Die Industrieproduktion in Deutschland ist im November erneut gestiegen und setzt damit einen positiven Trend fort. Wie das Statistisches Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, erhöhte sich der Ausstoß der Unternehmen gegenüber dem Vormonat um 2,1 Prozent. Es ist der dritte Anstieg in Folge und ein deutliches Signal nach einer langen Phase der Schwäche. Besonders kräftig fiel das Plus in der Automobilindustrie aus, die ihre Produktion um 7,8 Prozent steigerte. Auch der Maschinenbau legte mit 3,2 Prozent spürbar zu, während Maschinenwartung und -montage sogar ein Plus von 10,5 Prozent verzeichneten. Ebenfalls positiv entwickelte sich die Pharmaindustrie mit einem Zuwachs von 4,7 Prozent. Rückgänge gab es dagegen unter anderem in der Chemiebranche, bei Datenverarbeitungsgeräten und optischen Erzeugnissen sowie bei Nahrungs- und Futtermitteln. Im weniger schwankungsanfälligen Dreimonatsvergleich erhöhte sich der Ausstoß im Produzierenden Gewerbe von September bis November um 0,7 Prozent gegenüber dem Zeitraum Juni bis August. Langfristig betrachtet zeigt sich jedoch, wie tief die Industrie zuvor gefallen war. In den Jahren 2023 und 2024 war die Produktion überwiegend rückläufig. Nach einem Tiefpunkt im Dezember 2024 setzte im Verlauf des Jahres 2025 zunächst eine leichte Erholung ein. Im ersten Halbjahr lag die Produktion um 0,2 Prozent über dem vorherigen Halbjahr. Ein erneuter Einbruch im August, ausgelöst vor allem durch schwache Zahlen aus der Autoindustrie, stoppte diese Bewegung vorübergehend. Seit Oktober ist jedoch wieder ein vorsichtiger Aufwärtstrend erkennbar, der sich im November fortsetzte. Für den Dezember verwies das Statistikamt auf einen gestiegenen Lkw-Maut-Fahrleistungsindex sowie auf deutlich mehr Auftragseingänge in der Industrie.
OZD-Kommentar
Die Zahlen aus der Industrie wirken wie ein Aufatmen nach langer Beklemmung, doch Euphorie wäre verfrüht. Drei Monate Anstieg sind ein wichtiges Signal, aber noch kein Befreiungsschlag. Zu tief sitzt der Vertrauensverlust der vergangenen Jahre, zu brüchig bleibt das Fundament aus Nachfrage, Export und Investitionen. Wenn der Aufschwung erneut fast ausschließlich an der Autobranche hängt, ist das Risiko hoch, dass externe Schocks den zarten Trend rasch wieder kippen. Ohne eine nachhaltige Belebung der Auslandsnachfrage und verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen droht aus der vermeintlichen Trendwende ein weiteres Zwischenhoch zu werden.
Historischer Hintergrund
Die Entwicklung der deutschen Industrieproduktion ist seit Jahren von starken Schwankungen geprägt. Nach dem Einbruch infolge der Corona-Pandemie kam es 2021 zu einer kurzen Erholungsphase, die jedoch durch Lieferkettenprobleme, steigende Energiepreise und geopolitische Spannungen gebremst wurde. In den Jahren 2023 und 2024 verzeichnete die Industrie überwiegend rückläufige Produktionszahlen, besonders im exportorientierten Bereich. Ende 2024 wurde ein Tiefpunkt erreicht, von dem aus sich 2025 zunächst eine leichte Erholung entwickelte. Diese blieb jedoch fragil und wurde im Sommer erneut unterbrochen, bevor sich im Herbst wieder vorsichtige Aufwärtstendenzen zeigten. Vor diesem Hintergrund gelten die jüngsten Zahlen als wichtiger Indikator für die aktuelle wirtschaftliche Lage.
Erklärungen
Was ist das Statistische Bundesamt?
Das Statistische Bundesamt ist die zentrale Behörde für amtliche Statistik in Deutschland. Es erhebt, sammelt und veröffentlicht Daten zu Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt und liefert damit eine wichtige Grundlage für politische und wirtschaftliche Entscheidungen.
Was ist das Bundeswirtschaftsministerium?
Das Bundeswirtschaftsministerium ist ein Ressort der Bundesregierung und zuständig für Wirtschafts- und Energiepolitik. Es bewertet unter anderem konjunkturelle Entwicklungen und legt wirtschaftspolitische Leitlinien fest.
OZD-Analyse
Entwicklung der Industrieproduktion
a) Der Anstieg um 2,1 Prozent im November markiert den dritten Zuwachs in Folge
b) Der Dreimonatsvergleich zeigt eine moderate, aber stabile Verbesserung
c) Langfristig bleibt das Produktionsniveau deutlich unter früheren Höchstständen
Rolle der Schlüsselbranchen
a) Die Automobilindustrie fungiert erneut als zentraler Wachstumstreiber
b) Maschinenbau und industrielle Dienstleistungen stützen den Trend
c) Schwächen in Chemie und Konsumgüterbereichen bremsen die Gesamtdynamik
Einordnung der Konjunktursignale
a) Das Bundeswirtschaftsministerium spricht von einem Aufwärtstrend, warnt aber vor externer Nachfrageschwäche
b) ING-Analyst Carsten Brzeski sieht deutliche Anzeichen für einen zyklischen Wendepunkt
c) LBBW-Analyst Jens-Oliver Niklasch verweist auf weiterhin herausfordernde globale Rahmenbedingungen
Mini-Infobox
Industrieproduktion November: plus 2,1 Prozent
Autoindustrie: Produktionsplus von 7,8 Prozent
Maschinenbau: Zuwachs um 3,2 Prozent
Dreimonatsvergleich: plus 0,7 Prozent
Dritter Monatsanstieg in Folge
OZD-Extras
Ein Anstieg der Industrieproduktion über drei Monate galt zuletzt nach dem Corona-Lockdown 2021 als Normalfall, seither war er zur Ausnahme geworden.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
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