Was für ein Fußball-Krimi bei der Weltmeisterschaft: Österreich und Algerien haben sich nach einem dramatischen 3:3 (1:1) in Kansas City gemeinsam für die K.o.-Runde qualifiziert. Erst in der Nachspielzeit entwickelte sich aus einer zunehmend taktisch geprägten Partie ein echtes Spektakel. Sasa Kalajdzic schoss Österreich mit seinem Ausgleich in der 90.+6 Minute endgültig ins Sechzehntelfinale und sorgte für grenzenlosen Jubel.
Über weite Strecken hatte das direkte Duell um die Plätze zwei und drei der Gruppe J alles geboten. Marko Arnautovic brachte Österreich in der 28. Minute in Führung. Kurz vor der Pause glich Rafik Belghali aus (45.), ehe Marcel Sabitzer die ÖFB-Auswahl erneut in Front brachte (55.). Doch Riyad Mahrez antwortete nur fünf Minuten später mit dem 2:2.
Da ein Unentschieden beiden Mannschaften zum Weiterkommen genügte, nahm die Partie nach rund 70 Minuten deutlich an Tempo ab. Beide Teams gingen kaum noch Risiken ein, was die Zuschauer im Arrowhead Stadium mit lautstarken Pfiffen quittierten. Erinnerungen an die berüchtigte "Schande von Gijón" aus dem Jahr 1982 wurden wach.
Dann überschlugen sich die Ereignisse. Mahrez traf in der Nachspielzeit zum 3:2 für Algerien (90.+3), ehe Kalajdzic praktisch mit der letzten Aktion des Spiels zum 3:3 einköpfte (90.+6). Das Ergebnis bedeutete für beide Mannschaften den Einzug in die K.o.-Phase, während der Iran aus dem Turnier ausschied.
"Ich konnte es gar nicht glauben, was da passiert", sagte Österreichs Teamchef Ralf Rangnick. "Was sich in der dramatischen Schlussphase abgespielt habe, das habe ich so noch nie erlebt und die meisten anderen wahrscheinlich auch nicht. Unglaublich, im Moment sind wir einfach nur happy, dass wir weitergekommen sind."
Österreich steht damit erstmals seit der Weltmeisterschaft 1982 wieder in der K.o.-Phase eines WM-Turniers. Im Sechzehntelfinale wartet nun Europameister Spanien. Algerien qualifizierte sich trotz des späten Ausgleichs als einer der besten Gruppendritten und trifft nun auf die Schweiz.
Vor der Partie war intensiv über einen möglichen Nichtangriffspakt spekuliert worden. Hintergrund war das historische WM-Spiel von 1982 zwischen Deutschland und Österreich, das als "Schande von Gijón" in die Fußballgeschichte einging. Ralf Rangnick hatte entsprechende Spekulationen im Vorfeld entschieden zurückgewiesen. "Ich werde die Mannschaft sicher nicht ins Rennen schicken, um unentschieden zu spielen", hatte der österreichische Teamchef betont.
Auf dem Platz entwickelte sich zunächst jedoch ein intensiver Schlagabtausch. Nach einer starken ersten Stunde verlor die Begegnung zwar an Tempo, ehe die spektakuläre Nachspielzeit das Spiel doch noch zu einem der dramatischsten Vorrundenspiele dieser Weltmeisterschaft machte.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Ein Happy End mit bitterem Beigeschmack
Dieses Spiel wird in Erinnerung bleiben – allerdings aus zwei völlig unterschiedlichen Gründen. Die packende Schlussphase war Werbung für den Fußball. Davor aber war über viele Minuten deutlich zu erkennen, dass beide Mannschaften mit dem Unentschieden leben konnten. Solche Konstellationen bleiben ein Problem des Turniermodus. Dass am Ende dennoch beide Teams durch späte Treffer den Einzug in die K.o.-Runde perfekt machten, rettete nicht nur das Spiel, sondern auch dessen sportliche Glaubwürdigkeit.
Historischer Hintergrund
Die "Schande von Gijón" zählt zu den umstrittensten Spielen der WM-Geschichte. Bei der Weltmeisterschaft 1982 gewann Deutschland mit 1:0 gegen Österreich. Nach dem frühen Führungstreffer verzichteten beide Mannschaften weitgehend auf Offensivaktionen, wodurch Algerien ausschied. Als Konsequenz werden die letzten Gruppenspiele einer WM seit 1986 zeitgleich ausgetragen. Durch das neue 48-Team-Format entstanden jedoch erneut Konstellationen, in denen ein bestimmtes Ergebnis beiden Teams genügt.
Zukunftsprognose
Österreich reist mit viel Selbstvertrauen ins Duell gegen Spanien, muss sich jedoch deutlich steigern. Algerien dürfte als Außenseiter gegen die Schweiz befreit aufspielen. Die FIFA könnte nach diesem Spiel erneut Diskussionen über den Turniermodus erleben, um taktische Ergebnisabsprachen künftig weiter zu erschweren.
Gewinnspiel
Frage: Wer erzielte Österreichs entscheidenden Ausgleich in der Nachspielzeit?
A) David Alaba
B) Marcel Sabitzer
C) Marko Arnautovic
D) Sasa Kalajdzic
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Mini-Infobox
Österreich und Algerien spielen 3:3.
Kalajdzic trifft in der 90.+6 Minute.
Beide Teams erreichen die K.o.-Runde.
Iran scheidet aus dem Turnier aus.
Österreich trifft nun auf Spanien.
OZD-Analyse
Dramatische Schlussphase
– Zwei Tore in der Nachspielzeit entscheiden über das Weiterkommen.
Taktische Entwicklung
– a) Offener Schlagabtausch bis zur 70. Minute.
– b) Danach minimierten beide Teams das Risiko.
– c) Die Zuschauer reagierten mit Pfiffen.
Folgen
– Österreich feiert das erste WM-Weiterkommen seit 1982. Gleichzeitig entfacht die Partie neue Diskussionen über den Turniermodus und mögliche taktische Konstellationen.
Erklärungen
Wer ist Ralf Rangnick?
Ralf Rangnick ist deutscher Fußballtrainer und Teamchef der österreichischen Nationalmannschaft. Er gilt als einer der einflussreichsten Fußballstrategen Europas und prägte den modernen Pressing-Fußball maßgeblich.
Was war die "Schande von Gijón"?
Als "Schande von Gijón" wird das WM-Spiel 1982 zwischen Deutschland und Österreich bezeichnet. Nach einem frühen deutschen Führungstor stellten beide Mannschaften ihre Offensivbemühungen weitgehend ein, wodurch Algerien ausschied. Das Spiel führte zu einer grundlegenden Änderung des WM-Spielplans mit zeitgleichen letzten Gruppenspielen.
OZD-Extras
Mit dem Einzug ins Sechzehntelfinale steht Österreich erstmals seit 44 Jahren wieder in einer WM-K.o.-Phase. Für viele österreichische Fans zählt das Last-Minute-Tor von Sasa Kalajdzic bereits jetzt zu den größten Momenten der Fußballgeschichte des Landes.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.