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Gefahr für Jugendliche? Verführt TicTok Kinder?

Die EU wirft Tiktok vor, Kinder und Jugendliche gezielt an den Bildschirm zu fesseln. Brüssel fordert tiefgreifende Änderungen – der Konzern weist die Vorwürfe scharf zurück.

Vor dem Hintergrund der Debatte über schädliche Auswirkungen von Social Media auf Kinder und Jugendliche hat die EU die Videoplattform TikTok aufgefordert, ihre als „süchtig machend“ kritisierte Funktionsweise zu ändern. Erste Untersuchungsergebnisse zeigten, dass Tiktok nicht ausreichend berücksichtige, wie diese Mechanismen die körperliche und psychische Gesundheit seiner Nutzer beeinträchtigen könnten, erklärte die EU-Kommission am Freitag. Das Unternehmen kündigte an, die aus seiner Sicht „kategorisch falschen“ Vorwürfe anfechten zu wollen.

EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen erklärte, Tiktok müsse die Funktionsweise der Plattform in Europa ändern, um Minderjährige besser zu schützen. Als problematisch nannte die Kommission unter anderem das unendliche Scrollen, Autoplay-Funktionen, Push-Nachrichten sowie das stark personalisierte Empfehlungssystem. Auch fehlende oder leicht umgehbare Bildschirmpausen seien ein zentrales Problem.

Nach Angaben der Kommission erreicht Tiktok rund 170 Millionen Menschen in der Europäischen Union, viele davon Minderjährige. Sieben Prozent der 12- bis 15-Jährigen verbrächten täglich zwischen vier und fünf Stunden auf der Plattform. Hinweise auf eine zwanghafte Nutzung – etwa nächtliche Aktivität von Kindern – würden nach Auffassung der Behörde nicht ausreichend berücksichtigt. Maßnahmen zum Bildschirmzeit-Management und elterliche Kontrollfunktionen seien unzureichend.

Brüssel hatte die Untersuchung im Februar 2024 eingeleitet – es ist das erste Verfahren gegen Tiktok unter dem EU-Gesetz für digitale Dienste. Geprüft wird insbesondere, ob der Dienst genug unternimmt, um negative Auswirkungen auf junge Nutzer zu begrenzen. Tiktok kooperiere bislang mit den Behörden, teilte die Kommission mit.

Das Gesetz für digitale Dienste ist Teil eines umfangreichen Regelwerks, mit dem die EU große Technologie-Konzerne stärker regulieren will. Dies sorgt international für Spannungen, insbesondere mit den USA, wo die Maßnahmen wiederholt als „Zensur“ kritisiert wurden. Tiktok wies die Vorwürfe entschieden zurück und erklärte, man werde alle verfügbaren rechtlichen Mittel nutzen, um gegen die Feststellungen vorzugehen.

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, droht dem Unternehmen eine Geldbuße von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Ähnliche Untersuchungen laufen laut EU-Kommission auch gegen andere große Plattformen wie Facebook, Snapchat und Instagram. OZD



OZD-Kommentar – Der Algorithmus als Risiko

Was hier verhandelt wird, ist kein Detail, sondern das Geschäftsmodell einer ganzen Branche. Plattformen wie Tiktok leben davon, Aufmerksamkeit maximal zu binden – je länger, desto profitabler. Dass dabei Kinder und Jugendliche besonders gefährdet sind, ist längst kein Geheimnis mehr. Die EU greift spät ein, aber sie greift endlich ein. Wenn Konzerne behaupten, ihre Systeme seien harmlos, während Millionen Minderjährige täglich stundenlang gefesselt werden, dann ist Skepsis angebracht. Regulierung ist hier kein Eingriff in Freiheit, sondern ein notwendiger Schutz vor digitaler Überforderung.

Historischer Hintergrund

Seit Jahren wächst in Europa die Kritik an den Auswirkungen sozialer Netzwerke auf junge Menschen. Studien zu Konzentrationsproblemen, Schlafmangel und psychischen Belastungen haben den politischen Druck erhöht. Mit dem Gesetz für digitale Dienste hat die EU erstmals ein Instrument geschaffen, um Plattformen systematisch zur Verantwortung zu ziehen.

Zukunftsprognose

Sollte die EU mit ihrem Vorgehen Erfolg haben, könnte dies weitreichende Folgen für das Design sozialer Netzwerke haben. Funktionen wie Endlos-Feeds und aggressive Benachrichtigungen könnten künftig eingeschränkt oder verboten werden. Gleichzeitig dürfte die Debatte über ein Mindestalter für Social Media weiter an Fahrt aufnehmen.


OZD-Gewinnspiel

Frage:
Welches Instrument nutzt die EU für das Verfahren gegen Tiktok?

A) Medienfreiheitsgesetz
B) Digital Markets Act
C) Gesetz für digitale Dienste
D) Wettbewerbsrecht der WTO

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Mini-Infobox

– Betroffene Plattform: Tiktok
– Nutzer in der EU: ca. 170 Millionen
– Verfahren gestartet: Februar 2024
– Mögliche Strafe: bis zu 6 % Umsatz
– Fokus: Schutz von Minderjährigen

OZD-Analyse

Kritikpunkte der EU
a) Suchtfördernde Mechanismen
b) Unzureichender Jugendschutz
c) Fehlende Pausenfunktionen

Reaktion des Konzerns
a) Zurückweisung der Vorwürfe
b) Ankündigung rechtlicher Schritte
c) Kooperation mit Behörden

Politische Tragweite
a) Signal an Tech-Branche
b) Spannungen mit den USA
c) Präzedenzfall für weitere Verfahren

Erklärung

Was ist das Gesetz für digitale Dienste (DSA)?
Das Gesetz für digitale Dienste ist ein EU-Rechtsrahmen zur Regulierung großer Online-Plattformen. Es verpflichtet Unternehmen zu mehr Transparenz, besserem Nutzerschutz und konsequentem Vorgehen gegen Risiken für Gesellschaft und Demokratie.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.

OZD-Extras

Hinweis: Immer mehr Staaten diskutieren Altersgrenzen oder Verbote sozialer Netzwerke für Kinder – die EU-Prüfung könnte diesen Trend beschleunigen.


Mehr zu Tic Tok https://www.online-zeitung-deutschland.de/search?q=TikTok