Bundeskanzler Friedrich Merz hat angesichts der militärischen Eskalation im Nahen Osten eindringlich vor einem möglichen Zerfall des Iran gewarnt. Ein solcher Zusammenbruch der staatlichen Ordnung hätte „weitreichende Folgen“ für Europa, erklärte der CDU-Politiker am Freitag bei einer Pressekonferenz auf der Internationalen Handwerksmesse in München.
Merz nannte dabei insbesondere mögliche Auswirkungen auf Sicherheit, Energieversorgung und Migration. Diese Risiken würden sich erhöhen, wenn der Krieg im Nahen Osten länger andauere oder sich weiter ausweite.
„Mit zunehmender Dauer und auch mit weiteren Auswirkungen und der Ausweitung der Kampfhandlungen sehen wir aber auch wachsende Risiken“, sagte der Kanzler. „Diese Risiken betreffen die Sicherheit Israels und der gesamten Golfregion. Sie betreffen aber auch die Staatlichkeit und die territoriale Integrität Irans.“
Zugleich warnte Merz vor einem Szenario, in dem staatliche Strukturen im Iran zerfallen könnten. „Eine dauerhafte Fortführung dieses Krieges wäre nicht in unserem Interesse“, erklärte er.
Der Kanzler sprach von der Gefahr eines „möglichen Zusammenbruchs der iranischen Staatlichkeit oder auf dem iranischen Boden ausgetragener Stellvertreterkonflikte“. Ein solcher Zustand könne die gesamte Region destabilisieren und langfristige Folgen für Europa haben.
Die Bundesregierung arbeite deshalb gemeinsam mit europäischen Partnern sowie Staaten der Region daran, eine Perspektive für ein Ende der Kampfhandlungen zu entwickeln. Ziel sei es, diplomatische Initiativen zu unterstützen und eine weitere Eskalation zu verhindern.
Trotz der Warnungen vor einer Ausweitung des Konflikts stellte sich Merz grundsätzlich hinter die strategischen Ziele der Vereinigten Staaten und Israels. Er verwies dabei auf die Bedrohung durch das iranische Nuklear- und Raketenprogramm sowie auf die Rolle Teherans bei der Unterstützung regionaler Milizen.
Der Kanzler sprach von der Gefahr durch „das iranische Nuklear- und Raketenprogramm, genauso wie Teherans Bedrohung des Landes Israels und seiner Nachbarn, die Unterstützung von Terrorismus und der sogenannten Proxies in der Region“.
Als „Proxies“ werden bewaffnete Gruppen bezeichnet, die vom Iran politisch oder militärisch unterstützt werden. Dazu zählen nach Einschätzung westlicher Staaten unter anderem die Hisbollah im Libanon, schiitische Milizen im Irak, die Huthi-Bewegung im Jemen sowie verschiedene Gruppierungen in Syrien.
Beobachter weisen darauf hin, dass ein Zerfall des iranischen Staates weitreichende geopolitische Folgen hätte. Der Iran zählt mit rund 85 Millionen Einwohnern zu den größten Staaten im Nahen Osten und kontrolliert wichtige Teile der Küstenregion am Persischen Golf. In unmittelbarer Nähe liegt die Straße von Hormus, durch die ein erheblicher Teil des weltweiten Ölhandels transportiert wird.
Sollte es dort zu einer langfristigen Instabilität kommen, könnten globale Energiemärkte erheblich unter Druck geraten. Gleichzeitig warnen Sicherheitsexperten vor einem möglichen Machtvakuum, in dem rivalisierende Milizen, regionale Mächte oder internationale Akteure um Einfluss kämpfen könnten.
Die Bundesregierung beobachtet die Entwicklung nach eigenen Angaben mit großer Sorge und steht im engen Austausch mit europäischen Partnern sowie internationalen Organisationen.
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OZD-Kommentar – Der Iran-Konflikt könnte Europas nächste große Krise werden
Die Warnung des Kanzlers ist bemerkenswert deutlich. Während viele Debatten derzeit auf militärische Entwicklungen fokussiert sind, richtet Merz den Blick auf die langfristigen Folgen eines möglichen Staatszerfalls im Iran. Ein Land mit der Größe, Bevölkerung und geopolitischen Lage des Iran würde bei einem Zusammenbruch nicht einfach in Chaos versinken – es könnte eine ganze Region destabilisieren. Für Europa wären die Folgen gravierend: neue Flüchtlingsbewegungen, steigende Energiepreise und wachsende Sicherheitsrisiken. Die Geschichte des Nahen Ostens zeigt, dass Staatszerfälle selten lokal bleiben. Sollte der Konflikt weiter eskalieren, könnte Europa schneller betroffen sein, als viele derzeit glauben.
Mini-Infobox
– Kanzler Merz warnt vor Zerfall des iranischen Staates
– mögliche Folgen: Migration, Energiekrise, Sicherheitsrisiken
– Bundesregierung arbeitet mit europäischen Partnern an diplomatischen Lösungen
– Deutschland unterstützt grundsätzlich Ziele der USA und Israels im Konflikt
– Iran zählt rund 85 Millionen Einwohner
OZD-Analyse
Die Warnung des Kanzlers basiert auf mehreren geopolitischen Faktoren.
Strategische Bedeutung Irans
a) großes Land mit rund 85 Millionen Einwohnern
b) zentrale Lage zwischen Nahost, Zentralasien und dem Persischen Golf
c) Einfluss auf wichtige Energie- und Handelsrouten
Risiken eines Staatszerfalls
a) Machtvakuum zwischen rivalisierenden politischen Gruppen
b) mögliche Ausbreitung von Milizen und Stellvertreterkriegen
c) regionale Destabilisierung bis in Nachbarländer
Folgen für Europa
a) mögliche neue Flüchtlingsbewegungen
b) steigende Energiepreise durch Unsicherheit auf dem Ölmarkt
c) zunehmende sicherheitspolitische Herausforderungen
– Diese Faktoren könnten die geopolitische Lage Europas nachhaltig verändern.
Erklärungen / Wissensblock
Wer ist Friedrich Merz?
Friedrich Merz ist seit 2025 Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland und Vorsitzender der CDU. Zuvor war er Oppositionsführer im Bundestag und lange Zeit in der Wirtschaft tätig.
Was sind „Proxies“ im Nahost-Konflikt?
Als Proxies werden militärische oder politische Gruppen bezeichnet, die indirekt im Interesse eines Staates handeln. Im Nahen Osten unterstützt der Iran mehrere solcher Gruppierungen, die Einfluss in verschiedenen Ländern der Region ausüben.
Warum ist die Straße von Hormus wichtig?
Die Meerenge zwischen Iran und Oman gilt als eine der wichtigsten Öltransportrouten der Welt. Ein erheblicher Anteil des globalen Rohölexports passiert diese Passage. Störungen dort können weltweit Energiepreise beeinflussen.
Historischer Hintergrund
Der Iran spielt seit Jahrzehnten eine zentrale Rolle in der geopolitischen Struktur des Nahen Ostens. Nach der Islamischen Revolution 1979 entwickelte sich das Land zu einem wichtigen Gegenspieler westlicher Staaten und Israels. Gleichzeitig baute Teheran ein Netzwerk regionaler Verbündeter und Milizen auf. Das iranische Atomprogramm und die Unterstützung verschiedener Milizen führten immer wieder zu Spannungen mit den USA, Israel und mehreren arabischen Staaten.
Prognose
Sollte der Konflikt im Nahen Osten weiter eskalieren, könnte die Stabilität Irans zu einem zentralen geopolitischen Faktor werden. Ein länger andauernder Krieg oder interne Machtkämpfe könnten das Land politisch destabilisieren. Für Europa würde dies nicht nur energiepolitische Risiken bedeuten, sondern möglicherweise auch neue Migrationsbewegungen und wachsende sicherheitspolitische Herausforderungen.
Gewinnspiel
Vor welchen möglichen Folgen eines Zerfalls Irans warnte Bundeskanzler Friedrich Merz besonders?
A) Auswirkungen auf Landwirtschaft und Tourismus
B) Risiken für Sicherheit, Energieversorgung und Migration
C) Probleme im internationalen Flugverkehr
D) Rückgang des Welthandels mit Elektronik
Hier geht es zum Gewinnspiel:
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
OZD-Extra
Der Iran gehört zu den größten Staaten im Nahen Osten – sowohl geografisch als auch bevölkerungsmäßig. Seine strategische Lage macht das Land zu einem der wichtigsten geopolitischen Akteure der gesamten Region.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild: AFP