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Rodríguez übernimmt die Macht

Nach der spektakulären Festnahme Nicolás Maduros durch die USA übernimmt Delcy Rodríguez die Führung Venezuelas. Die Vereidigung markiert einen geopolitischen Wendepunkt mit ungewissem Ausgang.

Zwei Tage nach der Gefangennahme des venezolanischen Staatschefs hat Delcy Rodríguez offiziell die Amtsgeschäfte übernommen. Die bisherige Vizepräsidentin wurde am Montag im Parlament in Caracas als Interimspräsidentin vereidigt. Sie erklärte, sie lege den Amtseid „im Namen aller Venezolaner“ ab, und verurteilte erneut die „Entführung“ von Nicolás Maduro und dessen Ehefrau Cilia Flores, die von den USA als „Geiseln“ festgehalten würden.

Die USA hatten in der Nacht zum Samstag einen groß angelegten Militäreinsatz gegen Venezuela durchgeführt und Maduro sowie Flores festgenommen. Dem langjährigen linksgerichteten Staatschef soll in New York wegen „Drogenterrorismus“ der Prozess gemacht werden. Bei einem ersten Gerichtstermin am Montag plädierten beide auf nicht schuldig.

Nach der Festnahme setzte das Oberste Gericht Venezuelas Rodríguez zunächst für 90 Tage als Übergangspräsidentin ein. Die Armee, die als Machtfaktor im Land gilt und Maduro bislang loyal gegenüberstand, stellte sich demonstrativ hinter Rodríguez und rief zur Ruhe auf.

Washington signalisierte grundsätzlich Gesprächsbereitschaft, verband diese jedoch mit massiven Drohungen. US-Präsident Donald Trump erklärte, Rodríguez müsse „das Richtige tun“, andernfalls werde sie „einen sehr hohen Preis zahlen“. Trump forderte zugleich „totalen Zugang“ zu zentralen Ressourcen des Landes, insbesondere zum Erdöl.

Rodríguez reagierte am späten Sonntagabend mit vorsichtigen Öffnungssignalen. Nach ihrer ersten Kabinettssitzung sprach sie von dem Wunsch nach einer „ausgewogenen und respektvollen“ Beziehung zu den Vereinigten Staaten und lud die US-Regierung ein, gemeinsam an einem Kooperationsprogramm zu arbeiten. OZD

OZD-Kommentar – Übergang zwischen Drohung und Unterwerfung

Diese Vereidigung ist kein normaler Machtwechsel, sondern das Ergebnis militärischen Zwangs. Delcy Rodríguez beginnt ihre Amtszeit nicht mit einem Mandat des Volkes, sondern unter dem Druck Washingtons. Die Forderung nach „totalem Zugang“ zum venezolanischen Erdöl entlarvt die wahren Interessen hinter der Intervention. Ob Rodríguez standhaft bleibt oder zum Erfüllungsgehilfen fremder Interessen wird, entscheidet über die Zukunft Venezuelas – und über die Glaubwürdigkeit des Völkerrechts.



Mini-Infobox

Neue Interimspräsidentin: Delcy Rodríguez

Vorgänger: Nicolás Maduro

Dauer der Übergangszeit: zunächst 90 Tage

Hauptkonflikt: US-Militäreinsatz und Festnahme Maduros

Zentrale Ressource: Erdöl

OZD-Analyse

1. Politische Ausgangslage
– Machtvakuum nach Festnahme Maduros
– Übergangsmandat durch Oberstes Gericht

2. Internationale Dimension
a) Massive Einflussnahme der USA
b) Drohungen und wirtschaftliche Forderungen
c) Kritik aus Teilen der Weltgemeinschaft

3. Innere Stabilität Venezuelas
– Unterstützung durch Militär entscheidend
– Gefahr sozialer Unruhen und Spaltung



Wer ist Delcy Rodríguez?

Delcy Rodríguez ist eine venezolanische Politikerin und enge Vertraute von Nicolás Maduro. Sie war zuvor Vizepräsidentin und Außenministerin des Landes und gilt als zentrale Figur des chavistischen Machtapparats.

Was ist eine Interimspräsidentin?

Eine Interimspräsidentin übernimmt vorübergehend die Amtsgeschäfte eines Staatsoberhaupts, meist in Krisen- oder Übergangssituationen, bis eine politische oder rechtliche Klärung erfolgt.

OZD-Extras: Noch nie zuvor wurde eine amtierende venezolanische Regierungsspitze durch einen ausländischen Militäreinsatz derart abrupt aus dem Amt gedrängt.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.