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Wenn das Eis bricht - Held rettet Kinder, Erwachsene und Hunde

Zu dünnes Eis wird in Deutschland erneut zur tödlichen Gefahr. In mehreren Regionen brachen Menschen und Tiere ein – couragierte Passanten retteten Leben, doch nicht jeder Einsatz endete glücklich.

In mehreren Regionen Deutschlands sind Menschen und Tiere durch nicht tragfähiges Eis in Seen und Gewässer eingebrochen. Nur dem schnellen und mutigen Eingreifen von Passanten und Einsatzkräften ist es zu verdanken, dass mehrere Menschen gerettet werden konnten.

In Schleswig-Holstein brach ein zwölfjähriges Mädchen gemeinsam mit ihrem Hund an einer Anlegestelle eines Sees in Mölln durch die Eisfläche. Das Kind konnte nicht schwimmen und geriet vollständig ins eiskalte Wasser. Durch laute Hilferufe machte sie auf sich aufmerksam. Ein Mann reagierte geistesgegenwärtig und zog das bereits fast untergetauchte Mädchen aus dem Wasser. Die Zwölfjährige erlitt Unterkühlungen und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Für den Hund kam jedoch jede Hilfe zu spät.

Auch am Bodensee kam es zu dramatischen Szenen. In der Hegner Bucht brach zunächst ein Mensch in etwa 90 Zentimeter tiefes Wasser ein. Mehrere Passanten und eine Streife der Wasserschutzpolizei eilten zur Hilfe. Während der Rettung brach ein Helfer selbst durch das Eis. Beide konnten schließlich aus dem rund drei Grad kalten Wasser gezogen werden und kamen mit Unterkühlungen in eine Klinik.

In Bremen wiederum rettete die Feuerwehr einen Hund aus einem teilweise zugefrorenen See. Das Tier war ins Wasser geraten und konnte sich aus eigener Kraft nicht mehr ans Ufer retten. Ein Feuerwehrmann begab sich auf das Eis und brachte den unterkühlten Hund in Sicherheit. Das Tier wurde in eine Tierklinik gebracht.

Die Polizei und Feuerwehren warnen erneut eindringlich davor, zugefrorene Gewässer zu betreten. Auch wenn die Eisfläche stabil wirke, könne sie durch Temperaturschwankungen innerhalb weniger Stunden ihre Tragfähigkeit verlieren. OZD

OZD-Kommentar – Wenn Neugier Leben kostet

Jeden Winter wiederholt sich dieses gefährliche Schauspiel. Menschen unterschätzen die Kraft des Wassers und überschätzen die Tragfähigkeit des Eises. Besonders erschütternd ist, dass Kinder und Tiere immer wieder in lebensbedrohliche Situationen geraten, weil Warnungen ignoriert oder Risiken verharmlost werden. Der Mut der Helfer verdient höchsten Respekt – doch Zivilcourage darf kein Ersatz für Vorsicht sein. Jeder Schritt auf Eis ist ein Spiel mit dem Tod, und jede Rettung ist ein Wettlauf gegen die Zeit.


Mini-Infobox: Eisgefahr im Winter

– Eis gilt erst ab ca. 15 cm Dicke als tragfähig
– Schon wenige Plusgrade schwächen Eis massiv
– Unterkühlung droht innerhalb weniger Minuten
– Selbst Rettende begeben sich in Lebensgefahr

OZD-Analyse

Warum Eis so trügerisch ist
a) Ungleichmäßige Eisbildung durch Strömungen
b) Schneedecken verdecken dünne Stellen
c) Temperaturschwankungen schwächen Eis schnell

Rettung als Hochrisiko-Situation
a) Einbrechende Helfer sind keine Seltenheit
b) Kälteschock lähmt Muskulatur sofort
c) Rettung erfordert Spezialausrüstung

Prävention statt Heldentum
a) Gewässer grundsätzlich meiden
b) Kinder und Tiere beaufsichtigen
c) Notruf statt Eigeneinsatz ohne Sicherung



Historischer Hintergrund – Warum Eisunfälle in Deutschland immer wieder tödlich enden

Eisunfälle gehören in Mitteleuropa seit Jahrhunderten zu den klassischen Wintergefahren. Schon im 19. Jahrhundert dokumentierten Chroniken tödliche Einbrüche auf Flüssen und Seen. Trotz moderner Wetterwarnsysteme und Aufklärungskampagnen ereignen sich auch heute jedes Jahr zahlreiche Unfälle.

Der Klimawandel verschärft das Risiko zusätzlich: Häufige Temperaturwechsel führen dazu, dass Eisflächen instabil bleiben, selbst wenn sie optisch geschlossen wirken. Während früher lange Frostperioden stabile Eisdecken ermöglichten, entstehen heute oft nur wenige Zentimeter dicke, ungleichmäßige Eisschichten. Experten warnen daher, dass Eisflächen in Deutschland immer unberechenbarer werden.

OZD-Extras:
Wusstest du? Bereits nach 30 Sekunden im Eiswasser kann der sogenannte Kälteschock die Atmung unkontrollierbar machen – Schwimmen wird dann nahezu unmöglich.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.