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ICE-Beamter schießt Venezolaner in Texas an: Anwältin berichtet von Lähmung

Ein ICE-Beamter schießt einen 28-Jährigen in Austin an. Die Kugel bleibt nahe der Wirbelsäule im Körper – später treten laut Anwältin Lähmungen auf.

Fakten im Überblick

Der 28-jährige Venezolaner Wilber Rafael Garcés Pérez wurde am Sonntag in Austin im US-Bundesstaat Texas von einem ICE-Beamten angeschossen.

Nach Angaben seiner Anwältin steckt die Kugel weiterhin in seinem Körper; später habe er Lähmungserscheinungen auf der linken Körperseite entwickelt.

Über den genauen Ablauf des Einsatzes gibt es unterschiedliche Darstellungen; Bundesbehörden untersuchen den Schusswaffengebrauch.

Nach einem Schusswaffeneinsatz der US-Einwanderungsbehörde ICE in Austin im Bundesstaat Texas hat sich der Gesundheitszustand des verletzten Venezolaners Wilber Rafael Garcés Pérez nach Angaben seiner Anwältin verschlechtert. Kate Lincoln-Goldfinch erklärte, ihr 28 Jahre alter Mandant leide inzwischen unter einer Lähmung der linken Körperseite und sei wegen starker Schmerzen erneut in ein Krankenhaus gebracht worden. Die Kugel befinde sich weiterhin in seinem Körper. Unabhängige Berichte bestätigen den erneuten Krankenhausaufenthalt und die Angaben der Anwältin zu den Lähmungserscheinungen; eine unabhängige medizinische Diagnose war zunächst nicht öffentlich verfügbar.

Lincoln-Goldfinch hatte zuvor erklärt, ihrem Mandanten sei „in den Rücken geschossen“ worden. „Die Kugel wurde nicht entfernt, er erhielt keine Schmerzmittel, und er wurde an die ICE übergeben - in ein Abschiebezentrum, wo er die Nacht ohne Bett verbringen musste.“ Nach Angaben der Anwältin entschieden Ärzte im ersten Krankenhaus, das Projektil wegen seiner Nähe zur Wirbelsäule zunächst nicht zu entfernen. Sie erklärte zudem, der Schuss habe das Schlüsselbein ihres Mandanten gebrochen. Garcés Pérez wurde nur wenige Stunden nach dem Vorfall aus dem ersten Krankenhaus in ICE-Gewahrsam überstellt.

Der Venezolaner schilderte Journalisten seine Version des Einsatzes telefonisch. Er habe am Sonntag für den Lieferdienst DoorDash eine Bestellung ausgeliefert, als ein von ICE eingesetztes Fahrzeug seinen Wagen gerammt habe. Die Beamten hätten sich nach seiner Darstellung nicht als ICE zu erkennen gegeben. Anschließend sei auf ihn geschossen worden, während er sich noch im Auto befunden habe. „Mir geht es nicht gut, die Kugel ist immer noch in meinem Körper.“ Diese Schilderung ist umstritten: Die Polizei in Austin hatte zunächst mitgeteilt, der Mann sei zu Fuß geflohen. Andere Medien berichteten unter Berufung auf nicht namentlich genannte Quellen, die Bundesbeamten hätten sich identifiziert und Garcés Pérez habe versucht, sich der Festnahme zu entziehen. Der genaue Ablauf ist deshalb Gegenstand der Ermittlungen.

Nach dem Schuss wurde Garcés Pérez zunächst in ernstem, aber stabilem Zustand in ein Krankenhaus gebracht. Anschließend kam er in das South Texas ICE Processing Center in Pearsall, rund 200 Kilometer südwestlich von Austin. Seine Anwältin erklärte, er habe dort trotz seiner Verletzung zeitweise auf dem Boden schlafen müssen. Als er am Montag seinen linken Arm nicht mehr habe bewegen können, sei er erneut in ein Krankenhaus gebracht worden. Reuters berichtete am Dienstag ebenfalls, dass der 28-Jährige wegen der Lähmungserscheinungen wieder medizinisch behandelt wurde.

Auch beim Aufenthaltsstatus gibt es unterschiedliche Darstellungen. Das US-Heimatschutzministerium erklärte, Garcés Pérez halte sich illegal in den Vereinigten Staaten auf und gegen ihn bestehe eine rechtskräftige Abschiebeanordnung. Seine Anwältin erklärte dagegen, er sei ursprünglich legal in die USA eingereist und habe Asyl beantragt. Die Abschiebeanordnung sei entstanden, nachdem er einen Gerichtstermin versäumt habe; die entsprechende Benachrichtigung sei nach ihrer Darstellung an eine alte Adresse geschickt worden. Die Existenz einer endgültigen Abschiebeanordnung wurde von den Behörden bestätigt, die Umstände ihres Zustandekommens werden jedoch von der Verteidigung bestritten.

Der Fall löst auch deshalb heftige Reaktionen aus, weil die Angaben zum Schusswaffengebrauch noch nicht abschließend geklärt sind. Das Heimatschutzministerium hatte zunächst kaum Details zum konkreten Ablauf veröffentlicht. Die Bundesbehörden untersuchen den Vorfall; auch das FBI ist nach Medienberichten beteiligt. Der Bürgermeister von Austin, Kirk Watson, forderte eine unabhängige Untersuchung und Transparenz über die Geschehnisse.

Der Einsatz fällt in eine Phase deutlich verstärkter Einwanderungskontrollen unter Präsident Donald Trump. ICE spielt eine zentrale Rolle bei Festnahmen und Abschiebungen von Menschen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus. Die Behörde und ihre Einsatzmethoden sind politisch stark umstritten. Nach dem Vorfall in Austin versammelten sich Demonstranten zu Protesten. Der konkrete Fall dürfte nun vor allem davon abhängen, was die Ermittlungen über den Ablauf des Einsatzes und die Rechtmäßigkeit des Schusswaffengebrauchs ergeben.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Entscheidend sind jetzt Transparenz und überprüfbare Fakten

Der Fall in Austin enthält mehrere schwerwiegende Vorwürfe, zugleich sind zentrale Einzelheiten des Einsatzes noch umstritten. Garcés Pérez beschreibt einen Schuss in seinem Fahrzeug, während die erste Darstellung der Polizei von einer Flucht zu Fuß sprach. Seine Anwältin erhebt zudem Vorwürfe zur medizinischen Behandlung und Unterbringung nach der Schussverletzung.

Für eine belastbare Bewertung des Einsatzes werden deshalb überprüfbare Beweise entscheidend sein: Videoaufnahmen, Funkprotokolle, medizinische Unterlagen, Zeugenaussagen und die Ergebnisse der Ermittlungen. Dabei müssen sowohl die Frage nach dem Schusswaffengebrauch als auch die medizinische Versorgung nach der Verletzung getrennt untersucht werden.

Der Aufenthaltsstatus des Mannes ist für das Einwanderungsverfahren relevant. Ob der Einsatz von Gewalt rechtmäßig war und ob anschließend eine angemessene medizinische Versorgung gewährleistet wurde, sind davon eigenständige Fragen.

Historischer Hintergrund

ICE – die U.S. Immigration and Customs Enforcement – entstand 2003 im Zuge der Neuordnung der amerikanischen Sicherheitsbehörden nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Die Behörde gehört zum Department of Homeland Security und ist unter anderem für die Durchsetzung von Einwanderungsrecht im Landesinneren zuständig.

Seit Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus 2025 wurden die Kontrollen und Festnahmen deutlich ausgeweitet. Im Juli und August 2026 verzeichnete ICE jeweils mehr als 50.000 Festnahmen und damit nach Angaben der Nachrichtenagentur AP historische Höchststände. Gleichzeitig nahm die öffentliche Debatte über Einsatzmethoden und Schusswaffengebrauch zu.

Der Fall in Austin verbindet deshalb mehrere in den USA intensiv diskutierte Themen: Einwanderungspolitik, Befugnisse von Bundesbehörden, Verhältnismäßigkeit staatlicher Gewalt, medizinische Versorgung von Menschen in Gewahrsam und die Transparenz bei Ermittlungen gegen Beamte.

Zukunftsprognose

Kurzfristig dürfte sich die Aufmerksamkeit auf den Gesundheitszustand von Garcés Pérez und die Ermittlungen zum Schusswaffeneinsatz konzentrieren. Seine Anwälte versuchen zugleich auf juristischem Weg, eine Abschiebung während des laufenden Verfahrens zu verhindern. Ein Bundesrichter hat für den 30. September eine Anhörung angesetzt und angeordnet, dass Garcés Pérez persönlich anwesend sein soll.

Politisch dürfte der Vorfall die bereits intensive Auseinandersetzung über ICE und die Einwanderungspolitik der Trump-Regierung weiter begleiten. Wie stark der Fall konkrete gesetzgeberische oder administrative Veränderungen auslöst, hängt jedoch von den Ermittlungsergebnissen und möglichen Gerichtsentscheidungen ab.

Für Börsen, Aktien, Rohstoffe und Währungen besitzt der einzelne Vorfall keine unmittelbar messbare Bedeutung. Wirtschaftliche Auswirkungen könnten sich allenfalls mittelbar ergeben, wenn die breitere US-Einwanderungspolitik Arbeitsmärkte, Unternehmen oder bestimmte Branchen verändert.

Was ist ICE?

ICE steht für U.S. Immigration and Customs Enforcement. Die Bundesbehörde gehört zum US-Heimatschutzministerium und übernimmt unter anderem Aufgaben bei Einwanderungskontrollen, Festnahmen und Abschiebungen.

Wer ist Wilber Rafael Garcés Pérez?

Garcés Pérez ist ein 28 Jahre alter Venezolaner, der in Austin als Lieferfahrer arbeitete. Nach Behördenangaben besteht gegen ihn eine endgültige Abschiebeanordnung. Seine Anwältin erklärt, er sei ursprünglich legal in die USA eingereist und habe Asyl beantragt.

Warum befindet sich die Kugel noch in seinem Körper?

Nach Darstellung seiner Anwältin entschieden die behandelnden Ärzte, das Projektil wegen seiner Nähe zur Wirbelsäule nicht zu entfernen. Öffentlich zugängliche unabhängige medizinische Unterlagen, anhand derer diese Entscheidung genauer bewertet werden könnte, liegen bislang nicht vor.

Was wird jetzt untersucht?

Im Mittelpunkt steht die Frage, unter welchen Umständen der ICE-Beamte seine Schusswaffe einsetzte. Die Darstellungen zum Ablauf unterscheiden sich. Deshalb sind die Ergebnisse der Ermittlungen entscheidend, bevor sich abschließend beurteilen lässt, was unmittelbar vor den Schüssen geschah.

OZD-Extra – Anwälte ziehen vor Bundesgericht

Der Fall hat inzwischen eine zusätzliche juristische Dimension. Die Anwälte von Garcés Pérez haben vor einem Bundesgericht in Texas seine Freilassung aus dem ICE-Gewahrsam und einen Stopp seiner möglichen Abschiebung beantragt. Sie argumentieren unter anderem, dass ihr Mandant als zentraler Zeuge des Schusswaffenvorfalls für die Untersuchung verfügbar bleiben müsse.

Auch Mitglieder des US-Kongresses haben sich eingeschaltet. Mehr als 100 demokratische Abgeordnete forderten laut Berichten, eine Abschiebung dürfe eine umfassende Untersuchung des Vorfalls nicht behindern. Das ist eine politische Forderung der Abgeordneten und keine gerichtliche Feststellung über den Einsatz selbst.

Gewinnspiel

In welcher US-Stadt wurde der 28-jährige Venezolaner von einem ICE-Beamten angeschossen?

A: Miami
B: Austin
C: Los Angeles
D: Chicago

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.