Fakten im Überblick
Brent-Rohöl verteuerte sich am Montag zeitweise um 4,1 Prozent auf 108,65 Dollar je Barrel.
Donald Trump erwartet weitere indirekte Gespräche mit Iran, nachdem er Teherans jüngsten Vorschlag zurückgewiesen hatte.
In Deutschland sinkt die Energiesteuer vom 1. Oktober bis 31. Dezember um 14,04 Cent je Liter, einschließlich Mehrwertsteuereffekt sind es rund 17 Cent.
Die Unsicherheit über einen möglichen diplomatischen Durchbruch zwischen den Vereinigten Staaten und Iran treibt die Ölpreise erneut kräftig nach oben. Ein Barrel der Nordseesorte Brent verteuerte sich am Montag gegen Mittag um 4,1 Prozent auf 108,65 Dollar. Für die US-Sorte WTI wurden 96,31 Dollar je Barrel verlangt, ein Plus von 4,2 Prozent. Im weiteren Handelsverlauf schwächten sich die Ausschläge wieder ab, doch der Energiemarkt blieb nervös. Reuters berichtete später für die Brent-Futures von einem Preis von 105,28 Dollar je Barrel.
Im Mittelpunkt steht weiterhin die Straße von Hormus. Die Meerenge zwischen Iran und Oman gehört zu den strategisch wichtigsten Transportwegen für Erdöl und Flüssiggas. Seit Beginn des Krieges Ende Februar ist der Verkehr dort stark beeinträchtigt. Teheran hält die Passage weitgehend blockiert, während die USA ihrerseits eine Seeblockade gegen iranische Häfen verhängt haben. Zwar passieren weiterhin Tanker unter amerikanischem Schutz die Meerenge, die transportierten Mengen liegen aber unter dem Niveau vor dem Krieg. US-Präsident Donald Trump erklärte, allein am Freitagabend seien mehr als 20 Millionen Barrel durch die Straße von Hormus transportiert worden; ein US-Verteidigungsvertreter bestätigte Axios eine Größenordnung von 22 Millionen Barrel.
Zusätzlichen Auftrieb erhielten die Ölpreise, nachdem Trump den jüngsten iranischen Vorschlag für eine Vereinbarung zurückgewiesen hatte. „Die Ölpreise legten erneut zu, nachdem Präsident Trump erklärt hatte, er habe den jüngsten Vorschlag des Iran zur Wiederöffnung der Straße von Hormus abgelehnt“, erklärte Analyst Russ Mould von der Investmentplattform AJ Bell. Iran hatte Bedingungen für eine Wiederöffnung der Meerenge und die Wiederaufnahme umfassenderer Verhandlungen gestellt. Dazu gehörten unter anderem eine Aufhebung der amerikanischen Seeblockade, Erleichterungen bei Ölsanktionen sowie eine Waffenruhe in der Region. Washington verlangt seinerseits Zugeständnisse beim iranischen Atomprogramm.
Ob die Gespräche kurzfristig weitergehen, blieb am Montag widersprüchlich. Trump sagte Axios, er erwarte in dieser Woche weitere Verhandlungen. Katar und andere regionale Vermittler bemühen sich um eine Wiederaufnahme des indirekten Dialogs. Zwei regionale Quellen hielten eine neue Gesprächsrunde bereits ab Montag für möglich. Gleichzeitig berichteten iranische Staatsmedien, die iranische Delegation in New York habe keine weiteren Verhandlungen mit den USA geplant. Genau diese widersprüchlichen Signale erhöhen die Unsicherheit an den Rohstoffmärkten.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland bleibt die Lage unmittelbar spürbar. Ein Liter Super E10 kostete am Freitag im bundesweiten Durchschnitt 2,277 Euro, bis Sonntag stieg der Preis leicht auf 2,279 Euro. Diesel verbilligte sich im gleichen Zeitraum geringfügig von 2,432 auf 2,428 Euro je Liter. Die hohen Kraftstoffpreise sind eine Folge der Verwerfungen auf dem internationalen Ölmarkt, wobei neben dem Rohölpreis auch Wechselkurs, Raffineriekosten, Transport, Steuern und die Preisgestaltung der Mineralölunternehmen eine Rolle spielen.
Die Bundesregierung reagiert mit einer erneuten vorübergehenden Senkung der Energiesteuer. Der Bundestag beschloss am Freitag, die Steuer auf Benzin und Diesel vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember um 14,04 Cent je Liter zu reduzieren. Weil dadurch auch die darauf entfallende Mehrwertsteuer sinkt, ergibt sich rechnerisch eine Entlastung von rund 17 Cent pro Liter. 434 Bundestagsabgeordnete stimmten dafür, 128 dagegen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unterzeichnete das Gesetz nach der Zustimmung von Bundestag und Bundesrat.
Damit greift Deutschland innerhalb weniger Monate zum zweiten Mal zu diesem Instrument. Bereits im Mai und Juni waren die Kraftstoffsteuern vorübergehend gesenkt worden. Die Bundesregierung begründet die Neuauflage mit den Folgen des Konflikts zwischen den USA und Iran und den Einschränkungen der Schifffahrt durch die Straße von Hormus. Besonders betroffen seien Pendler, Logistikunternehmen, Landwirtschaft und private Haushalte.
Wie stark die Steuerentlastung tatsächlich an den Zapfsäulen ankommt, hängt allerdings von der weiteren Entwicklung des Ölpreises und weiteren Faktoren ab. Steigt Rohöl gleichzeitig deutlich weiter, könnte ein Teil der steuerlichen Entlastung durch höhere Beschaffungskosten überlagert werden. Umgekehrt könnten eine Entspannung im Iran-Konflikt und eine Normalisierung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus den Preisdruck reduzieren.
Genau darauf schauen die Märkte jetzt.
Die indirekten Gespräche zwischen Washington und Teheran sind damit längst nicht mehr nur eine diplomatische Angelegenheit. Ihr Verlauf beeinflusst Tanker im Persischen Golf, Energiepreise in Europa und die Kosten an deutschen Tankstellen.
Solange eine belastbare Vereinbarung fehlt, dürfte jede neue Nachricht aus Washington, Teheran und Doha die Energiemärkte bewegen.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Die Straße von Hormus wird zum Preisschild der Krise
Die Entwicklung zeigt, wie unmittelbar geopolitische Unsicherheit auf den Energiemärkten eingepreist wird. Schon die Aussicht auf ein Scheitern oder eine Verzögerung der Gespräche zwischen Washington und Teheran kann die Risikoprämie beim Öl erhöhen.
Dabei geht es nicht allein um die aktuelle Fördermenge. Entscheidend ist die Frage, wie zuverlässig Rohöl und Flüssiggas durch die Straße von Hormus transportiert werden können. Einschränkungen an einem solchen Nadelöhr können Lieferketten, Versicherungen und Transportkosten beeinflussen.
Der deutsche Tankrabatt setzt an einer anderen Stelle an. Er reduziert für drei Monate die steuerliche Belastung um rechnerisch rund 17 Cent je Liter. Ob Autofahrer diese Entlastung in voller Höhe spüren, hängt jedoch von der Entwicklung der Marktpreise und der Weitergabe der Steuersenkung ab.
Deshalb ist der Tankrabatt vor allem ein zeitlich begrenztes Instrument gegen hohe Kraftstoffkosten. Die Ursache der aktuellen Unsicherheit liegt dagegen Tausende Kilometer entfernt im Nahen Osten.
Für die kommenden Wochen bleibt die entscheidende Variable die Diplomatie: Fortschritte bei den Verhandlungen und eine verlässlichere Passage durch die Straße von Hormus könnten den Risikodruck reduzieren. Ein Scheitern der Gespräche oder eine erneute militärische Eskalation könnte dagegen weitere Preisschwankungen auslösen.
Historischer Hintergrund
Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem Arabischen Meer. Sie gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigsten strategischen Seewegen der Welt.
Durch die Meerenge werden große Mengen Erdöl und Flüssiggas aus Staaten wie Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait, Katar und Iran transportiert.
Damit besitzen Entwicklungen an dieser nur wenige Dutzend Kilometer breiten Passage internationale Bedeutung. Störungen können Energieimporteure in Asien und Europa ebenso betreffen wie die globale Schifffahrt.
Im aktuellen Konflikt gewann Hormus erneut besondere Bedeutung. Nach dem Beginn des Krieges Ende Februar wurde die Passage erheblich eingeschränkt. Die Vereinigten Staaten versuchen zugleich, den Öltransport durch militärischen Schutz bestimmter Schiffe aufrechtzuerhalten. Nach amerikanischen Angaben passieren weiterhin Millionen Barrel Öl die Meerenge, allerdings unter außergewöhnlichen Bedingungen.
Zukunftsprognose
Politisch werden die nächsten indirekten Kontakte zwischen Washington und Teheran entscheidend. Katar und weitere Vermittler versuchen, die Positionen beider Seiten anzunähern. Die Differenzen reichen von der Straße von Hormus über Sanktionen und die amerikanische Seeblockade bis zum iranischen Atomprogramm.
Wirtschaftlich bleibt ein hoher Ölpreis ein Inflationsrisiko. Steigende Energiekosten können Transport, Produktion und Konsum verteuern und damit Unternehmen wie private Haushalte belasten.
An den Börsen können hohe Ölpreise Energieunternehmen unterstützen, während besonders energieintensive Branchen und Unternehmen mit hohen Transportkosten unter Druck geraten können. Fluggesellschaften, Chemieunternehmen und Logistikkonzerne reagieren typischerweise empfindlich auf starke Veränderungen der Energiepreise.
Bei Rohstoffen steht Rohöl unmittelbar im Zentrum. Auch Erdgas kann auf Risiken rund um den Persischen Golf reagieren, weil die Region für den weltweiten LNG-Handel von großer Bedeutung ist.
Bei den Währungen kann eine längere Energiekrise unterschiedlich wirken. Reuters berichtete am Montag von einem relativ stabilen Dollar bei gleichzeitig erhöhten US-Anleiherenditen und steigenden Ölpreisen. Der Euro bewegte sich nahe mehrmonatiger Tiefstände.
Was ist die Straße von Hormus?
Die Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman.
Sie verbindet den Persischen Golf mit dem offenen Meer und ist eine der wichtigsten Transportrouten für Erdöl und Flüssiggas weltweit.
Deshalb können militärische Spannungen oder Einschränkungen der Schifffahrt dort internationale Energiepreise beeinflussen.
Was ist Brent-Rohöl?
Brent ist eine der wichtigsten Referenzsorten für den weltweiten Ölhandel.
Der Brent-Preis dient insbesondere in Europa als zentrale Orientierung für Rohölpreise. Er wird üblicherweise in US-Dollar pro Barrel angegeben.
Ein Barrel entspricht rund 159 Litern.
Was ist WTI?
WTI steht für West Texas Intermediate.
Es handelt sich um eine wichtige amerikanische Rohölsorte und einen der weltweit bedeutendsten Referenzpreise für Öl.
Während Brent besonders für den europäischen und internationalen Markt relevant ist, spielt WTI eine zentrale Rolle für den US-Ölmarkt.
Was bedeutet der Tankrabatt ab 1. Oktober?
Vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember 2026 wird die deutsche Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14,04 Cent pro Liter gesenkt.
Unter Berücksichtigung der dadurch ebenfalls niedrigeren Mehrwertsteuer ergibt sich rechnerisch eine Entlastung von rund 17 Cent je Liter.
Ob die Preise an jeder Tankstelle tatsächlich exakt um diesen Betrag sinken, lässt sich daraus nicht automatisch ableiten, weil gleichzeitig die Beschaffungs- und Marktpreise schwanken.
OZD-Extra – Warum wenige Kilometer Meer den Ölpreis weltweit bewegen können
Die Straße von Hormus zeigt besonders deutlich, wie verwundbar der globale Energiehandel an geografischen Engstellen sein kann.
Förderländer am Persischen Golf verfügen zwar über gewaltige Öl- und Gasreserven. Ein erheblicher Teil dieser Energie muss jedoch zunächst durch die Meerenge zwischen Iran und Oman transportiert werden, bevor er die Weltmärkte erreicht.
Deshalb beobachten Händler nicht nur Fördermengen, sondern auch Tankerverkehr, Versicherungsprämien, militärische Aktivitäten und diplomatische Verhandlungen.
Die aktuelle Situation zeigt diesen Mechanismus besonders deutlich: Trump erklärte, er habe den jüngsten iranischen Vorschlag zurückgewiesen, erwartet aber weitere Gespräche. Iranische Quellen signalisierten zugleich, dass zunächst keine neuen direkten beziehungsweise indirekten Verhandlungen der Delegation in New York geplant seien.
Für die Märkte bedeutet das vor allem eines: Unsicherheit.
Und Unsicherheit an einer der wichtigsten Energierouten der Welt kann einen Preis bekommen, der schließlich auch an deutschen Tankstellen sichtbar wird.
Gewinnspiel
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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.