Nach den ersten direkten Gesprächen zwischen Russland, der Ukraine und den USA in Abu Dhabi setzt die russische Armee ihre massiven Angriffe auf die Ukraine fort. Ukrainische Behörden meldeten am Dienstag sieben Tote sowie erhebliche Schäden an der Energieinfrastruktur im Osten und Süden des Landes.
Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, die russischen Angriffe würden die laufenden diplomatischen Bemühungen zur Beendigung des Krieges untergraben.
"Jeder dieser russischen Angriff untergräbt die laufenden diplomatischen Bemühungen und die Bemühungen unserer Partner, den Krieg zu beenden", erklärte Selenskyj in Onlinediensten. "Wir erwarten von den USA, von Europa und den anderen Partnern, dass sie nicht schweigen und sich daran erinnern, dass ein echter Frieden voraussetzt, dass Druck auf Moskau ausgeübt wird", fügte er hinzu.
Besonders schwer traf es die Region Odessa. Nach Angaben der örtlichen Behörden wurde sie von rund fünfzig russischen Drohnen angegriffen. In der gleichnamigen Hafenstadt kamen drei Menschen ums Leben, etwa 30 weitere wurden verletzt. Gouverneur Oleh Kiper teilte mit, unter den Verletzten seien zwei Kinder sowie eine schwangere Frau. Eine AFP-Journalistin sah ein Wohngebäude mit eingestürzter Fassade und Rettungskräfte, die in den Trümmern nach Überlebenden suchten.
Nach Angaben Kipers wurden durch die Angriffe zahlreiche Wohnhäuser, eine Kirche, ein Kindergarten, eine Schule und ein Fitnesscenter beschädigt. Das Energieunternehmen DTEK erklärte, eine seiner Anlagen sei bei den Angriffen stark beschädigt worden. Odessa gilt als größter ukrainischer Hafen am Schwarzen Meer und ist regelmäßig Ziel russischer Attacken auf Energie- und Hafeninfrastruktur.
Im Osten der Ukraine traf eine russische Gleitbombe die Stadt Slowjansk in der Region Donezk. Die Staatsanwaltschaft meldete den Tod eines Ehepaars, deren 20-jähriger Sohn verletzt wurde. Auch in den Regionen Saporischschja und Cherson im Süden des Landes kam nach ukrainischen Angaben jeweils ein Mensch ums Leben.
Die ukrainische Luftabwehr erklärte, Russland habe das Land in der Nacht mit insgesamt 165 Drohnen angegriffen, von denen 135 abgefangen worden seien. Das staatliche Gasunternehmen Naftogaz teilte zudem mit, dass eine seiner Anlagen im Westen der Ukraine bereits zum fünften Mal in diesem Monat getroffen worden sei.
Die trilateralen Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA sollen am kommenden Sonntag in Abu Dhabi fortgesetzt werden. Selenskyj hatte die bisherigen Gespräche als "konstruktiv" bezeichnet, zugleich aber "echte Ergebnisse" gefordert. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sprach ebenfalls von einem "konstruktiven Geist", warnte jedoch davor, rasche Ergebnisse zu erwarten.
Das russische Verteidigungsministerium meldete unterdessen die Einnahme zweier weiterer Ortschaften in den Regionen Charkiw und Saporischschja. Armeechef Waleri Gerassimow erklärte bei einem Frontbesuch, russische Truppen setzten ihre Offensive "an allen Fronten" fort und hätten seit Jahresbeginn 17 Ortschaften sowie mehr als 500 Quadratkilometer ukrainischen Territoriums unter Kontrolle gebracht.
OZD / ©AFP.
OZD-Kommentar – Diplomatie unter Beschuss
Die russischen Angriffe senden eine klare Botschaft: Militärischer Druck soll Fakten schaffen, während am Verhandlungstisch geredet wird. Jede Drohne, jede Bombe untergräbt die Glaubwürdigkeit der Diplomatie und stellt die Frage, ob Moskau überhaupt an einem ernsthaften Ausgleich interessiert ist. Wenn die internationale Gemeinschaft diesen Widerspruch hinnimmt, drohen Gespräche zur bloßen Kulisse zu verkommen. Ohne spürbaren politischen und wirtschaftlichen Druck könnte sich der Krieg trotz Dialogformaten weiter verfestigen.
Mini-Infobox:
Sieben Tote bei neuen Angriffen
165 russische Drohnen in einer Nacht
Massive Schäden an Energieanlagen
Gespräche sollen in Abu Dhabi fortgesetzt werden
OZD-Analyse
Militärische Lage
a) Anhaltende Luftangriffe trotz Gesprächen
b) Fokus auf Energie- und Hafeninfrastruktur
c) Ausweitung der Offensive an mehreren Fronten
– strategische Zermürbung
– Destabilisierung der Zivilbevölkerung
– Druck auf ukrainische Verteidigung
Diplomatische Dimension
a) Gleichzeitigkeit von Gesprächen und Angriffen
b) Widerspruch zwischen Worten und Taten Moskaus
c) Hohe Erwartungen an internationale Vermittler
– begrenzte Erfolgsaussichten
– Vertrauensdefizite
– Zeitgewinn als mögliches Ziel
Internationale Folgen
a) Belastung der Friedensverhandlungen
b) Steigender Druck auf westliche Partner
c) Gefahr einer weiteren Eskalation
– militärisch
– politisch
– humanitär
Wer ist Wolodymyr Selenskyj?
Wolodymyr Selenskyj ist seit 2019 Präsident der Ukraine und führt das Land seit Beginn des russischen Angriffskrieges politisch und diplomatisch.
Was ist Naftogaz?
Naftogaz ist das staatliche ukrainische Energieunternehmen und ein zentraler Akteur der Gas- und Energieversorgung des Landes.
Was sind die trilateralen Gespräche?
Dabei handelt es sich um Verhandlungen zwischen Russland, der Ukraine und den USA mit dem Ziel, Wege zur Beendigung des Krieges auszuloten.
Historischer Hintergrund:
Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 wird das Land regelmäßig aus der Luft angegriffen, insbesondere die Energieinfrastruktur. Frühere Verhandlungsformate scheiterten meist an unvereinbaren Positionen. Die aktuellen Gespräche gelten als neuer diplomatischer Anlauf vor dem Hintergrund einer militärisch festgefahrenen Lage.
Prognose:
Sollten die Angriffe parallel zu den Gesprächen anhalten, dürfte das Vertrauen in den Verhandlungsprozess weiter sinken. Ohne konkrete Fortschritte drohen die Gespräche zu stagnieren, während sich der Krieg militärisch weiter ausdehnt und die humanitäre Lage verschärft.
Gewinnspiel:
Wie viele russische Drohnen wurden laut Ukraine in einer Nacht eingesetzt?
A) 85
B) 120
C) 165
D) 210
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
OZD-Extra
Energie im Visier
Ukrainische Energieanlagen wurden laut Behörden allein in diesem Monat mehrfach gezielt angegriffen, besonders im Süden und Westen des Landes.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.