Eishockey-Bundestrainer Harold Kreis hat vor den Olympischen Winterspielen in Mailand eindringlich davor gewarnt, die Erwartungen an die deutsche Nationalmannschaft zu hoch anzusetzen. Angesichts der internationalen Konkurrenz sei Demut angebracht. „Man darf nicht vergessen, dass die Kanadier, die Finnen, die Schweden, die Amerikaner auch alle mit den besten Spielern kommen – und sogar viele zu Hause gelassen haben“, sagte Kreis vor dem Auftakt der Vorbereitung am Samstag im Gespräch mit dem SID. Es werde „ein Turnier auf ganz hohem Niveau“.
Dabei reist die deutsche Auswahl mit dem wohl stärksten Kader ihrer Geschichte zu den Spielen nach Mailand. Zahlreiche Profis aus der nordamerikanischen Profiliga NHL stehen im Aufgebot, darunter auch Superstar Leon Draisaitl. Die Namen allein jedoch garantierten keinen Erfolg, stellte Kreis klar. „Wir verstehen die Erwartungen, wenn man sieht, wer alles in der Mannschaft spielt und was das für tolle Spieler sind“, sagte der 66-Jährige. Entscheidend sei, „dass wir so gut wie möglich unsere maximale Leistung abrufen. Dann sehen wir, wo wir stehen“.
Die Männer-Auswahl des Deutscher Eishockey-Bund bereitet sich derzeit in einem Trainingslager in Bozen auf Olympia vor. In Südtirol gehe es vor allem darum, die Abläufe zu festigen. „Es geht darum, unser System in Erinnerung zu rufen“, betonte Kreis. Am Mittwoch (19.30 Uhr/MagentaSport) steht gegen Italien der letzte Test vor dem Turnier an. Da die NHL-Profis erst später zur Mannschaft stoßen, wird der Kader während der Vorbereitung zunächst mit Spielern aus der Deutschen Eishockey Liga aufgefüllt.
Der olympische Auftakt erfolgt am 12. Februar (21.10 Uhr) gegen Dänemark. Danach warten weitere Gruppenspiele, bevor sich entscheidet, ob die deutsche Mannschaft erneut in die Nähe einer Sensation vordringen kann.
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OZD-Kommentar – Realismus statt TräumereiDie deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hat sich Respekt erarbeitet – aber keine Garantien. Harold Kreis tut gut daran, die Euphorie zu bremsen. Olympia ist kein Märchen, sondern ein Haifischbecken. Wer glaubt, große Namen allein reichen gegen NHL-gespickte Giganten, verkennt die Realität. Gerade dieser nüchterne Blick könnte jedoch die größte Stärke dieses Teams sein.
Historischer HintergrundDeutschland gewann bei Olympischen Spielen bislang keine Goldmedaille im Eishockey. Der sensationelle Silbergewinn von Pyeongchang 2018 gilt als größter Erfolg der Verbandsgeschichte. Seitdem ist die Erwartungshaltung gestiegen – ebenso wie die internationale Konkurrenz, die bei Olympia erstmals wieder geschlossen mit NHL-Stars antritt.
ZukunftsprognoseErreicht das deutsche Team seine Leistungsgrenze, ist ein Platz im Viertelfinale realistisch. Ein erneuter Medaillencoup wäre jedoch nur mit perfekten Spielen, stabiler Defensive und überragenden Torhüterleistungen möglich. Die Wahrscheinlichkeit liegt weniger im Traum als in der Disziplin.

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Mini-Infobox
– Olympische Spiele: 6.–22. Februar
– Austragungsort: Mailand
– Bundestrainer: Harold Kreis
– Auftaktgegner: Dänemark
– Letzter Test: Italien
1. Kaderqualität
a) NHL-Stars im Aufgebot
b) Breite stärker als je zuvor
c) Späte Integration der Profis
2. Internationale Konkurrenz
a) Vollständige NHL-Teilnahme
b) Tiefe Kader bei Topnationen
c) Kaum Raum für Fehler
3. Psychologische Komponente
a) Erwartungsdruck von außen
b) Kreis setzt auf Nüchternheit
c) Fokus auf System und Disziplin
Harold Kreis ist seit 2023 Bundestrainer der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft. Der frühere NHL-Spieler und DEL-Trainer steht für strukturiertes, defensiv stabiles Eishockey und gilt als ruhiger, analytischer Taktiker.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
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Erstmals seit Jahrzehnten
treten bei Olympia wieder alle Topnationen mit nahezu vollständigen
NHL-Kadern an – das Turnier gilt als eines der stärksten der Geschichte.