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78 Prozent Deutsche sind alarmiert: Nato-Krise erreicht deutsche Mitte

Eine klare Mehrheit der Deutschen sieht die Nato durch Donald Trumps Politik akut gefährdet. Das aktuelle Politbarometer offenbart tiefe Sorgen um Sicherheit, Bündnistreue und die Zukunft des Westens.

Die Sorgen um die Zukunft der Nato wachsen in Deutschland deutlich. Laut dem am Freitag veröffentlichten ZDF-„Politbarometer“ sind 78 Prozent der Befragten der Ansicht, dass die Politik von US-Präsident Donald Trump den Fortbestand des westlichen Militärbündnisses gefährdet. Lediglich 18 Prozent teilen diese Einschätzung nicht. Damit erreicht die Skepsis gegenüber Washington eine neue Dimension.

Bemerkenswert ist die parteiübergreifende Einigkeit: Selbst unter Anhängern der AfD sehen 59 Prozent eine Bedrohung der Nato durch Trump. Bei der Union liegt der Wert bei 78 Prozent, bei der SPD sogar bei 92 Prozent. Die Sorge um das Bündnis ist damit kein Randphänomen, sondern tief in der politischen Mitte der Gesellschaft angekommen.

Kritisch bewerten die Befragten auch mögliche US-Militäreinsätze zur Sicherung wirtschaftlicher Interessen unter Missachtung des Völkerrechts. 69 Prozent fordern, dass die EU in solchen Fällen klar dagegen Stellung beziehen soll. Nur fünf Prozent plädieren dafür, sich hinter das Handeln der USA zu stellen, während 22 Prozent meinen, die EU solle sich heraushalten.

Innenpolitisch zeigt sich kaum Bewegung bei den Parteipräferenzen. Wäre am kommenden Sonntag Bundestagswahl, kämen CDU/CSU erneut auf 26 Prozent, die AfD auf 25 Prozent. Die SPD verbessert sich leicht auf 15 Prozent, die Grünen bleiben bei zwölf Prozent, die Linke fällt auf zehn Prozent. Eine schwarz-rote Mehrheit wäre damit nicht möglich.

Unverändert hoch bleibt der Frust über die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung. 71 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die Regierung zu wenig für die wirtschaftliche Erholung tue. Diese Einschätzung zieht sich durch alle Parteianhängergruppen.

Bei der Politikerbewertung führt weiterhin Boris Pistorius mit deutlichem Abstand. Er erreicht auf der Skala von +5 bis -5 einen Wert von 1,9. Ihm folgen Außenminister Johann Wadephul und Finanzminister Lars Klingbeil. Am unteren Ende der Skala rangieren Sahra Wagenknecht und Alice Weidel. ozd


OZD-Kommentar – Bündnis unter Druck
Diese Zahlen sind ein politisches Warnsignal. Wenn fast vier von fünf Deutschen dem wichtigsten Bündnis der westlichen Welt nicht mehr trauen, steht mehr auf dem Spiel als bloße Meinungswerte. Trumps Kurs hat die Nato von innen erschüttert – und Europa spürt, dass es sich sicherheitspolitisch nicht länger blind auf Washington verlassen kann. Die Zeit der Illusionen ist vorbei, die Zeit der Eigenverantwortung hat begonnen.




Mini-Infobox
– 78 % sehen Nato durch Trump gefährdet
– Parteigrenzen spielen kaum eine Rolle
– 69 % fordern klare EU-Haltung gegen US-Militärinterventionen
– Wirtschaftspolitik bleibt größter Unzufriedenheitsfaktor


Historischer Hintergrund
Die Nato wurde 1949 als Verteidigungsbündnis gegen die Sowjetunion gegründet. Über Jahrzehnte galt die uneingeschränkte Beistandsgarantie der USA als Fundament europäischer Sicherheit. In den vergangenen Jahren haben jedoch wiederholte Drohungen und Alleingänge aus Washington dieses Vertrauen spürbar untergraben.


Zukunftsprognose
Die wachsende Skepsis in der deutschen Bevölkerung dürfte den Druck auf Berlin und Brüssel erhöhen, die europäische Verteidigungsfähigkeit massiv auszubauen. Sollte sich Trumps Kurs fortsetzen, könnte die Nato zwar formal bestehen bleiben, politisch aber an Bindekraft verlieren. Europa wird sich mittelfristig stärker emanzipieren müssen – militärisch, strategisch und finanziell.




Erklärungen
Was ist das ZDF-Politbarometer?
Das Politbarometer ist eine regelmäßige Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF. Es misst politische Einstellungen, Wahlabsichten und die Bewertung von Politikerinnen und Politikern in Deutschland.

Was ist die Nato?
Die Nato ist ein militärisches Verteidigungsbündnis von derzeit 32 Staaten. Kern des Bündnisses ist die gegenseitige Beistandspflicht im Falle eines Angriffs.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.

OZD-Extras
Fun Fact: Noch nie zuvor lag die parteiübergreifende Zustimmung zur Aussage, dass ein US-Präsident die Nato gefährdet, in Deutschland so hoch wie jetzt.