. August erklärt, im Gazastreifen herrsche eine Hungersnot. Sie warf Israel vor, Hilfslieferungen systematisch zu behindern. Israel wies die Vorwürfe empört zurück. Seit dem Hamas-Großangriff am 7. Oktober 2023, bei dem mehr als 1200 Menschen in Israel getötet wurden, führt das Land eine groß angelegte Militäroffensive. Nach Angaben der Hamas-Behörden kamen dabei über 63.000 Menschen ums Leben, die meisten von ihnen Zivilisten. Die Zahlen können nicht unabhängig überprüft werden, gelten aber als plausibel.
OZD
OZD-Kommentar
Greta Thunbergs Beteiligung an der Gaza-Hilfsflotte ist weit mehr als ein symbolischer Akt. Sie zwingt die Welt, über die humanitäre Katastrophe in Gaza zu sprechen – und das in einem Moment, in dem die politischen Eliten offenkundig versagen. Kritiker werfen ihr Naivität oder Selbstinszenierung vor, doch die härtere Wahrheit ist: Thunberg übernimmt Verantwortung, wo Staaten weggeschaut haben. Die wiederholte Abweisung der Hilfsflotten durch Israel zeigt die ganze Tragik – Hilfe für Zivilisten wird kriminalisiert, während Hunger und Elend ungebremst wachsen. Ob die neue Flotte durchkommt oder erneut gestoppt wird, ist ungewiss. Doch eines steht fest: Der Druck auf die Politik steigt, und Thunbergs Name verleiht der Forderung nach einem humanitären Korridor eine globale Wucht, die sich nicht mehr ignorieren lässt.
Lesermeinungen
„Ob man Greta mag oder nicht – sie macht auf ein humanitäres Drama aufmerksam, das viel zu lange ignoriert wurde.“ Gisela von Barberg
„Diese Flotte ist reine Symbolpolitik. Am Ende leiden die Menschen in Gaza weiter.“ Karl-Peter Berlin
„Israel hat das Recht auf Sicherheit, aber die Welt darf nicht zulassen, dass Kinder verhungern.“ Leon Heber, Essen
OZD-Analyse
Fakten
Start der Hilfsflotte: Sonntag aus Barcelona
Organisator: Global Sumud Flotilla
Teilnehmer: internationale Aktivisten, darunter Greta Thunberg
Ziel: humanitärer Korridor in den Gazastreifen
Israel stoppte bereits zwei ähnliche Missionen in diesem Jahr
Bewertung
a) Politische Dimension
– Symbolische Kraft durch Thunbergs Beteiligung.
– Druck auf westliche Regierungen, Stellung zu beziehen.
– Israel steht zunehmend in internationaler Kritik
b) Humanitäre Dimension
– UNO spricht offiziell von Hungersnot in Gaza.
– Über 63.000 Tote laut Hamas-Behörden seit Beginn des Krieges.
– Hilfslieferungen werden systematisch behindert.
c) Risiken
– Israel könnte die Flotte erneut stoppen, was zu neuen diplomatischen Spannungen führt.
– Eskalationspotenzial, wenn Aktivisten festgenommen werden.
– Gefahr der Instrumentalisierung durch politische Lager.
Ausblick
– Zunehmender internationaler Druck für einen humanitären Korridor.
– Stärkerer Fokus auf zivile Opfer im Gaza-Krieg.
– Thunberg könnte durch ihre Rolle als Aktivistin noch stärker in politische Konflikte geraten.
OZD-Erklärungen
Wer ist Greta Thunberg?
Greta Thunberg ist eine 2003 geborene schwedische Klima- und Menschenrechtsaktivistin. Bekannt wurde sie 2018 mit dem „Schulstreik fürs Klima“, aus dem die weltweite Bewegung Fridays for Fu ture entstand. Sie gilt als Symbolfigur im Kampf gegen den Klimawandel, hat mehrfach vor der UNO gesprochen und zahlreiche Auszeichnungen erhalten. In den vergangenen Jahren engagierte sie sich verstärkt auch bei Menschenrechts- und Friedensfragen, darunter für die Zivilbevölkerung in Gaza.
Was ist die Global Sumud Flotilla?
Die Global Sumud Flotilla ist ein internationaler Zusammenschluss von Aktivisten, der Hilfskorridore nach Gaza öffnen will. Der Begriff „Sumud“ bedeutet im Arabischen „Beharrlichkeit“. Die Organisation bezeichnet sich als unabhängig und organisiert Hilfsflotten mit humanitären Gütern. Ihr Ziel ist es, auf die Blokade des Gazastreifens durch Israel aufmerksam zu machen und Zivilisten Unterstützung zu bringen.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.