Inmitten von Krieg, Konflikten und langwieriger Vertreibung bleibt Bildung für Millionen geflüchteter Kinder und Jugendlicher unerreichbar – obwohl sie ein fundamentales Menschenrecht ist. Nach Angaben der UNO-Flüchtlingshilfe sind etwa 41 Prozent aller Flüchtlinge minderjährig; darunter rund 12,4 Millionen Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter, von denen fast die Hälfte keinen Zugang zu Bildung hat.
Während weltweit mehr als 90 Prozent aller Kinder im Grundschulalter zur Schule gehen, liegt die Einschulungsrate bei Flüchtlingskindern deutlich niedriger; in vielen Ländern schaffen es selbst deutlich weniger in weiterführende Bildungsgänge. (UNHCR) Die Chance, eine höhere Schulbildung oder ein Studium zu absolvieren, ist für Geflüchtete noch geringer – ihr Anteil an Studierenden bleibt im niedrigen einstelligen Bereich im Vergleich zu Gleichaltrigen ohne Fluchterfahrung. (UNHCR)
Bildung wirkt weit über das Klassenzimmer hinaus: Sie schafft Perspektiven, stärkt Selbstvertrauen und Befähigung und ist für viele junge Menschen der entscheidende Schritt hin zu Selbstbestimmung und einer eigenständigen Zukunft. Die UNO-Flüchtlingshilfe betont, dass gerade Flüchtlingskinder durch den Zugang zu Bildung nicht nur Wissen erwerben, sondern auch Schutz und Stabilität inmitten von Unsicherheit finden.
Initiativen wie das Stipendienprogramm DAFI der deutschen Bundesregierung und UNHCR zeigen, dass mit gezielter Unterstützung auch junge Geflüchtete trotz widriger Umstände ein Studium aufnehmen können. Geschichten von Menschen, die diesen Weg geschafft haben, sollen am Internationalen Tag der Bildung am 24. Januar Mut machen und aufzeigen, was möglich ist, wenn Bildung nicht vom Herkunftsort abhängt, sondern von echter Chance und Unterstützung.
OZD-Kommentar
Die Statistiken zur Bildungslücke bei Flüchtlingen sind kein abstraktes Problem, sie sind ein globales Versagen. In einer Welt, die sich auf Menschenrechte beruft, bleibt die systematische Ausgrenzung von Millionen junger Menschen aus Bildungssystemen eine Schande. Ohne Zugang zu Schule oder Studium werden ganze Generationen in Abhängigkeit, Armut und Perspektivlosigkeit gehalten. Wer behauptet, Bildung sei ein Luxus, ignoriert die sozialökonomischen Grundlagen von Frieden und Entwicklung. Es ist Zeit für einen fundamentalen politischen Kurswechsel: Staaten, internationale Organisationen und Geber müssen Bildung für Geflüchtete priorisieren und finanzieren, sonst droht die Krise zur verlorenen Generation zu werden.
Historischer Hintergrund
Schon vor der Corona-Pandemie zeigte sich, dass Flüchtlinge weltweit deutlich schlechteren Zugang zu Bildung haben als nicht vertriebene Kinder. Bildungszugang wurde in vielen Aufnahmeländern durch Überlastung der Systeme, fehlende Ressourcen und Strukturen begrenzt. Mehrere UN-Berichte haben wiederholt auf die Defizite hingewiesen: Während globale Einschulungsraten hoch sind, bleiben sie für Flüchtlingskinder deutlich niedriger. Dies betrifft Grundschule, weiterführende Schule und Hochschule gleichermaßen und zieht sich über Jahre und Regionen hinweg. Die Gründe reichen von mangelnder Finanzierung über sprachliche und bürokratische Barrieren bis zu fehlender Integration in nationale Bildungssysteme. Nationale und internationale Initiativen versuchen seit Jahren, diese Lücke zu schließen, doch die Herausforderungen blieben trotz moderater Fortschritte groß. (UNHCR)
Wer oder was ist die UNO-Flüchtlingshilfe?
Die UNO‑Flüchtlingshilfe ist der nationale Partner des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) und unterstützt weltweit Projekte für Flüchtlinge, darunter auch Programme zur Bildungsförderung. (Wikipedia)
Was ist UNHCR?
Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen UNHCR ist die führende internationale Organisation zur Unterstützung und zum Schutz von Flüchtlingen und setzt sich unter anderem für den Zugang zu Bildung für vertriebene Menschen ein. (UNHCR)
Was ist das DAFI-Programm?
Das Deutsche Akademische Flüchtlings-Initiative Albert Einstein (DAFI) ist ein von der Bundesregierung gegründetes Stipendienprogramm, das jungen Geflüchteten ein Studium im Aufnahmeland ermöglichen soll und von UNHCR umgesetzt wird.
OZD-Analyse
Globale Bildungsdefizite
a) Große Lücken bei Einschulungsraten im Primar- und Sekundarbereich
b) Deutlich geringere Teilhabe an tertiärer Bildung
c) Spezifische Barrieren in Konflikt- und Aufnahmeländern
Ursachen und Wirkung
a) Ressourcenknappheit und fragile Bildungssysteme
b) Sprach- und Anerkennungsbarrieren
c) Langfristige Folgen für wirtschaftliche und soziale Integration
Lösungsansätze
a) Internationale Bildungsinitiativen wie DAFI
b) Integration von Flüchtlingen in nationale Systeme
c) Verstärkte Finanzierung und politischer Wille
Mini-Infobox:
Rund 12,4 Mio. schulpflichtige Flüchtlinge weltweit (Presseportal)
Fast die Hälfte ohne Zugang zu Bildung (Presseportal)
Flüchtlingsanteil an tertiärer Bildung sehr gering (UNHCR)
Internationaler Tag der Bildung: 24. Januar (Presseportal)
OZD-Extras
UNESCO- und UNHCR-Daten zeigen, dass Flüchtlingskinder im Sekundarbereich deutlich seltener eingeschult sind als Gleichaltrige – ein Trend, der sich mit zunehmendem Alter noch verschärft. (UNHCR)
Alle Angaben ohne Gewähr. Bild: © UNHCR/Jaime Giménez: Samuel Romero geflohen aus Venezuela, studiert nun in Peru.
OZD /UNO-Flüchtlingshilfe