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FIFA-Pläne sorgen für Aufruhr: Watzke warnt vor Angriff auf den Fußball

Die Pläne der FIFA, Minderheitsanteile an einer neuen Gesellschaft rund um die Fußball-Weltmeisterschaft an Investoren zu verkaufen, stoßen in Europa auf massiven Widerstand.

Kleine Übersicht

Hans-Joachim Watzke lehnt die FIFA-Pläne entschieden ab.

Die UEFA sieht eine „Grenze überschritten“.

FIFA plant eine neue Tochtergesellschaft für WM-Geschäfte.

Ein Boykott der Weltmeisterschaft wird in Europa offenbar diskutiert.

Die Pläne der FIFA zur Neuorganisation ihrer kommerziellen Aktivitäten lösen im europäischen Fußball erhebliche Kritik aus. DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke hat den geplanten Einstieg privater Investoren in eine neue FIFA-Gesellschaft deutlich zurückgewiesen.

"Viele im europäischen Fußball sehen die Pläne der FIFA als absoluten Angriff auf den Fußball an. Diese Haltung teile ich", sagte Watzke dem kicker. "Hier wird eine Grenze überschritten."

Nach seinen Angaben herrscht innerhalb der Europäischen Fußball-Union (UEFA) weitgehende Einigkeit über diese Einschätzung. Watzke verwies auf Gespräche mit UEFA-Präsident Aleksander Ceferin und weiteren Funktionären.

"Bei der WM standen sechs europäische Teams im Viertelfinale und drei im Halbfinale. Wenn sich der europäische Fußball geschlossen gegen die Pläne wehrt, hat das sehr viel Gewicht", erklärte der DFB-Vizepräsident.

Auch die UEFA selbst reagierte ungewöhnlich scharf. In einer Stellungnahme betonte der Verband, die "Seele und die Führung des Fußballs" seien keine Vermögenswerte, mit denen gehandelt werden dürften. Zudem sei völlig unklar, wer letztlich finanziell von den Investitionen profitieren werde.

"Keiner von uns besitzt den Fußball. Es ist nicht an der FIFA, ihn zu verkaufen", erklärte die UEFA.

Medienberichten zufolge will die UEFA kurzfristig eine Dringlichkeitssitzung einberufen. Dabei soll nach Informationen von Sky, ESPN und Bloomberg sogar über einen möglichen Boykott künftiger Weltmeisterschaften gesprochen werden.

Auslöser der Debatte sind Berichte des Telegraph und der Financial Times. Danach plant die FIFA, zwischen 20 und 30 Prozent einer neu zu gründenden Gesellschaft an langfristige Investoren zu verkaufen.

Der Weltverband bestätigte inzwischen die Gründung der sogenannten FIFA Forward Enterprise (FFE). In dieser Tochtergesellschaft sollen künftig sämtliche kommerziellen Aktivitäten sowie die Organisation der FIFA-Turniere gebündelt werden.

Nach Angaben der FIFA soll die Gesellschaft vollständig unter ihrer Kontrolle bleiben. Investoren würden lediglich Minderheitsanteile ohne Stimm- oder Kontrollrechte erhalten. Voraussetzung für das Vorhaben ist allerdings noch die Zustimmung des FIFA-Kongresses und des FIFA-Councils.

OZD/AFP


OZD-Kommentar – Der Fußball steht an einem historischen Wendepunkt

Der Konflikt reicht weit über wirtschaftliche Fragen hinaus. Es geht um die Grundsatzfrage, wem der internationale Fußball gehört und wer künftig über seine größten Wettbewerbe entscheidet. Die FIFA argumentiert mit neuen Finanzierungsmöglichkeiten, während UEFA und zahlreiche nationale Verbände eine schleichende Kommerzialisierung befürchten. Die Prognose der OZD: Sollte die FIFA an ihrem Kurs festhalten, droht einer der größten Machtkämpfe der Fußballgeschichte. Ein offener Konflikt zwischen FIFA und UEFA könnte den Weltfußball dauerhaft verändern.


Historischer Hintergrund

Die FIFA organisiert seit 1930 die Fußball-Weltmeisterschaft und finanziert einen großen Teil ihrer weltweiten Entwicklungsprogramme über die Einnahmen dieses Turniers. In den vergangenen Jahrzehnten nahm die wirtschaftliche Bedeutung der WM kontinuierlich zu. Gleichzeitig verschärften sich die Spannungen zwischen FIFA und UEFA immer wieder – etwa bei der Einführung neuer Wettbewerbe oder der Ausweitung der Klub-WM.


Zukunftsprognose

Die Entscheidung über die FIFA Forward Enterprise dürfte zu intensiven Verhandlungen zwischen FIFA, UEFA und den nationalen Verbänden führen. Möglich sind Änderungen am Konzept oder zusätzliche Kontrollmechanismen für Investoren. Sollte Europa geschlossen Widerstand leisten, könnte das Projekt erheblich verzögert oder in seiner jetzigen Form verändert werden. Ein tatsächlicher WM-Boykott gilt derzeit als mögliches Druckmittel, wäre jedoch ein historischer Schritt mit weitreichenden Folgen.


Gewinnspiel

Frage: Welchen Anteil der neuen Gesellschaft möchte die FIFA laut Berichten an Investoren verkaufen?

A) 5 bis 10 Prozent

B) 10 bis 15 Prozent

C) 20 bis 30 Prozent

D) 40 bis 50 Prozent

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OZD-Analyse

Machtkampf im Weltfußball
– FIFA und UEFA vertreten grundlegend unterschiedliche Vorstellungen über die wirtschaftliche Zukunft der Weltmeisterschaft.

Kernpunkte
– a) Verkauf von Minderheitsanteilen an Investoren.
– b) Kritik an fehlender Transparenz.
– c) Diskussion über einen möglichen europäischen Boykott.

Folgen
– Der Streit könnte die Beziehungen zwischen FIFA und UEFA nachhaltig belasten. Gleichzeitig steht die zukünftige Finanzierung internationaler Wettbewerbe ebenso zur Debatte wie die Rolle privater Investoren im Profifußball.

Erklärungen

Wer ist Hans-Joachim Watzke?

Hans-Joachim Watzke ist DFB-Vizepräsident und Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees. Über viele Jahre war er zudem Vorsitzender der Geschäftsführung von Borussia Dortmund und zählt zu den einflussreichsten Fußballfunktionären Europas.

Was ist die FIFA?

Die FIFA (Fédération Internationale de Football Association) ist der Weltfußballverband mit Sitz in Zürich. Sie organisiert unter anderem die Fußball-Weltmeisterschaften und ist der Dachverband von mehr als 200 nationalen Fußballverbänden.

OZD-Extras

Sollte die FIFA Forward Enterprise tatsächlich gegründet werden, wäre dies die größte strukturelle Veränderung der wirtschaftlichen Organisation der Fußball-Weltmeisterschaft seit Bestehen des Turniers.

Wie wirkt sich das auf die Börsen aus oder hat es das schon?

Direkte Auswirkungen auf die Börsen sind bislang kaum zu erkennen. Mittelbar könnten jedoch Unternehmen aus den Bereichen Sportvermarktung, Medienrechte und Sponsoring profitieren oder belastet werden – je nachdem, wie sich die Vermarktung der Weltmeisterschaft künftig verändert. Für Investoren im Sportbusiness wäre ein Einstieg in eine FIFA-Gesellschaft ein völlig neues Modell.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.