Die Regierung in London hat die Einrichtung einer neuen nationalen Polizeibehörde nach dem Vorbild des US-amerikanischen FBI angekündigt. Innenministerin Shabana Mahmood erklärte am Samstagabend, der geplante National Police Service (NPS) solle landesweit operieren und mit hochqualifizierten Spezialisten sowie modernster Technologie ausgestattet werden. Ziel sei es, „gefährliche Kriminelle aufzuspüren und zu ergreifen“.
Der NPS soll als Dachorganisation fungieren und bestehende Behörden wie die National Crime Agency (NCA) sowie regionale Einheiten zur Bekämpfung organisierter Kriminalität bündeln. Der Leiter des neuen Dienstes würde damit zum ranghöchsten Polizeibeamten des Vereinigten Königreichs aufsteigen.
Mahmood begründete den Schritt mit strukturellen Defiziten: Viele lokale Polizeieinheiten seien mit komplexen Delikten wie Cyberbetrug, sexuellem Online-Missbrauch von Minderjährigen oder internationaler organisierter Kriminalität überfordert. Der neue Dienst solle diese Aufgaben zentral übernehmen und die Polizei vor Ort entlasten – damit diese sich wieder stärker um Alltagskriminalität wie Einbruch oder Ladendiebstahl kümmern könne.
Das Innenministerium spricht von der größten Polizeireform seit rund 200 Jahren. Der Reformdruck ist hoch: Der aktuelle Aufbau der Polizeistrukturen gilt als zersplittert und ineffizient. Londons Polizeichef Mark Rowley hatte das System zuletzt als „überbürokratisches Spaghetti-System“ kritisiert.
Zusätzliche Brisanz erhielt die Debatte durch den Rücktritt des Polizeichefs der West-Midlands-Region, Craig Guildford, nach umstrittenen Äußerungen im Zusammenhang mit einem Fußballspiel von Maccabi Tel Aviv. Der Fall zeigte deutlich die begrenzten Eingriffsmöglichkeiten der Politik – ein Problem, das der neue NPS lösen soll.
OZD
OZD-Kommentar – Sicherheit durch Zentralmacht
Was hier entsteht, ist kein technischer Umbau, sondern ein politisches Signal. Großbritannien verabschiedet sich vom föderalen Polizeidenken und setzt auf Kontrolle, Zugriff und klare Verantwortlichkeit. Das „britische FBI“ ist Ausdruck eines Staates, der Ordnung erzwingen will – notfalls mit Machtkonzentration. Ob das Vertrauen schafft oder neue Ängste weckt, wird sich zeigen. Klar ist: London setzt auf Stärke, nicht auf kleinteilige Reformen.
Historischer Hintergrund
Großbritanniens Polizeisystem ist traditionell stark dezentral organisiert. Seit der Gründung der Metropolitan Police im 19. Jahrhundert wurde lokale Autonomie hochgehalten. In den vergangenen Jahrzehnten führten Terrorismus, internationale Kriminalität und Digitalisierung jedoch zunehmend zu Kompetenzüberschneidungen und Koordinationsproblemen.
Zukunftsprognose
Der NPS dürfte die Sicherheitsarchitektur Großbritanniens dauerhaft verändern. Kurzfristig ist mit Effizienzgewinnen zu rechnen, langfristig jedoch auch mit Debatten über Bürgerrechte, politische Einflussnahme und Machtbalance zwischen Staat und Regionen. Das Modell könnte Vorbild für andere europäische Staaten werden.

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OZD-Analyse
1. Politische Zielsetzung
– a) Zentralisierung der Sicherheitsstrukturen
– b) Effizientere Bekämpfung komplexer Kriminalität
– c) Stärkere politische Steuerungsfähigkeit
2. Strukturelle Probleme
– a) Zersplitterte Zuständigkeiten
– b) Ressourcenmangel auf lokaler Ebene
– c) Fehlende Eingriffsrechte der Regierung
3. Risiken und Chancen
– a) Mehr Schlagkraft gegen organisierte Kriminalität
– b) Gefahr übermäßiger Machtkonzentration
– c) Vorbildwirkung für Europa
Mini-Infobox
– Land: Großbritannien
– Geplante Behörde: National Police Service
– Vorbild: FBI (USA)
– Ziel: Bekämpfung von Cyber- und organisierter Kriminalität
OZD-Extra
Der Chef des neuen NPS wird erstmals die formale Autorität über nahezu alle spezialisierten Polizeieinheiten des Landes erhalten – ein Novum in der britischen Geschichte.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.