Bei massiven russischen Angriffen auf die Ukraine sind am Dienstag nach ukrainischen Angaben mindestens elf Menschen getötet worden. Besonders erschütternd war ein Drohnenangriff auf einen Passagierzug in der ostukrainischen Stadt Charkiw, bei dem mindestens vier Menschen ums Leben kamen. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einem gezielten Angriff auf Zivilisten und erklärte, solche Attacken untergruben die laufenden diplomatischen Bemühungen zur Beendigung des Krieges.
Nach Angaben Selenskyjs befanden sich rund 200 Passagiere in dem Zug. Eine militärische Rechtfertigung für einen solchen Angriff gebe es nicht, erklärte er. Neben den Toten wurden mindestens zwei Menschen verletzt. Ukrainische Rettungskräfte veröffentlichten Bilder eines brennenden Zuges und eines Großeinsatzes an der Unglücksstelle.
Auch im Süden des Landes kam es zu schweren Angriffen. Die Region Odessa wurde lokalen Behörden zufolge mit rund 50 Drohnen attackiert. In der Stadt wurden drei Menschen tot aus den Trümmern geborgen, etwa 30 weitere verletzt. Unter ihnen befinden sich nach Angaben von Gouverneur Oleh Kiper zwei Kinder und eine schwangere Frau. Eine AFP-Journalistin berichtete von einem Wohnhaus mit eingestürzter Fassade sowie Rettungskräften, die nach Verschütteten suchten.
Die Drohnen beschädigten demnach zahlreiche Wohngebäude, eine Kirche, einen Kindergarten, eine Schule und ein Fitnesszentrum. Der ukrainische Energiekonzern DTEK meldete zudem schwere Schäden an einer seiner Anlagen. Odessa, der größte Schwarzmeerhafen des Landes, ist regelmäßig Ziel russischer Angriffe auf Energie- und Hafeninfrastruktur.
Im Osten traf eine russische Gleitbombe die Stadt Slowjansk. Die Staatsanwaltschaft der Region Donezk bestätigte den Tod eines Ehepaares, ihr 20-jähriger Sohn wurde verletzt. Auch in den südlichen Regionen Saporischschja und Cherson kamen nach ukrainischen Angaben zwei weitere Menschen in ihren Häusern ums Leben.
Die ukrainische Luftabwehr teilte mit, Russland habe in der Nacht insgesamt 165 Drohnen eingesetzt, 135 davon seien abgefangen worden. Das staatliche Gasunternehmen Naftogaz meldete einen weiteren Treffer auf eine seiner Anlagen im Westen des Landes – bereits der fünfte in diesem Monat.
Selenskyj forderte angesichts der Angriffe mehr internationalen Druck auf Moskau. Jeder Angriff untergrabe die Diplomatie, erklärte er. Die trilateralen Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA sollen am Sonntag in Abu Dhabi fortgesetzt werden. Auch Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sprach von konstruktiven Gesprächen, warnte jedoch vor überzogenen Erwartungen.
Russlands Verteidigungsministerium erklärte unterdessen die Einnahme zweier weiterer Ortschaften in der Ukraine. Armeechef Waleri Gerassimow sagte, die Offensive werde an allen Fronten fortgesetzt.
OZD
OZD-Kommentar – Zivilisten als DruckmittelDer Angriff auf einen Passagierzug markiert eine neue moralische Tiefstmarke dieses Krieges. Wer Zivilisten auf offener Strecke angreift, sendet nicht nur ein militärisches, sondern ein politisches Signal: Abschreckung durch Angst. Während in Konferenzräumen über Frieden gesprochen wird, sprechen die Waffen eine andere Sprache. Diplomatie ohne Druck bleibt wirkungslos – das zeigt dieser Tag auf brutale Weise.
Historischer HintergrundSeit Beginn des russischen Angriffskrieges im Februar 2022 gehören Angriffe auf zivile Infrastruktur zum festen Bestandteil der Kriegsführung. Besonders Energieanlagen, Verkehrswege und Wohngebiete wurden wiederholt getroffen. Internationale Beobachter sprechen von einer Strategie der Zermürbung, die darauf abzielt, die ukrainische Bevölkerung psychologisch und wirtschaftlich unter Druck zu setzen – auch während laufender Verhandlungen.
ZukunftsprognoseDie jüngsten Angriffe lassen eine kurzfristige Deeskalation unwahrscheinlich erscheinen. Trotz diplomatischer Gespräche dürfte Russland den militärischen Druck weiter erhöhen, um seine Position zu stärken. Für die Ukraine und ihre Partner wächst damit der Handlungsdruck, diplomatische Initiativen mit konkreten politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen für Moskau zu verknüpfen.
In welcher ukrainischen Stadt wurde ein Passagierzug bei einem russischen Drohnenangriff getroffen?
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– Mindestens elf Tote landesweit
– Passagierzug in Charkiw angegriffen
– Schwere Schäden in Odessa
– 165 Drohnen in einer Nacht
– Diplomatische Gespräche laufen weiter
1. Militärische Lage
a) Intensivierung der Drohnenangriffe
b) Fokus auf zivile Infrastruktur
c) Gleichzeitige Bodenoffensive
2. Politische Dimension
a) Untergrabung laufender Verhandlungen
b) Druck auf westliche Partner
c) Propagandistische Wirkung
3. Humanitäre Folgen
a) Steigende Opferzahlen
b) Zerstörung lebenswichtiger Versorgung
c) Zunehmende Fluchtbewegungen
Die trilateralen Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA dienen der Sondierung möglicher Schritte zur Beendigung des Krieges. Sie gelten bislang als vorsichtiger diplomatischer Annäherungsversuch ohne konkrete Durchbrüche.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
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Der Angriff auf einen Personenzug zählt zu den schwersten dokumentierten Angriffen auf zivile Verkehrsmittel seit Kriegsbeginn.
