Der militärische Konflikt zwischen Iran und Israel hat sich nach der Ernennung des neuen iranischen Anführers Modschtaba Chamenei weiter verschärft. Der Iran beschoss Israel erneut mit Raketen, während die israelische Armee nach eigenen Angaben mehrere militärische Einrichtungen im Iran attackierte.
In der iranischen Hauptstadt Teheran waren am Montag Explosionen zu hören. Gleichzeitig versammelten sich im Stadtzentrum tausende Menschen, um dem neuen Machthaber die Treue zu schwören.
Tote und Verletzte in Israel
Bei iranischen Raketenangriffen auf Zentralisrael wurde nach Angaben von Rettungskräften am Montagmorgen ein Mann getötet. Ein weiterer Mensch erlitt schwere Verletzungen.
Die israelische Armee erklärte, sie habe im Gegenzug mehrere Ziele im Zentrum des Iran angegriffen. Dazu gehörten unter anderem eine Produktionsanlage für Raketen sowie Abschussstellungen für ballistische Langstreckenraketen.
Auch Einrichtungen der iranischen Sicherheitskräfte seien getroffen worden, darunter das Hauptquartier der sogenannten „Inneren Sicherheit“ in Isfahan sowie eine Polizeistation. Weitere Ziele sollen von den Iranische Revolutionsgarden und der paramilitärischen Bassidsch-Miliz genutzt worden sein.
Israel greift Hisbollah im Libanon an
Parallel zu den Angriffen im Iran nahm Israel erneut Ziele der vom Iran unterstützten Hisbollah im Libanon ins Visier.
Live-Bilder aus dem Süden der Hauptstadt Beirut zeigten Rauch über mehreren Stadtteilen. Die israelische Armee hatte zuvor die Bewohner bestimmter Gebiete zur Evakuierung aufgerufen.
Nach Angaben eines Armeesprechers richteten sich die Angriffe unter anderem gegen Einrichtungen der mit der Hisbollah verbundenen Finanzinstitution Al-Kard Al-Hassan.
Angriffe auf Golfstaaten
Der Iran weitete seine Angriffe zugleich auf mehrere Staaten der Golfregion aus.
In Bahrain traf ein iranisches Geschoss den Raffineriekomplex Al Ma'ameer Raffineriekomplex. Der Betreiber, der staatliche Energiekonzern Bapco, erklärte daraufhin höhere Gewalt und deutete an, dass vereinbarte Lieferverpflichtungen möglicherweise nicht vollständig erfüllt werden können.
Auf der Insel Sitra wurden nach Behördenangaben mindestens 32 Menschen verletzt, vier von ihnen schwer.
Auch in Saudi-Arabien wurde laut Verteidigungsministerium ein iranischer Drohnenangriff auf ein Erdölfeld im Osten des Landes abgewehrt. Das Außenministerium in Riad verurteilte die Attacken als „verwerflich“.
Die Vereinigte Staaten ordneten unterdessen die Abreise von nicht unbedingt benötigtem Botschaftspersonal aus Saudi-Arabien an.
Russland und China reagieren
Russlands Präsident Wladimir Putin sicherte dem neuen iranischen Anführer Chamenei in einem Schreiben die „unerschütterliche Unterstützung“ Moskaus zu.
Seine Amtszeit werde „zweifellos großen Mut und Hingabe erfordern“, schrieb der Kremlchef.
Auch China äußerte sich zu der Ernennung. Das chinesische Außenministerium rief zur Achtung der „Souveränität“ des Iran auf und bezeichnete die Ernennung Chameneis als verfassungsgemäß.
Unterstützung aus irakischen Milizen
Mehrere mit Teheran verbündete Milizen im Irak begrüßten die Ernennung des neuen Anführers.
Die Badr-Miliz bezeichnete die Entscheidung als Zeichen einer „gesegneten Fortsetzung des Pfads der islamischen Revolution“.
Chamenei folgt auf seinen getöteten Vater
Modschtaba Chamenei war am Sonntag zum neuen obersten Führer des Iran ernannt worden. Sein Vater, Ali Chamenei, war zu Beginn des Iran-Krieges Ende Februar bei Luftangriffen der USA und Israels auf Teheran getötet worden.
Bei den Angriffen kamen auch weitere Mitglieder der iranischen Führung ums Leben. Der Iran reagierte darauf mit Angriffen auf Israel sowie auf mehrere mit den USA verbündete Staaten in der Golfregion.
Iran macht Europa mitverantwortlich
Die iranische Regierung warf europäischen Staaten am Montag eine Mitverantwortung für den Konflikt vor.
Ein Sprecher des Außenministeriums in Teheran erklärte, die Staaten Europas hätten „leider dazu beigetragen“, die Voraussetzungen für den Krieg zu schaffen. Vor allem im UN-Sicherheitsrat hätten sie ihre Nähe zu den USA gezeigt und sowohl Israel als auch Washington in ihren Absichten bestärkt.
OZD-Kommentar
Die Ernennung von Modschtaba Chamenei markiert einen möglichen Wendepunkt in der iranischen Politik. Der Machtwechsel innerhalb der Führung fällt in eine Phase intensiver militärischer Eskalation.
Gleichzeitig zeigt der Konflikt, wie schnell regionale Spannungen zu einer internationalen Krise anwachsen können – insbesondere durch die Beteiligung der USA, Israels sowie verschiedener Milizen und Golfstaaten.
Mini-Infobox
Neuer iranischer Anführer: Modschtaba Chamenei
Raketenangriffe zwischen Iran und Israel dauern an
Angriffe auch auf Bahrain und Saudi-Arabien
Mindestens 32 Verletzte bei Angriff auf Insel Sitra
OZD-Analyse
1. Machtwechsel im Iran
a) Ernennung von Modschtaba Chamenei
b) Tod von Ali Chamenei bei Luftangriffen
c) mögliche Festigung der Machtstruktur
2. Regionale Eskalation
a) Raketenangriffe zwischen Iran und Israel
b) Einbindung von Hisbollah und Golfstaaten
c) steigende Gefahr eines größeren Nahostkriegs
3. Internationale Reaktionen
– Unterstützung Russlands für Teheran
– Aufruf Chinas zur Wahrung der iranischen Souveränität
– Kritik Irans an europäischen Staaten
Alle Angaben ohne Gewähr.
Foto: AFP